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Mitte 2020 könnte Einzug sein

Wohnen am Bahnhof Entwickler stellt Projekt vor / Bahnhof-Abbruch kommt / Parkdeck im Westen

BUTZBACH (thg). Aus fünf Gebäuden mit 164 Wohneinheiten mit Grün und Spielplatz im Innenbereich, 160 Tiefgaragen-Stellplätzen und 45 weiteren Stellplätzen sowie dem Abriss des Butzbacher Bahnhofsgebäudes besteht die Aufgabe, die sich die Investoren Ten Brinke und Schoofs unter dem Bebauungsplan-Thema „Wohnen am Bahnhof“ gestellt haben. Sven Klagge von Ten Brinke erläuterte das Vorhaben, Holger Fischer  den Plan im Bauausschuss der Butzbacher Stadtverordnetenversammlung.

Der Bebauungsplan erfährt gegenüber der ursprünglichen Fassung Veränderungen. Zwei Besonderheiten sind dabei. Zum einen wird ein Bereich für eine Überführung über die Bahnlinie eingeplant, um Barrierefreiheit herzustellen. Zum anderen soll entlang der Schienen an der Westseite/Nußbaumstraße ein Parkdeck für Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs entstehen können. Maximal 460 Stellplätze sollen dort auf einer Fläche, die der Stadt gehört, möglich sein, so Parkhausbetriebe-Geschäftsführer Michael Weiß.

Die Stellplatz-Diskussion nahm mit unterschiedlichen Aspekten breiteren Raum ein, vor allem Dieter Schott (FDP) hakte nach, weil auf der Ostseite der Bahn zahlreiche Parkmöglichkeiten verloren gingen. Auch nach Kurzzeitparkplätzen auf einem neu gestalteten Bahnhofsvorplatz fragte er. Und auch die Bemessung der Stellplätze des Wohnbauprojekts war Thema.

1,2 Parkmöglichkeiten pro Einheit müssen laut Stellplatzsatzung der Stadt vorgehalten werden. Über 205 verfügt das Projekt. Das Parkdeck Alte Weinstraße, das seit Jahren wegen Baufälligkeit stillgelegt ist, hat nach Beobachtung von Stadt und Parkhausbetrieben dazu geführt, dass sich Pendler andere Abstellmöglichkeiten gesucht haben, sei es in den Wohngebietsstraßen ringsum oder aber auch beim Supermarkt in der Kaiserstraße mit einer Kapazität von rund 150 oder auf dem unbebauten Teil des Geländes der ehemaligen Landmaschinenfabrik mit etwa 50 Plätzen. Der Aufbau eines Parkdecks auf der Westseite mit Beschränkung auf Kurzzeitparken mit 23 Plätzen auf dem Bahnhofsvorplatz würde den Verkehr von dieser Seite abziehen. Das neue Parkdeck würde dann über das Industriegebiet Süd angefahren ohne Belastungen für Anwohner. 126 Park-and-Ride-Plätze sind dort bereits vorhanden.

Der größte Gebäudekörper des Bauprojekts läuft laut Klagge entlang der Bahnlinie und über Eck abgrenzend zum Bahnhofsvorplatz-Areal. Zwei Baukörper stehen im Inneren des Bereichs, der durch einen Bau an der Weiseler und einen an der Alten Weinstraße gebildet wird. Die Anlieger-Stellplätze entlang der Bahnlinie werden über die Große Wendelstraße erreicht, die Tiefgarage über die Alte Weinstraße.

Aus Schallschutzgründen sind die Wohnungen in Bahnnähe so geschnitten, dass schutzwürdige Aufenthaltsräume davon abgewandt liegen. Mit zwei Geschossen plus Staffelgeschoss werde der Bau zur Weiseler Straße hin beispielsweise neun  bis elf Meter hoch. Die Wohnungen im Gesamtprojekt sind unterschiedlich dimensioniert. 18 sind 50 bis 60 und 83 sind 60 bis 70 Quadratmeter groß. 41 Einheiten umfassen 70 bis 80 und 22 mehr als 80 Quadratmeter. „Im Mittel“ liegt laut Klagge die Kaltmiete bei 9,50 Euro.

Der Abbruch der Farbenfabrik mit fachgerechter Entsorgung zurückgelassener Materialien und Asbest-Sanierung geht weiter. Die Abbruchgenehmigung für den Bahnhof liegt vor, dazu hatte sich der Investor beim Kauf verpflichtet. Allerdings ist die provisorische Verlegung der Anlagen am Vordach – Signalgeber, Lautsprecher und Fahrgastanzeiger – noch zuvor zu erledigen. Durch die verzweigte Strukturierung der Bahn dauert dies nicht nur lange, sondern kostet auch viel Geld, bis zu einer halben Million Euro, falls eine zeitweise Abschaltung der Oberleitung notwendig wird. Der Abbruch soll bis Ende dieses Jahres erledigt sein. Mitte kommenden Jahres soll der Galvanik-Betrieb umziehen, kurz darauf der Wohnungsbau beginnen, so dass Klagge mit einer Fertigstellung Mitte/Ende 2020 rechnet.

Zum Bahnhofsgebäude hatte Schott angeführt, dass es sanierungsfähig sei. Und einen Neubau werde es nicht zum Nulltarif geben. Dies müsse die Stadt zahlen. Bürgermeister Michael Merle sagte, dass einhellige Meinung gewesen sei: „Reißt das Gebäude ab.“ Das Grundstück gelange dann ins Eigentum der Stadt und Ideen würden entwickelt. Möglicherweise gebe es eine Interimslösung. Einen Neubau könne man auch mit einem Partner realisieren. Und auch die Errichtung eines Parkdecks müssten nicht die Parkhausbetriebe leisten, da gebe es etwa ein Bahn-Unternehmen als möglichen Partner.

Per Aufzug auf den drei Bahnsteigen soll die Barrierefreiheit erreicht werden. Laut einer Studie der Bahn müsse die Unterführung dafür ausgebaut werden und das wäre dreimal so teuer wie die Fußgängerbrücke.

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass außer den Änderungen im Bebauungsplan auch die städtebaulichen Vertragsregelungen der neuen Situation angepasst werden müssen.

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