Mobilität im 21. Jahrhundert neu denken

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Mobilität im 21. Jahrhundert neu denken

BUTZBACH. Michael Schramek (l.) präsentierte und erläuterte das Projekt „Vorfahrt für Jesberg“, in dem es um den breiten Ausbau des Carsharing geht. – Autor Michael Skirl (r.) berichtete von seiner ereignisreichen Reise mit einem E-Auto vom Ruhrgebiet bis nach Südfrankreich.Text + Fotos: dt

Innovative Projekte rund um Carsharing und Mitfahrer-App wurden vorgestellt

BUTZBACH (dt). Fahrverbote – wie in einigen deutschen Großstädten angedacht und immer nachhaltiger gefordert – wird es in Butzbach wohl demnächst nicht geben, aber auch für unsere Stadt gilt wohl: Neue (Verkehrs-)Ideen braucht das Land. Mobilität – generell und insbesondere im ländlichen Raum an der Grenze zum Ballungsgebiet – muss im 21.Jahrhundert neu gedacht werden. Darüber sind sich nicht nur die Experten einig. Vollbesetzt war die Industriehalle im Butzbacher Museum am Freitagabend bei der dreistündigen Informationsveranstaltung, zu der der BUND-Ortsverband und die Stadt Butzbach eingeladen hatten. Als innovative „Leuchttürme“ zu den geforderten neuen Ideen wurden dabei vorbildhaft zwei Aktionen aus hessischen Städten/Dörfern präsentiert und detailliert erläutert.        

Einmal stellte Michael Schramek das laufende Projekt in seiner Heimatgemeinde  „Vorfahrt für Jesberg – Gutes Leben im Dorf mit weniger eigenen Autos“ detailliert vor und zum anderen präsentierte Jonathan Waschkewitz mit studentisch-jugendlichem Elan die lokale Aktion „Fairfahrt Romrod – Verbesserung der Mobilität und Lebensqualität in ländlichen Räumen durch einen spontanen und flexiblen Dienst zur Organisation von Mitfahrgelegenheiten.“ Daneben war mit Michael Skirl einer der beiden Autoren des Buches „Lautlos unterwegs – Mit dem Elektromobil vom Ruhrgebiet nach Südfrankreich“ nach Butzbach gekommen, referierte und las aus dem Erlebnisbericht über die gemeinsamen E-Mobil-Autoreise mit seinem Kollegen Wolfgang Papenberg, der an diesem Abend wegen einer Erkrankung nicht dabei sein konnte. 

Bürgermeister Michael Merle unterstrich in seiner Begrüßung, dass in den städtischen Gremien aktuell die Erstellung eines Stadtentwicklungskonzeptes ein wichtiges Thema sei, zumal die Stadt Butzbach landespolitisch mittlerweile nicht mehr als Randgebiet im Ballungsraum Rhein-Main gesehen werde, sondern als zugehörig zur Metropolregion. Zur Entwicklung eines regionalen Verkehrskonzepts bat er den BUND und die NABU um Mitarbeit, begrüßte unter den Zuhörern an diesem Abend einige Mandatsträger der Stadt und die Münzenberger Bürgermeisterin Dr. Isabell Tammer. 

BUND-Ortsverbandsvorsitzender Gernot Krämer betonte in seinem Grußwort, dass Mobilität eine positive und eine negative Seite habe; ein zukunftsfähiges Konzept sei notwendig, um die vorhandenen Verkehrsmittel effektiver zu nutzen. Er regte einen runden Tisch zu Fragen der Mobilität in Butzbach an.      

Michael Schrameck, der – wie er bekannte, seit drei Jahren selbst kein Auto mehr besitzt – stellte als einer der Initiatoren der Aktion „Vorfahrt für Jesberg“ das seit über zwei Jahren laufende Projekt in seiner Heimatgemeinde vor. Die Devise sei – nach einem Zitat von Victor Hugo – „Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Im Mittelpunkt stehe dabei das Carsharing. An drei Stellen in der Gemeinde ständen dazu drei Carsharing-Autos. Die Buchung eines Pkw erfolge über das Internet und der Zugang zum Auto erfolge über die markierte Führerscheinkarte des Nutzers, der Mitglied im Verein sein müsse, und das Lesegerät im eingebauten Bordcomputer des Pkw. Das sei ein keineswegs kompliziertes, sondern ein sehr einfaches, schnelles Verfahren. Die Gebühr werde in der Verbindung aus dem Kilometerpreis und der zeitlichen Nutzung errechnet. 

Zu den drei Autos ständen sechs verschiedene Transportanhänger zur Verfügung. Daneben gebe es privates Carsharing, bei dem Autobesitzer ihren eigenen Pkw vermieten könnten bzw. Nutzer ein privat dafür zur Verfügung gestelltes Auto mieten könnten. Das habe den Vorteil, dass sich die Auslastung aller Autos erhöhe und diese dadurch nicht ständig ungenutzt herumständen. Der Pkw-Anbieter erhalte vom Nutzer eine vereinbarte Gebühr. Das Auto sei während der Nutzung des Mieters professionell gesondert versichert. Zusätzlich zum Carsharing gebe es einen Pedelec-Verleih und einen E-Lastenrad-Verleih mit Lieferservice und Abholservice, die telefonisch abgewickelt würden (ausf. Infos dazu unter www.vorfahrt-fuer-jesberg.de).      

Das zweite Projekt – die Aktion „Fairfahrt Romrod“ – befinde sich noch im Versuchsstadium, sei zunächst ein vom Vogelsbergkreis und der Stadt Romrod unterstütztes und finanziell gefördertes „Studienobjekt“ und wurde von Jonathan Waschkewitz präsentiert. In dieser noch bis Juni 2018 laufenden Test-Aktion geht es – auf den Punkt gebracht – um eine neue Art des Trampens, der Schaffung eines spontanen und flexiblen Mitfahrdienstes. Nach Registrierung erhält der potentielle Mitfahrer eine Fairfahrt-Karte mit Mitgliedsnummer, mit der er sich in einer App anmelden könne; mit der Fairfahrt-Karte könne an jeder der zentralen Stationen digital eine Mitfahranfrage gestellt werden. Eine Fahrt komme einmal zustande, indem eine Signallampe an der Station vorbeifahrenden Pkws den Mitfahrwunsch signalisiere. Daneben wird die Mitfahreranfrage an die Datenbank des Vereins geschickt und ist für alle Nutzer des Systems dann abrufbar (ausf. Infos dazu unter www.fairfahrt.de).      

Vor, zwischen und am Ende nach den beiden Projektvorstellungen berichtete Autor Michael Skirl auf humorvolle Weise über die Erlebnisse mit Ladestationen, Ladekarten und vielfachen Klippen und Hindernisse während der 1070 Kilometer langen Reise mit seinem Kollegen Wolfgang Papenberg von Unna im Ruhrgebiet bis nach Barjac in Südfrankreich mit einem Renault ZOE, einem Elektroauto. Immer wieder sei „Reichweitenangst“ aufgekommen, obwohl in Frankreich die Anzahl der Ladestationen deutlich höher sei als derzeit noch in Deutschland (Wolfgang Papenberg/Michael Skirl: „Lautlos unterwegs. Mit dem Elektromobil vom Ruhrgebiet nach Südfrankreich,“ 16 Euro). 

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