Nadine und Stefan Häuser

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Nadine und Stefan Häuser

Wie die Zeit rennt. Zehn ganze Jahre sind vergangen, seit meine beiden heutigen Interviewgäste für zehn Tage das prominenteste und gefragteste Paar Hessens waren. Grund genug, die beiden sympathischen Ostheimer wieder einmal in den Fokus zu rücken, denn nur wenige Menschen können von sich behaupten, das Hessentagspaar ihrer Heimatstadt gewesen zu sein. Was die beiden in dieser für unsere Stadt, aber auch für sie ganz persönlich, prägenden Zeit alles erlebt haben, davon erzählen Nadine und Stefan Häuser.

Nadine, Stefan, ganz kurz zumindest ein paar Infos zu Eurem Leben VOR dem Hessentag. Stefan, Du bist hier in Ostheim aufgewachsen, nicht wahr?

Stefan Häuser: Ja, im alten Ortskern. Vor zwölf Jahren haben wir dann hier, ein paar Meter Luftlinie entfernt, ein Haus gebaut und sind samt meinen Eltern und meiner Oma hier eingezogen.

Wie verlief Deine schulische, bzw. berufliche Laufbahn?

Stefan Häuser: Nach der Grundschule in Nieder-Weisel bin ich via Stadtschule auf die Schrenzerschule gegangen. Es folgte die Berufsfachschule im Bereich Elek-trotechnik, ehe ich eine Ausbildung als Repro-/Mikrograph bei der Firma Ulshöfer in Rosbach absolviert habe. Später arbeitete ich dann zwölf Jahre lang bei der „Union Investment“. Seit vier Jahren bin ich nun  an der Philipps-Universität Marburg und leite dort den Bereich Personal- und Aktenregistratur. Logistisch ist das toll, denn ich bin nun die ganzen nervigen Staus auf der A5 los.

Nun zu Dir, Nadine, Du bist ursprünglich aus Eberstadt, kanntest Du Ostheim überhaupt, bevor Du Stefan kennengelernt hast?

Nadine Häuser: Nein. Auch in Butzbach war ich nur ab und zu mit meiner Oma zum Einkaufen. Zur Schule bin ich zunächst nach Lich, anschließend für zwei Jahre nach Butzbach auf die Schrenzerschule, ehe ich in Gießen dann meinen Realschulabschluss mit medizinisch-krankenpflegerischem Schwerpunkt gemacht habe. Später habe ich Arzthelferin gelernt und arbeite heute in der Gemeinschaftspraxis Dr. Sommer/Dr. Hammann in Butzbach.

Welche Schrenzerschullehrer habt Ihr noch positiv in Erinnerung? 

Stefan Häuser: Da möchte ich zunächst Herrn Drewniak erwähnen, den ich stets als sehr verständnisvoll erlebt habe. Bei Michael Schröter fällt mir ein, dass er damals nicht nur auf unserer Abschlussparty erschien, sondern  als er eintraf, ganz lässig einen Kasten Bier aus dem Kofferraum seines dunkelroten Citroen geholt hat. Das war schon cool. Auch an meinen ehemaligen Klassenlehrer, Herrn Rudi Dörr, erinnere ich mich noch gerne.

Wie und wann trat das Thema Hessentag erstmals in Euer Leben?

Nadine Häuser: Ich hatte in der Zeitung die Ausschreibung gelesen. Das war in etwa August/September 2005, als wir gerade mit unserem Umzug ins neue Haus in den letzten Zügen lagen. PC und Drucker waren fast das Letzte, das noch in der alten Wohnung stand. Bevor ich beides einpackte, habe ich noch schnell die Bewerbung geschrieben und zum Briefkasten gebracht.

Stefan Häuser: Ich weiß noch, dass ich zu ihr gesagt habe: „Weißt Du, wie stressig das letzte halbe Jahr war? Willst Du gleich mit dem nächsten Stress weitermachen?“ Etwas später wurden wir dann – mit zwei anderen Paaren – tatsächlich zu einer Art Präsentation vor einem Gremium, bestehend aus Oswin Veith und weiteren Magistratsmitgliedern, ins Griedeler Bürgerhaus eingeladen.

Wie habt Ihr Euch da dann „präsentiert“?  

Nadine Häuser: Sehr natürlich und authentisch. Man hat uns Fragen gestellt, bei denen wir unser Wissen über Butzbach unter Beweis stellen sollten. Ein anderes Paar hatte dazu sogar eine Art Power-Point-Präsentation vorbereitet. Dennoch hat man sich dann aber für uns entschieden, vielleicht gerade wegen unserer unverkrampften Lockerheit. Wenn nichts daraus geworden wäre, wäre das für uns auch okay gewesen.

