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Mindestens ein Jahr bis Baubeginn

Foto: morber

Windkraft Hessen-Energie startet zwölfmonatige Windmessung / Gutachten Wespenbussard läuft

BUTZBACH (thg/pm). Die Hessen-Energie als Projektträger des Butzbacher Windparks mit drei Anlagen beginnt mit Windmessungen im Planungsgebiet. Das teilt die Ovag-Tochter in einer Presseerklärung mit. Wie Diplom-Ingenieur Gerd Morber auf Nachfrage erläuterte, geht dies auf die neuen Anforderungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zurück. Bei den Windmessungen geht es nicht um das beim Regierungspräsidium (RP) laufende Genehmigungsverfahren für die Anlagen, sondern um die Ermittlung der Wirtschaftlichkeit der geplanten Anlagen.

Die Energie und Versorgung Butzbach, die Stadtwerke Bad Nauheim und die Ovag möchten gemeinsam den Windpark errichten. Egal wie die Windmessungen oder das aktuelle Genehmiungsverfahren verlaufen: Vor Ablauf der zwölf Monaten währenden Erhebungen vor Ort wird weder gerodet noch wird mit den Arbeiten zur Errichtung der Anlagen begonnen, so Morber zu den Auflagen durch die Stadt Butzbach.

Im Laufe der nächsten Woche sollen das Windgutachterbüro Geo-Net aus Hannover und die Firma Enercon die Geräte im Wald in Position bringen. Es handelt sich dabei um ein mobiles Lidar-Messgerät, das auf einer Windbruchfläche in der Gemarkung Hoch-Weisel aufgestellt werden soll.

Lidar-Messungen (Light Detection And Ranging) setzen sich für Windmessungen seit einigen Jahren immer stärker durch, wie Morber erklärte. Aufgrund der kompakten, mobilen Geräte und der Möglichkeit, Windprofile bis 200 Meter Höhe und darüber hinaus mit höchster Präzision zu messen, werde immer öfter Lidar eingesetzt. Das Messprinzip beruhe auf der Rückstreuung von so genannten Aerosolpartikeln, die von der Luftströmung transportiert werden. Anders als bei Mastmessungen erfolge die Messung in einer Höhe nicht an einem Punkt im Raum, sondern setze sich aus mehreren verschiedenen Punktmessungen auf einer Ebene zusammen. Ein weiterer Vorteil bestehe in der Genehmigungsfreiheit des Vorhabens. Die Stadt Butzbach erteilte die Zustimmung zur Flächennutzung für die zwölfmonatige Windmessung.

Die Windmessung ist nach Morbers Worten ein weiterer Baustein dafür, die Errichtung der drei Windkraftanlagen in Butzbach „zur Entscheidungsreife“ zu bringen. Im Genehmigungsverfahren, das derzeit im Regierungspräsidium läuft, würden derzeit noch Fragen zum Wes-
penbussard fachgutachterlich geprüft, die sich im Erörterungstermin ergeben hatten. Deshalb existiert laut Morber noch kein Terminplan für die Umsetzung des Vorhabens. Der Nachweis des Wespenbussards sei nicht einfach, so sei es fraglich, wann es dem Gutachter gelingt, die Unterlagen nachzureichen. Dennoch hat Morber die Hoffnung, dass das Projekt genehmigt werden kann. Dies sei eine Sache der Abwägung der Genehmigungsbehörde. Zum aktuellen Stand des Genehmigungsverfahrens war gestern wegen einer internen Veranstaltung vom RP keine Stellungnahme zu erhalten.

Seit 1. Januar dieses Jahres ist nach Angaben der Hessen-Energie das EEG 2017 in Kraft. Die Änderungen, die der Gesetzgeber für die Förderung der Windenergie an Land vorgenommen hat, seien gravierend. Während in der Vergangenheit nach Vorliegen der Genehmigung unmittelbar mit dem Bau der Windenergieanlagen begonnen werden konnte, sei jetzt die Genehmigung zunächst nur Voraussetzung, um an einer Ausschreibung für die EEG-Vergütungshöhe bei der Bundesnetzagentur teilnehmen zu können. Erhält der Bieter einen Zuschlag, muss er die Anlagen innerhalb von 30 Monaten in Betrieb nehmen, um seinen Anspruch auf die erzielte Vergütungshöhe nicht zu verwirken.

Mit dieser Änderung beim EEG gehe zudem die gesetzliche Verpflichtung einher, ein zertifiziertes Windgutachten zum Inbetriebnahmezeitpunkt vorzulegen, da künftig jede einzelne Windenergieanlage einen individuellen Vergütungssatz erhält, der sich aus dem Verhältnis des prognostizierten Ertrages zu einem Referenzertrag ermittelt. Auf diese neuen gesetzlichen Vorgaben hatte Hessen-Energie beim Erörterungstermin im Juni hingewiesen und zu diesem Zweck eine Windmessung im Butzbacher Wald angekündigt.

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