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Mit 750 PS geht es in den Westerwald

BUTZBACH. 16 Ferienspielkinder und ihre Betreuerinnen waren gestern bei der Hessischen Landesbahn zu Gast und hatten unter anderem Gelegenheit, in und unter einen Zug zu blicken. Text + Fotos: thg

FERIENSPIELE –  Kinder blicken bei Hessischer Landesbahn hinter die Kulissen des Bus- und Bahnbetriebs

BUTZBACH (thg). Ohne Warnweste geht gar nichts. Denn schließlich bewegen sich auf dem Betriebsgelände der Hessischen Landesbahn (HLB) in Butzbach sowohl Busse als auch Triebwagen. Mit den leuchtend gelben Leibchen fielen die 16 Ferienspielkinder, die gestern die HLB-Niederlassung in Butzbach besuchte, in jedem Fall auf. 

Elvira Michalak führte die Gruppe mit ihren Betreuerinnen sicher durch die Hallen und über die Gleise. Die Verkehrsmeisterin ist im Busbetrieb zuständig für die Einteilung der 38 Dieselfahrzeuge im Linien- und Schülerverkehr und für die Dienstpläne der Fahrer. Auch sie selbst setzt sich weiterhin hinters Steuer, fährt etwa die Ferienspielkinder nach dem Besuch wieder hoch zur Weidigschule, um dann die Ferienspielkinder, die auf den Bus angewiesen sind, wieder an ihre Heimatorte zu bringen. 

„Ich war vor 27 Jahren die erste Frau, die als Fahrerin bei der HLB eingestellt wurde“, berichtete Michalak. Das war damals sehr fortschrittlich. Aktuell sind zwei festangestellte Fahrerinnen im Liniennetz in und um Butzbach unterwegs, dazu kommen zwei weibliche Aushilfen. Dem stehen 35 Männer und vier Aushilfsfahrer gegenüber. Das Zugpersonal wird von der Gießener Niederlassung verwaltet. 

In der Wagenhalle erläuterte die Verkehrsmeisterin den Kindern alles Mögliche rund um den Bus. Auch ein Blick in den Motor hinter der Heckklappe gehört zum Rundgang. Die Fahrzeuge sind allesamt mit Dieselmotoren ausgestattet. Das werde zunächst auch noch so bleiben, aber Elektrobusse nähmen zu. 

In der Bahnwerkstatt werden derzeit einer der 28 Gelenktriebwagen und ein „Desiro“, von denen der HLB Butzbach sechs zur Verfügung stehen, geprüft. Im Mittelteil der Gelenktriebwagen ist das „Powerpack“ freigelegt, der Motor, der sonst hinter Verblendungen versteckt ist. 750 PS hat der Triebwagen, ist damit noch einmal deutlich stärker als ein 340-PS-Bus, denn er muss allein ein Leergewicht von 56 Tonnen bewegen und kann 200 Menschen aufnehmen. Beim Desiro befindet sich der Motor unter dem Zug, der deswegen auf dem Nebengleis in der Werkstatthalle angehoben war und einen nicht alltäglichen Anblick bot.

Die Bahnen werden alle regelmäßig überprüft, einmal im Jahr ist eine große Durchsicht notwendig. Alle 45 Tage hat jeder Zug ein bestimmtes Wartungsstadium zu durchlaufen. Dafür arbeiten in drei Schichten von 5.00 bis 23.00 Uhr 15 Fachleute in der Werkstatt. Vom Ausbessern der Sitze über Arbeiten an Bremsen oder Motor bis hin zur Elektronik wird alles unter einem Dach erledigt. Um den Bahnbetrieb aufrecht zu erhalten, werden dem Bedarf entsprechend Züge angemietet. Butzbacher HLB-Züge fahren bis in den Westerwald, nach Wiesbaden, Nidda oder auch Gelnhausen. Mit Lackschäden oder auch beschmierten Triebwagen gibt es überraschenderweise keine Schwierigkeiten. Die Wagen sind mit einer Anti-Graffiti-Folie ausgestattet. Sollte also doch einmal ein Kunstwerk auf die Karosserie gesprüht werden, kann es professionell wieder entfernt werden. 

Ein Blick in den Führerstand und ein kurzes Probesitzen auf dem Lokführersitz – verbunden mit der Bitte, keine Knöpfe zu drücken – gehörten zum Besichtigungsprogramm. Ein Triebwagen verließ gerade die Waschhalle, in der Tankhalle nebenan wurde bei einem anderen gerade Diesel nachgefüllt. 

Für jeden hatte Michalak ein Abschiedsgeschenk. Die Führungen machten ihr immer Spaß, sagte sie, und die Kinder erhielten einen Blick hinter die Kulissen, den sie sonst nicht erhalten könnten. In diesem Jahr waren zwei Ferienspielgruppen bei der HLB zu Gast, meist seien es sogar drei. 

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