Nach Investition in Faulturm-Technik bereits Einsparungen verzeichnet

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Nach Investition in Faulturm-Technik bereits Einsparungen verzeichnet

Umweltausschuss der Butzbacher Stadtverordnetenversammlung informiert sich in der Kläranlage

BUTZBACH (thg). Mit dem Thema Wasser beschäftigte sich der Umweltausschuss schon in verschiedenen Zusammenhängen, wie Vorsitzender Sascha Huber (CDU) zu Beginn eines Ortstermins auf der Butzbacher Kläranlage sagte. Unter anderem befassten sich die Politiker mit Hochwasserschutz und Wassergewinnung. Auf dem Gelände der Kläranlage erläuterte der technische Betriebsleiter Thorsten Rausch vom Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung Butzbach Abläufe und Technik unter anderem des neu errichteten Faulturms. 

Rund 8,5 Millionen Euro waren im Jahr 2020 als Kosten für die Umstellung des Verfahrens der Klärschlammbehandlung auf die Nutzung des Faulturms veranschlagt worden. Angesichts der derzeitigen Preis-Unsicherheiten schätzt Rausch, dass sich die Anlage in 15 Jahren amortisiert hat. Dank der mit dem Verfahren verbundenen Energieproduktion – mit dem Faulgas wird Strom erzeugt – sei der Stromverbrauch in der Kläranlage im vergangenen Jahr etwa um die Hälfte und im laufenden Jahr bereits um zwei Drittel reduziert worden. Mehr als 130 000 Euro Stromkosten seien eingespart worden. 

BUTZBACH. Betriebsleiter Thorsten Rausch erläuterte dem Umweltausschuss die Funktionsweise der Kläranlage. Fotos: thg, Tiedemann, Ruppel

Für das neue Verfahren wurde auch die Vorbehandlung des Abwassers verändert, um einen idealen Schlamm für den Faulungsprozess zu erhalten. Dafür wurde unter anderem ein neues Becken gebaut. Der Turm fasst 1600 Kubikmeter Schlamm mit einer Temperatur von 34 bis 36 Grad. Unter diesen Bedingungen sei der Schlamm am aktivsten für die Gasproduktion. Das aufsteigende Gas wird gespeichert. Damit wird das benachbarte Blockheizkraftwerk betrieben. Der erzeugte Strom wird nahezu ausschließlich für den Betrieb der Kläranlage verwendet. Erzeugte Wärme wird für die Beheizung des Faulturms verwendet. 

Es dauere mehrere Tage, bis der Schlamm ausgefault ist. Die Entwässerung erfolge über ein Band und eine Zentrifuge. Seien es im früheren Verfahren 23 Prozent „Trockensubstanz“ gewesen, die dem Gemisch entzogen wurden, seien es nunmehr 33 Prozent. Der Rest sei Wasser. Mit dem neuen Verfahren würden 75 000 Euro an Kosten für die Schlammentsorgung eingespart.

Blick in den Schlammbehälter. Fotos: thg, Tiedemann, Ruppel

Die weitere Verwertung sei als Dünger möglich. Allerdings hätten Vorschriften wie die Düngemittel-Verordnung die Situation für die Kläranlage verschlechtert. Die Abnahmemengen für die Landwirtschaft würden geringer. Eine Philosophie bestehe darin, den Phosphor aus dem Schlamm wieder herauszuholen in so genannten Mono-Verbrennungsanlagen. In Gießen werde seit drei Jahren daran gearbeitet, auch Butzbach habe daran Interesse, aber es gehe dort nicht weiter. Der Schlammpreis sei unterdessen gesunken, während eigentlich eine Steigerung zu erwarten gewesen sei. Der aktuelle Krieg wirke sich aus, die Ukraine sei ein wichtiger Düngerlieferant. 

Eingangs hatte Rausch allgemein das System Kläranlage beschrieben. Neben der Anlage Butzbach in der Schorbachstraße gebe es je eine Anlage in Maibach und Bodenrod sowie eine Teichkläranlage für Münster und Fauerbach, die der Eigenbetrieb betreue. Die Göns-Stadtteile leiteten die Abwässer nach Gießen, Wiesental nach Bad Nauheim und aus Hausen-Oes sei Langgöns der Abnehmer. In der Butzbacher Anlage würden derzeit schon Abwässer aus Rockenberg aufgenommen, in etwa zwei Jahren kämen auch die Oppershofener dazu. 

Butzbach habe mit 180 Kilometern aufgrund seiner Fläche ein für 26 000 Einwohner eher langes Kanalnetz. Das Netz und der Betrieb der Kläranlage müssten finanziert werden, daher seien die Preise für Schmutzwasser im Vergleich mit anderen Kommunen mitunter höher. 

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