Zum Hessentagspaar gehörte ja auch Eure Tochter Lea, nicht wahr?

Stefan Häuser: Ja, Bürgermeister Veith war es von Beginn an wichtig, dass wir – so es möglich ist – als Hessentagsfamilie auftreten. Dazu wurde Lea auch passend eingekleidet. Ich weiß noch genau, wie sie im Vorfeld mal von einem HR-Reporter gefragt wurde, was sie denn nun wohl alles so zu tun habe. Sie antwortete ganz cool: „Ich muss jetzt viel lachen und viel winken.“

Nadine Häuser: Lea hat das wirklich klasse gemacht, auch in Momenten, in denen es mal langweilig war und wo andere schnell rumzappeln und unleidlich werden. Meist hat ein kleiner Blick von uns genügt und sie wusste, dass es jetzt wichtig war, Ruhe zu halten. Ich glaube, mit unserer jüngeren Tochter wäre das nicht so problemlos gegangen. Dennoch hat die Kleine nun wiederum mit viel Freude letztes Jahr in Herborn auf dem Hessentag das Kleid der großen Schwester (die mittlerweile 18 ist) getragen und uns begleitet.

Ihr hattet schon im Vorfeld des Hessentages viele repräsentative Termine zu absolvieren. Hat das immer Spaß gemacht oder gab es auch stressige Momente?

Stefan Häuser: Das schließt sich ja nicht aus, es gibt ja auch positiven Stress. Aber es stimmt, wir hatten allein im Vorfeld etwa 360 Termine. Die meisten haben wirklich Spaß gemacht und uns auch immer näher an den Hessentag herangeführt. Wir konnten dabei viele Menschen kennenlernen und Kontakte knüpfen. In dieser Phase hat sich übrigens Rita Herth besonders hervorgetan, die – nach dem Weggang von Herrn Veith – praktisch über Nacht ein Konzept erarbeitete, welche Termine im Vorfeld für uns wie zu bewältigen sind. Natürlich gehörte ein wenig Terminstress immer dazu, klar.

Nadine Häuser: Ich erinnere mich noch an einen Termin beim Marienmarkt in Linden, wo wir nur für eine halbe Stunde Lose ziehen sollten. Wir haderten im Vorfeld ein wenig, da wir gerade ziemlich geschafft in den Seilen hingen. Dennoch rafften wir uns auf und am Ende wurde dieser Abend zu einem der schönsten im Vorfeld des Hessentages, aus dem sich sogar ein freundschaftlicher Kontakt entwickelt hat, der bis heute andauert.

Stefan Häuser: Der Abend war nicht nur schön, sondern auch lang. Ich glaube, wir sind dann gegen halb vier Uhr morgens dort weg.

Hat Euch eigentlich jemand von der Stadt ein wenig gecoacht, Euch auf diese exponierte „Rolle“ vorbereitet?

Stefan Häuser: Ja, auf jeden Fall. Neben vielen anderen, vor allem Dr. Wolf vom Museum, der uns  – zum Teil in Extra-Führungen –  unglaublich viel Wissen über Butzbach vermittelt hat. Wir konnten uns im Vorfeld jederzeit mit Fragen an ihn wenden.

Hattet Ihr zu dieser Zeit eigentlich schon Euer Kostüm?

Nadine Häuser: Ja, ab dem ersten offiziellen „Einsatz“. Wobei ich zugeben muss, dass ich meinen dazugehörigen Hut, der sich als eine Art feste Haube komplett um meine Ohren legte, nur beim Vorjahreshessentag in Hessisch Lichtenau aufhatte. Das Problem war nämlich, dass ich dadurch nichts mehr hörte. Ich weiß noch genau, als ich in einer Live-Show im HR-Zelt die Fragen des Moderators schlichtweg nicht verstanden habe. Das war mir so peinlich, dass ich beschloss, das komische Ding ab sofort wegzulassen.

Wer hat Euch denn gesagt, wann Ihr wo zu sein und die Werbetrommel für Butzbach zu rühren habt? 

Stefan Häuser: Die Terminplanung lief zum Glück zentral über die Stadt. Hätten wir selbst oder andere Stellen da noch mitgemischt, wäre es unweigerlich zu Doppelbuchungen und Organisationschaos gekommen. Man kann sich ja gar nicht vorstellen, wer so alles etwas von einem will als Hessentagspaar. Während des Hessentages selbst, habe ich – während Nadine die Haare gemacht bekam – jeden Morgen mit dem Orga-Team rund um Bürgermeister Michael Merle im Deutschen Haus zusammengesessen und es wurde festgelegt, wer von uns wann wo hingeht. Manche Termine  haben der Bürgermeister und wir gemeinsam absolviert, andere getrennt.

