„Menschen wollen in Butzbach wohnen“

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Nudelfabrik Bebauungsplan beschlossen / Mehrheit für Kostenübernahmeerklärung mit Investor

BUTZBACH (thg). Ausführlich diskutierten die Butzbacher Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung über die geplante Wohnbebauung am Wacholderweg an der früheren Nudelfabrik. Für den Kostenübernahmevertrag mit dem Investor und den Abschluss des Bebauungsplanverfahrens stimmten die Kooperationspartner SPD, CDU und Grüne. Die UWG enthielt sich der Stimme. Insbesondere nannte sie die Ampellösung anstelle eines Kreisverkehrs an der Griedeler Straße eine Fehlentscheidung. Bei ihrem Nein blieb die FDP, sie lehnt ein Wohngebiet auf dem Areal ab und wünscht sich dort eine Gewerbeansiedlung.

Speziell auf diesen Punkt ging Markus Ruppel (CDU) ein, der auch aus seiner Sicht als Immobilienmakler sprach. Für zwölf Hektar Aldi-Gelände finde sich seit Jahren niemand. In der Innenstadt gebe es Leerstand. Und so werde an der Nudelfabrik niemand ein Gewerbe errichten, wenn in anderen Gebäuden Flächen für circa vier Euro Miete zu bekommen seien. Die zurückliegenden fünf Jahre hätten gezeigt, dass die Menschen in Butzbach wohnen wollten. Die Nachfrage sei höher als das Angebot. Während in Frankfurt Wohnungsmieten von 15 bis 20 Euro kalt die Regel seien, würden in Butzbach 9,50 Euro mit einem entsprechend Kosten sparenden Energieschutz zu zahlen sein.

Auch zur Verkehrsproblematik, führte Ruppel weiter aus. Bei geplanten 130 Wohneinheiten ging er von 250 Autos aus, die aus dem Baugebiet zur B3 führen. Dabei von drohenden Staus zu sprechen, passe nicht. Ruppel wunderte sich zudem darüber, dass bei bestimmten Bauvorhaben – eines örtlichen Investors wie bei der alten Post – zugestimmt werde, aber Projekte von Entwicklern von außerhalb abgelehnt würden.

Zuvor hatte Bürgermeister Michael Merle unterstrichen, dass die Entwicklungsgesellschaft Kosten übernehme, die auch die Stadt nicht zu tragen habe, sondern die eigentlich Hessen Mobil zahlen müsse bei der Umgestaltung der Einmündung Himmrichsweg an der Griedeler Straße. Er ärgerte sich auch darüber, dass in der Ausschusssitzung von Kritikern an den Investor „keine Fragen mit Substanz“ gerichtet worden seien. Für rund 30 Millionen Euro schaffe jemand Wohnraum in der Stadt. Angesichts der Diskussionen könnte es passieren, dass jemand dann sage, er gebe sein Geld nicht in Butzbach aus. Er verwies ferner auf erfolgreiche Entwicklungsprojekte wie das Gelände der ehemaligen Landmaschinenfabrik.

FDP-Fraktionsvorsitzender Oliver Löhr hatte zuvor einen Stadtentwicklungsplan und ein Verkehrskonzept angemahnt. Die Stadt springe auf, wenn ein Investor kommt, ohne zu berücksichtigen, ob dieser andere wirtschaftliche Interessen habe als die Stadt.

Die Fläche sei prädestiniert für ein Wohnprojekt, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Euler. Er kritisierte erneut die Aussage Löhrs aus der Ausschusssitzung, wonach sich die Stadt vom Investor kaufen lasse – SPD-Fraktionsvorsitzende Vera Dick-Wenzel schloss sich Euler an. In anderen Gebieten, beispielsweise der Housing Area, habe Butzbach von einem Investor profitiert, sagte der CDU-Politiker. Populismus als Stilmittel einer „Protestpartei UWG“ kritisierte er und befand, die FDP sei auf dem Weg dahin. Dem widersprach der Liberale Daniel Libertus. Seine Fraktion bleibe seit 15 Jahren ihren Prinzipien treu. Eulers Fraktionskollege Benjamin Seliger fügte an, dass die Fläche nicht in städtischer Hand sei. Nach Jahrzehnten tue sich eine Gelegenheit auf. „Es gibt keinen Grund zur Ablehnung“, sagte er und empfahl, sich das Areal einmal anzusehen, das Euler zuvor als Schandfleck bezeichnet hatte.

Den Erhalt des hohen Nudelfabrikteils begrüßte Grünen-Fraktionsvorsitzende Jutta Schneider. Vor Jahren hätte ihr Vorgänger Rüdiger Maas schon von Wohnen im Loft an dieser Stelle gesprochen.

Michael Schröter (SPD) sieht einen Paradigmenwechsel in der Art, wie die Stadt mit Menschen ins Gespräch komme mit Menschen, „die hier etwas machen wollen“. So sehe er auch Gesprächsbedarf, was den Bahnhof betrifft. Ferner sagte er, dass die Ampel an der John-F.-Kennedy-Straße zur B3 zeige, dass auch mit dieser Lösung der Verkehr „sehr wohl fließt“.

Mit dem gefassten Satzungsbeschluss kann das Projekt nun weitergeführt werden. Christian Stary als Vertreter der Entwicklungsgesellschaft sagte der BZ, dass nach der Beschlussfassung schnell mit den weiteren Schritten begonnen werden soll.

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