Mit Ulrich Tukur keinesfalls Mittelmaß

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Mit Ulrich Tukur keinesfalls Mittelmaß

Foto: Hausmanns

TATORT – Hessischer Rundfunk präsentierte in Friedberger Ray Barracks Schauspieler und Set für Murot-Fall

Friedberg (nns). Mit etwas Fantasie hat die Szenerie vor der verwaisten Kaserne etwas von einem klassischen Western. Wie ein Dinosaurier aus der elektronischen Steinzeit steht eine lindgrüne Notrufsäule vor der backsteinernen „Polizeistation“. Davor liegt ein himmelblauer NSU Ro 80: durchlöchert wie ein Schweizer Käse, mit zerborstenen Scheiben und jeder Menge Blut am Lack. 

Bereits das Außen-Set für den neuen Frankfurt-Tatort ließ Schlimmes ahnen. Ganz zu schweigen vom Desaster, das sich gestern etlichen Journalisten in der alten Wache bot. Der Hessische Rundfunk hatte zur Pressekonferenz am Friedberger Set eingeladen und Gelegenheit gegeben, mit Filmemachern und Schauspielern ins Gespräch zu kommen. „Macht doch mal was“, ermunterte ein Fotograf die prominente Riege, die sich vor Drehbeginn (und Maske) einfand. 

„Das ist das Äußerste“, grinste Ulrich Tukur, setzte sich auf den Asphalt und lehnte sich lässig an den plattgeschossenen Autoreifen. Ein komödiantisches Kleinod war wiederum dem charmanten Schauspieler zu verdanken: Kaum hatte Tukur versehentlich den Rückspiegel des Oldtimers abgebrochen, nutzte er die unverhoffte Requisite zum „Selfie-Schießen“ mit Schauspielkollege Peter Kurth. Beide folgten der Fotografenbitte schließlich nur zu gerne, indem sie ihrer Kollegin Christina Große zarte Schmatzer auf die Wangen drückten. Kollege Thomas Schmauser wusste sich unterdessen geschickt unter seiner Basecap zurück- und Regisseur Thomas Stuber strahlend rauszuhalten. 

„Wir gehen jetzt in eine Fantasiewelt“, hatte HR-Pressereferent Christian Bender versprochen. Tatsächlich lief es den Besuchern kalt den Rücken runter, als sie durch eine komplett zerstörte und mit diversen „Leichen“ gespickte Polizeiwache liefen. Verbarrikadierte Fenster hatten das Inferno offensichtlich nicht verhindern können, das im neuen Tatort mit Tukur in der Rolle von Kommissar Felix Murot ausbricht. 

Dabei hatte sich der Ermittler nur mit seinem ehemaligen Kollegen Walter Brenner (Peter Kurth) und dessen Kollegin Cynthia (Christina Große) treffen wollen – „irgendwo an der Peripherie zwischen Frankfurt und Offenbach“ in einer alten, einsamen Polizeiwache, die zum Museum abgewickelt werden sollte – wäre da nicht durch eine Verkettung unglücklicher Umstände die Hölle losgebrochen. 

Ob es in der jüngsten HR-Tatort-Produktion unter dem Arbeitstitel „Der Angriff“ einen neuen Leichenrekord geben wird, konnte Thomas Stuber im Pressegespräch nicht bestätigen, er habe aber darüber nachgedacht, schmunzelte der Drehbuchautor und Regisseur. Redakteur Jörg Himstedt erinnerte an die Meta-Ebenen vergangener Tukur-Tatorte und definierte die nunmehr achte Produktion mit dem Ausnahmemimen als Actionfilm. 

Als „Opfer“ der kurzen Tapes, die erst durch Kamera und Schnitt zum perfekten Ganzen verschmölzen, spüre man als Schauspieler eine gewisse „Gefühllosigkeit“, räumte Tukur ein, unterstrich aber auch, dass ein Actionfilm genau davon lebe. Als Schauspieler feiere man hier „Kindergeburtstag“ schwärmte neben Große auch Kurth von der Schießerei. Ihm gestand man denn auch den Filmnamen Walter Brenner zu, als Hommage an „Rio Bravo“, in dem Walter Brennan neben John Wayne vor der Kamera steht. 

„Schockiert“ zeigte sich (insgeheim augenzwinkernd) Mooshammer-Darsteller Thomas Schmauser. In dem Action-Tatort werde er „als Kannibale missbraucht“. Fernsehspielchefin Liane Jessen zeigte sich dankbar, dass der HR alles selbst produziere. „Wenn man einen Weltstar wie Tukur hat, kann man nicht mit normalem Mittelmaß kommen“, unterstrich Jessen. Diese Filme lieferten Stoff über den Tag hinaus. 

Man dürfe das Publikum nicht unterschätzen, ergänzte Redakteur Himstedt. Die logische Folge von lange erfolgreich laufenden Reihen sei Erneuerung, erklärte Regisseur Stuber das neuerliche Tatort-„Experiment“ und Jessen warb: „Das Genre überlebt nur, wenn es sich erneuert.“ Mit jedem neuen Redakteur erfahre seine Figur mehr Luft, „aber mein Gesicht bleibt Kontinuität“, schmunzelte Tukur. Die melancholische Grundstimmung bleibe beibehalten. 

Was der HR dazu beitragen könne, dass Friedberg seine Kasernen loswerde, wollte ein heimischer Journalist wissen. „Wir sprengen hier ganz gepflegt“, scherzte man auf dem Podium, baue aber auch aufwendig Kulissen auf. Der ultimative Vorschlag zur Güte: eine Kombination aus Elvis-Vergnügungspark und HR-Studios nach dem Motto „Elvis meets Tukur“. 

Der neue Frankfurt-Tatort mit Kommissar Felix Murot (Tukur) wird unter dem Arbeitstitel „Der Angriff“ noch bis zum 13. September in Friedberg und Frankfurt gedreht und voraussichtlich am 6. Oktober 2019 erstmalig ausgestrahlt.  

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