Eine wichtige Komponente beim Hessentag ist ja auch immer das Wetter. Wie sehr habt Ihr im Vorfeld die Wettervorhersagen verfolgt?

Nadine Häuser: Sehr aufmerksam natürlich zumal Hessisch Lichtenau im Vorjahr ja so großes Pech mit dem Wetter hatte. Mein Gott, was haben wir da gefroren … Und dann regnete es ja die beiden Wochen vor dem Butzbacher Hessentag ohne Ende, so dass einige Flächen bis kurz vor Beginn noch  unter Wasser standen …

Stefan Häuser: Am Eröffnungstag selbst war das Wetter zunächst gut. Ich weiß noch, wie wir bei der Eröffnung gesagt haben: „Der Hessentag beginnt und die Sonne scheint.“ Keine 15 Minuten später erwischte uns auf dem Fußweg zum Treffpunkt, an dem unser Wagen wartete, um uns zur Grundsteinlegung des Hausbergturmes zu fahren, ein fürchterlicher Platzregen.

Nadine Häuser: Ich weiß noch genau, dass mir kurzerhand ein freundlicher Rentner mit einem Regenschirm zur Seite sprang und  mich bis ins Parkhaus vor den Fluten zu beschützen versuchte. Dafür ließ er sogar seine Frau im Wolkenbruch ohne Schirm zurück, die schon etwas fassungslos aus der Wäsche schaute. Leider konnten wir im Nachhinein nicht mehr feststellen, wer dieser nette Herr war.

Und ob seine Ehe danach noch Bestand hatte … Und, seid Ihr einigermaßen trocken geblieben?

Nadine Häuser: Keine Chance, ich war komplett durchgeweicht, so dass wir umplanen mussten. Statt zum Hausbergturm ging’s zur Reinigung in die Limesgalerie. Die Mitarbeiter haben kurzerhand vorne den Laden zugemacht, so dass ich das Kleid ausziehen konnte. Das wurde dann im Turbotempo gereinigt und anschließend getrocknet. Während uns das Personal der Reinigung netterweise aus der benachbarten Bäckerei einen Cappuccino besorgte, hockten wir etwas bedröppelt in der Reinigung und dachten uns: Na toll, fängt ja super an.

Stefan Häuser: Als wir dann endlich trocken zum nächsten Termin – mit dem Ministerpräsidenten Koch – fahren konnten, wandte sich Nadine im Auto plötzlich in ihrem Kleid hin und her und klagte über Schmerzen. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir merkten, dass die im Kleid zur Stabilisierung eingenähten Eisenstäbe durch die maschinelle Trocknung noch glühend heiß waren. Nun musste die festverschnürte Nadine in Windeseile wieder ausgepackt werden und wir sahen, dass sich an ihrem Bauch schon feuerrote Verbrennungen abzeichneten. Einen Moment lang stand sogar zur Debatte, in eine Notaufnahme fahren zu müssen. Unser Fahrer Otto hatte zum Glück eine kalte Getränkedose dabei, die Nadine zum Kühlen nutzte. Als wir dann mit viel Verspätung bei Herrn Koch ankamen, sorgte unsere Geschichte beim Essen dann für große Heiterkeit. Überhaupt haben wir Herrn Koch als sehr freundlich, hilfsbereit und unkompliziert erlebt.

Nadine Häuser: Einmal hat er uns sogar ganz spontan für den nächsten Tag zu einem Helikopterflug über Butzbach eingeladen mit den Worten: „Dann schauen wir mal, ob Ihre Frau zu Hause richtig die Fenster geputzt hat.“ Vom Aldi-Lager aus ging es dann los über das ganze, dicht mit Menschen gefüllte Hessentagsgelände und tatsächlich bis nach Ostheim, ganz dicht über unser Haus. Dieser Flug mit Herrn Koch war sicher eines unserer ganz persönlichen Highlights. Absolut faszinierend.

