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Mit Originalität und Mutterwitz

ABITUR – Traditionelle Abschiedsrede der Studienleiterin der Weidigschule Barbara Plock beim Abiball

BUTZBACH (dt). „The same procedure as last year?” fragt Butler James im legendären englischen Sketch „Dinner for One” alljährlich am Silvestertag. Seine Miss Sophie antwortet stets: „The same procedure as every year.” Genauso läuft es alljährlich, wenn der jeweilige Abiturientenjahrgang seine Studienleiterin Barbara Plock darum bittet, ihre stets mit zahlreichen humorvollen Sottisen gespickte Abschiedsrede zu halten. Dabei – das wissen die Abiturienten – kommen sie selbst nicht immer „gut“ weg, denn Plock berichtet  von unerwarteten, überraschenden, frappierenden Schülerantworten auf gestellte Prüfungsfragen.  

Die Studienleiterin hielt ihre Rede erstmals am Samstagabend in der Mehrzweckhalle Kirch-Göns beim Abi-Ball. Plock bilanzierte: „Ich habe viele von Euch nicht nur in ihrer Eigenschaft als Schüler erlebt, sondern vor allem als individuelle Menschen, die unsere Schulgemeinschaft mit gestaltet und geformt und unseren manchmal recht drögen Alltag durch ihre Originalität und ihren Mutterwitz bereichert haben.“ Manchmal sei sie selbst dabei „Beraterin“, manchmal „leidgeprüfte Therapeutin“ und „in einigen seltenen Fällen als Teufelin“ gesehen worden. Im Rahmen all dieser Aufgaben seien ihr die Schüler „persönlich ans Herz gewachsen“.  

Zuweilen habe sie allerdings das Gefühl gehabt, als Deutsch- und Englischlehrerin „völlig versagt“ zu haben. Etwa beim Versuch, die von den Schülern hartnäckig verwendeten Superlativformen „der Einzigste“ und „in keinster Weise“ auszumerzen. „Einzig“ und „kein“ könne man nun mal nicht steigern. Auch der bei den Schülern weit verbreitete „hessische Genitiv“ in der Form „dem Max sein Heft“ habe hin und wieder bei ihr „den Blutdruck steigen“ lassen. Auch die Behauptung eines Schülers in der Prüfung, dass Wendepunkte immer gleichzeitig Tiefpunkte seien, entbehre „nicht einer gewissen philosophischen Tiefe“, sei aber wohl aus dem Blickwinkel des Faches Mathematik nicht haltbar. 

Bei der Frage, warum heute immer weniger Menschen an Jesus glaubten, hatte ein Prüfling den klaren Blick, als er die Ursache für den Unglauben darin sah, dass es eben wenige „Zeitzeugen“ gebe.  Beeindruckt sei sie auch – so Plock – gewesen von den „Fifty Shades of Faust“. So habe ein Schüler „im Brustton der Überzeugung“ mitgeteilt, dass Fausts Phallus den Namen Wagner trage. Sie selbst habe Wagner immer für Fausts Famulus gehalten. Plock nannte zu Goethes Faust weitere Schüleraussagen: „Gretchen ist das Werkzeug für Fausts Gelüste“, „Faust scheitert, weil Mephisto ihn nicht befriedigen kann“ und „Gretchen freut sich darüber, von Faust schwanger zu sein“, was dann dazu führe, dass sie sich „in die Hände Gottes übergibt“. Aus „Faust III“ müsse die Aussage stammen, dass „Faust und Mephisto in die Kirche einbrechen und den Kirchenschmuck stehlen wollen“. Eine Abiturientin habe festgestellt: „Tierische Versuche sind ein umstrittenes Thema“, obwohl – so Plock – sie selbst nicht genau wisse, was die Tiere da versuchten. „Menschenversuche sind nicht so schlimm, denn was sind schon ein oder zwei Tote bei einer Weltbevölkerung von acht Milliarden Menschen“, habe ein Mitschüler ergänzend festgestellt. 

Nach diesem „Ausflug“ in die Prüfungs- und Schülerwelt wandte sich die Studienleiterin direkt an die Absolventen. Zwischenmenschliche Beziehungen seien im Leben ein „wertvolles Gut“ neben dem „essentiellen Lebenselement“ Bildung. Diese sei vor allem auch „Herzensbildung“, verbunden mit dem Streben nach höheren Werten, die „einem Halt geben und eine moralische Richtschnur sein können“. Plock stellte fest: „Auch wenn Disziplin, Fleiß, Aufrichtigkeit, Rechtschaffenheit, Loyalität, Integrität, Verantwortung und Mäßigung in unserer Gesellschaft aus der Mode gekommen zu sein scheinen, so sind sie doch – gepaart mit der Fähigkeit, kritisch zu reflektieren und Dinge zu hinterfragen – ein unschätzbares Gut, dessen Wert sich über Jahrhunderte hinweg bezahlt gemacht hat.“ Eine wichtige Eigenschaft im menschlichen Leben sei der Humor. Der Dichter Joachim Ringelnatz habe es einmal so formuliert: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“                

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