Kultursommer mit Musik-Mix und „Heimat shoppen“
11. September 2020
Open-Air-Café im Degerfeld freut sich auf Ideen zur Alleenweggestaltung
14. September 2020

Ministerin lobt Ideenreichtum

BUTZBACH. Umweltministerin Priska Hinz war gestern am „Tag der Nachhaltigkeit“ auf der Butzbacher Kläranlage zu Gast, wo sie (v.l.) der Geschäftsführer der Energie und Versorgung Butzbach, Michael Weiß, Bürgermeister Michael Merle und Abwasserbetriebsleiter Thorsten Rausch begrüßten und über die neue Faulturm-Anlage informierten. Text + Foto: thg

Last Updated on 17. September 2020 by Martina Hofmann

Priska Hinz besucht am „Tag der Nachhaltigkeit“ Kläranlage Butzbach / Faulturm geht in Betrieb

BUTZBACH (thg). Eigentlich sollte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) gestern anlässlich des „Tags der Nachhaltigkeit“ den neuen Faulturm der Butzbacher Kläranlage in Betrieb nehmen. Aber unter anderem wegen Verzögerungen am Bau ist die Anlage noch nicht so weit. Dennoch sei sie gern zur „symbolischen Inbetriebnahme“ gekommen. 

Hinz lobte das Butzbacher Engagement bei dem Projekt. Es zeige, dass die Verantwortlichen „in die Zukunft denken“. Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit finde sie es besonders spannend, dass mehrere Komponenten zusammenkämen. Es gehe um „gute Gewässer“ und damit auch um die Gesundheit der Menschen. Ferner gehe es um die Energiegewinnung. Und mit der Erweiterung der Kläranlage sei auch an die Stadtentwicklung gedacht. „Es ist imponierend, was hier mit Ideenreichtum gestaltet wurde“, so die Ministerin. 

Bürgermeister Michael Merle und der Geschäftsführer der Energie und Versorgung Butzbach (EVB), unter deren Dach der Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung (EAB) arbeitet, wiesen darauf hin, dass Butzbach auch Klima-Kommune sei und ein Klimaschutz-Konzept erarbeitet habe. Seit 1988 arbeite die EVB an der effizienten und umweltfreundlichen Versorgung der Stadt. Hinz sagte, dass sie gern wieder nach Butzbach kommen wolle, um Fördermittelbescheide im Zusammenhang mit dem Klimaschutz zu übergeben. 

Die Funktion des Turms ist an einem digitalen Schaubild ablesbar.

Betriebsleiter Thorsten Rausch führte die Ministerin über die Anlage und stellte die technischen Details vor. Ursprünglich war das Faulturm-Projekt mit 6,6 Millionen Euro veranschlagt. Mittlerweile ist von acht bis 8,5 Millionen Euro auszugehen. Auch die Bauzeit sei länger als geplant. 

Rausch erläuterte: Der Turm ist bereits mit Wasser gefüllt. Unter anderem werden Dichtigkeit und Funktion der Pumpen geprüft. Auch die Beheizung hat begonnen, der Klärschlamm wird später bei etwa 35 bis 36 Grad Temperatur gehalten, damit die Gasbildung optimal läuft. In etwa zwei Wochen wird dann auch Klärschlamm eingepumpt, und zwar in einem Gemisch in etwa gleichbleibender Konsistenz. Der Durchlauf des Schlamms durch den Turm dauert etwa 28 Tage. Das entstehende Methangas wird oben am Turm abgesaugt und gelangt in den Gasbehälter, wo es verdichtet wird. Gereinigt wird das Methan in einem Gaswäscher, in dem es Aktivkohlefilter durchströmt. Im Blockheizkraftwerk wird das Gas verbrannt, Strom und Wärme werden dabei erzeugt. 

„Wir gehen davon aus, dass wir Überschusswärme gewinnen“, sagte Rausch. Der Aufbau einer Fernwärmeversorgung ist das Ziel, denn unter anderem ein Unternehmen in der Schorbachstraße habe Interesse an dieser Form der Heizung. Entlang der Straße plane die Stadt die Entwicklung weiterer Gewerbeflächen, für die ebenfalls ein Fernwärmeanschluss möglich sein soll. 

Erweiterungen der Kläranlage sind ebenfalls möglich. So könnte neben dem neuen Blockheizkraftwerk ein weiteres errichtet werden. Auf den benachbarten Ackerflächen könnte zudem eine Trocknungsanlage für Klärschlamm gebaut werden. Eine Erweiterungsfläche ist dem EAB auch bereits sicher, falls die so genannte vierte Reinigungsstufe hinzugebaut werden muss. Sie würde Mikrostoffe und unter anderem Rückstände von Arzneimitteln herausfiltern. Zu diesem Thema sagte Hinz, ihr Ministerium wolle verstärkt darauf hinweisen, dass beispielsweise abgelaufene Arzneimittel nicht in die Toilette gehören. Sie dann hinterher wieder herauszufiltern, koste viel Geld. 

Um den kompletten Ablauf zu zeigen, führte Rausch die Ministerin auch ans hintere Ende der Kläranlage. Dort wird das gereinigte Abwasser ausgeleitet, das in den Schorbach fließt. 

Es können keine Kommentare abgegeben werden.