Ihr wart in den folgenden Jahren bei allen Festumzügen als Butzbacher Hessentagspaar dabei, auch am kommenden Sonntag in Rüsselheim. Davon mal abgesehen, seid Ihr auch privat bei Hessentagen vor Ort?(Nadine und Stefan Häuser grinsen sich an)

Stefan Häuser: Einmal Hessentag, immer Hessentag. Selbstverständlich! Wir nehmen uns in dieser Zeit stets Urlaub und versuchen – so es irgendwie möglich ist und der austragende Ort nicht allzu weit weg ist, wie zuletzt in Herborn oder jetzt in Rüsselsheim – eigentlich jeden Tag vor Ort zu sein. Über die Jahre hinweg haben wir so viele Leute kennengelernt, die auch immer wieder mit dabei sind, andere Hessentagspaare, aber auch Standbetreiber, wie zum Beispiel unseren Kultweinstand von Karl Kulik von der Odenwälder Winzergenossenschaft, der bis heute federführend das Weindorf organisiert und für alle nur „der Karl“ ist. Ihn haben wir seit dem Butzbacher Hessentag ins Herz geschlossen. Für uns hieß es am Abend immer: raus aus den Kostümen, rein in die Jeans und rüber zu Karl. Dort trafen sich dann – meist am ganz späten Abend – viele Verantwortliche, aber auch die Politprominenz.

Nadine Häuser: Diese Stunden bei Karl am Weinstand bis in den frühen Morgen waren für uns immer die Krönung eines anstrengenden Tages, auch wenn dadurch die Nächte extrem kurz waren in diesen zehn Tagen. Bis heute ist der Stand von Karl der Treffpunkt aller Ex-Hessentagspaare. In diesem Jahr arbeitet übrigens unsere Tochter Lea dort die ganzen zehn Tage am Stand. Und wenn gerade viel los ist, stellen wir uns auch mal dazu und helfen mit. Für Karl machen wir das gerne.

Hattet Ihr denn in diesen zehn Tagen auch mal Pausen oder Zeit für Euch?

Stefan Häuser: Wenig. Ich weiß noch, dass wir uns Fronleichnam frei nehmen wollten. Dann aber nutzen wir die Zeit doch lieber, um einen der Hauptorganisatoren des Hessentages, Walter Gödel, der kurz vor Beginn erkrankte und ihn deswegen nicht miterleben konnte, im Wetzlarer Krankenhaus zu besuchen. Ansonsten hatten wir die Cateringküche des HR-Zeltes zum Chilloutbereich auserkoren, um dort hier und da mal ein paar Minuten „hinter den Kulissen“ unbemerkt durchzuschnaufen. Am Vormittag waren wir meist auf einen Kaffee im da noch recht ruhigen Bundeswehrzelt.

Wenn ich einen größeren Geldbetrag in die Stadt Butzbach investieren dürfte, dann würde ich …

Stefan Häuser: … es in ein neues Pflaster auf dem Marktplatz investieren. Wir haben damals in unserem historischen Schuhwerk gemerkt, wie beschwerlich es sein kann, dort zu laufen, vor allem natürlich für ältere und gehbehinderte Menschen, gerade wenn es noch nass ist.

Mein Lieblingsplatz in und um Butzbach ist …

Stefan Häuser: … ganz klar der Marktplatz mit seiner ganzen tollen Gastronomie, aber auch die Saunalandschaft oben am Schrenzer mit diesem wunderbaren Blick in die Wetterau hinein.

Für dieses Portrait empfehle ich …

Nadine Häuser: … Antje Sauerbier. Sie war – wie einige andere auch, die aber schon portraitiert wurden – während dieser zehn Tage immer für uns da und hat uns wirklich toll unterstützt.

Jeder Butzbacher, jede Butzbacherin sollte mindestens einmal in seinem Leben …

Stefan Häuser: … eine Führung durch seine Heimatstadt mitgemacht haben. Da gibt es ja wirklich viele tolle, wie z.B. die Nachtwächterführung mit Dieter Schulz oder die szenische mit dem Flör- dü-Trottwar-Ensemble.

Wenn wir uns einen Traum erfüllen könnten, dann würden wir …

Stefan und Nadine Häuser: … öfter mit dem Kreuzfahrtschiff Aida in der Welt unterwegs sein.

Durch den Hessentag hat Butzbach …

Nadine Häuser: … extrem viel gewonnen, nicht nur was die Infrastruktur angeht, auch in der Außenwirkung. Wir hören es ja immer wieder, Jahr für Jahr, wenn wir unsere vielen Bekannten auf den Hessentagen wiedertreffen: Da gibt es keine zwei Meinungen: Butzbach war klasse! Super Wetter, kurze Wege, tolle Stimmung.

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Besser kann man es nicht ausdrücken! Und daher gibt es meinerseits auch nichts hinzuzufügen.

Martin Guth

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