„Musicalpfarrer“ und seine Crew begeisterten wieder vollbesetzte Kirche

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„Musicalpfarrer“ und seine Crew begeisterten wieder vollbesetzte Kirche

Foto: rieger

Appell von Pfarrer Reiner Wagner: Menschen müssen Ehrfurcht vor dem Leben haben

 NIEDERKLEEN (ikr). Wenn Dr. Martin Luther gemeinsam mit über 20 Kindern und Jugendlichen beim Tiersong fröhlich rockt, wenn junge Menschen in farbenprächtigen Kostümen mit großem Engagement eingängige Melodien singen und auch mit klaren Worten Gesellschaftskritik geübt wird, dann ist Weihnachten in Niederkleen: Traditionell wird dort an Heiligabend in der evangelischen Kirche ein Weihnachtsmusical aus der Feder von Pfarrer Reiner Wagner aufgeführt. In diesem Jahr hatte der „Musicalpfarrer“ sein Stück „Zueinander stehen im Getriebe dieser Welt“ aus dem Jahr 2002 ausgewählt. 

Er sagte: „Es ist immer noch aktuell, solange es Trumps und Erdogans und Putins und Assats und Kim Jong Uns und weitere solcher Typen gibt, unter denen die Kleinen, die am Rande, die Flüchtlinge, die Habenichtse dieser Welt zu leiden haben, weil sie keine Lobby oder den Mund aufgemacht haben oder mit den falschen Leuten gesehen wurden.“ Und Dr. Martin Luther war als Handpuppe auch wieder dabei und las zwischen den Musikbeiträgen die Weihnachtsgeschichte. Zwei Erzählerinnen auf der Kanzel rundeten das Ganze ab. 

Wie immer war das Musical erfrischend anders. Es wurde traditionell in der – gerade renovierten – evangelischen Kirche in Niederkleen von zahlreichen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie der Kirchenband „Unicum“ unter der musikalischen Gesamtleitung von Reiner Wagner aufgeführt. Die Besucher erlebten professionelle und kurzweilige Unterhaltung, die im besten Sinne des Wortes aus dem Rahmen fiel. Dafür sorgten einmal mehr Melodien mit Evergreen-Charakter, tiefsinnige, auch sozialkritische Texte und ein Darsteller- und Musikerensemble, dem die Freude am Mitwirken zu jeder Zeit anzumerken war. Höhepunkte waren die Solo-Gesangsbeiträge der jungen Akteure. 

Alle wichtigen Bibelfiguren traten musikalisch auf: Maria und Josef, die Engel, Kaiser Augustus, die Hirten, die Drei Könige aus dem Morgenland, König Herodes und – ganz wichtig – die Tiere. Nur das Jesuskind hatte keine Sprechrolle, stand aber selbstverständlich trotzdem im Mittelpunkt des Geschehens. Nachhaltig beeindruckend war auch eine tolle Rockversion des Weihnachtslieds „Alle Jahre wieder“. 

Die Botschaft des Musicals lautete: Wenn die Menschheit nicht lernt zueinander zu stehen, wird sie auf der Erde keine Zukunft haben, weil sie keine Ehrfurcht hat vor dem Leben. 

„Was wir momentan betreiben, ist Massenmord an der Schöpfung aus Profitgier“, sprach Pfarrer Wagner Klartext und hoffte, „dass einiges von diesem Abend nachklingt und sich vieles verändert im Sinne des Jesuskinds: Gott hat sich selbst an Weihnachten geschenkt und möchte, dass die Menschen zueinanderstehen!“ 

Die kurzweilige Unterhaltung ließ die Zeit vor der Bescherung im Nu vergehen, die Besucher in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche spendeten bei beiden Aufführungen am vierten Advent und an Heiligabend Riesenapplaus.

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