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Neithard Dahlen  

Stellvertretender Vorsitzender der Lagergemeinschaft Auschwitz

Ihnen allen noch ein gutes neues Jahr! Beginnen möchte ich die Porträtreihe 2018 mit einem Mann, der sich schon seit vielen Jahren in Butzbach ehrenamtlich einbringt, u.a. als Schauspieler im historischen Straßentheater-Ensemble „Flördütrottwar“, vorrangig aber als engagiertes Mitglied der Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer. In diesem Verein, der 1979 vom Butzbacher Widerstandkämpfer und Auschwitz-Häftling Hermann Reineck ins Leben gerufen wurde, haben sich Überlebende zusammengefunden, die das Vermächtnis von Auschwitz als verpflichtende Aufgabe sehen und gemeinsam mit einem Freundeskreis an die Öffentlichkeit treten. Mit dem stellvertretenden Vorsitzenden, Neithard Dahlen, treffe ich mich an diesem trüben Januarnachmittag auf einen unterhaltsamen, in vielen Momenten aber auch bewegenden Kaffeeplausch.

Herr Dahlen, Sie sind Jahrgang ´45,  kein gebürtiger Butzbacher und auch nur gerade so ein Hesse, nicht wahr?

Dahlen: (lacht) Stimmt. Das ist etwas diffizil bei mir, denn ich bin hessischer Mainzer, ein Grenzgänger sozusagen.

Das müssen Sie genauer erklären …

Dahlen: Ich bin in Mainz-Kostheim aufgewachsen. Das klingt zunächst nach einem Ortsteil der rheinlandpfälzischen Hauptstadt, ist aber ein Stadtteil von Wiesbaden und somit hessisch. Genau wie die anderen beiden rechtsrheinischen sogenannten „AKK“-Ortsteile Mainz-Kastel und Mainz-Amöneburg. Die Amerikaner erklärten den Rhein zur Zonengrenze und drängten die französische Zone von Frankfurt-Höchst zurück nach Mainz und schufen am 19.9.1945 den Freistaat Hessen. Hessen ist somit das älteste Bundesland Deutschlands. Die AKK-Orte sollten eigentlich später wieder Mainz zugeschlagen werden, was aber nie geschehen ist, u.a. auch, weil Hessen diese drei industriell recht starken Orte nicht wieder hergeben wollte. Obwohl ich also immer Hesse war und nie in Mainz gelebt oder zur Schule gegangen bin, fühlte ich mich dennoch stets als Mainzer. Gerade die relative Distanz (sprich die Abgrenzung durch den Rhein), verstärkte bei uns als Jugendliche damals die „Sehnsucht“ nach Mainz als Zentrum umso mehr.

Wie sehr spielte damals dann das Thema Fastnacht eine Rolle?

Dahlen: Das war schon sehr präsent bei uns im Ort. Es gilt ja die Regel, dass die wirklichen Fassenachter nicht aus dem Mainzer Zentrum, sondern aus den umliegenden Stadtteilen kommen. Als Kind haben wir die großen Sitzungen zunächst am Radio verfolgt, ehe man sich später irgendwo zum gemeinsamen Fernsehschauen traf. Ich war aber selbst nie aktiver Fassenachter.

Was fällt Ihnen spontan zu Ihrer Schulzeit ein?

Dahlen: Die langen Wege nach Wiesbaden zur Schule: zu Fuß, mit der Bahn und dann noch mal zu Fuß. Und dass ich ein fauler, aber kein dummer Schüler war. Oder anders: Ich habe wenig gelernt, aber dennoch immer genügend begriffen. Damit konnte ich mich leidlich durch die Schulzeit schlagen. Meine Freizeit verbrachte ich meist zurückgezogen über irgendwelchen Büchern. Nach der Schule absolvierte ich eine Ausbildung zum Drogisten. Von dort aus bin ich in die pharmazeutische Industrie, war ein paar Jahre im Außendienst, ehe ich für drei, vier Jahre in der Autobranche tätig war, was mich dann nach Butzbach geführt hat.

Wo haben Sie da gearbeitet und gelebt?

Dahlen: Gelebt in Cleeberg, gearbeitet zunächst in Wetzlar, anschließend dann in Butzbach bei der Firma Werner Becker, der Peugeot und Citroen-Vertretung, unten am damaligen BEZ. Das war eine wilde Zeit, mit Zuhältern, die die schrägsten Protzautos kauften und GIs, die einen Kaufvertrag unterschrieben, das Auto mitnahmen, dann aber nicht zahlten. Im Alter von 30 Jahren habe ich dann an einer privaten Akademie in Frankfurt meinen Betriebswirt nachgeholt. Noch während der Ferien bekam ich einen Job bei Fresenius, für die ich über 23 Jahre gearbeitet habe, vorrangig im Bereich Krankenhaushygiene und Intensivmedizin. Ich habe zu diesen Thema bundesweit so an die 1000 Vorträge gehalten. Als Fresenius den Bereich Intensivmedizin auflöste und umstrukturierte, habe ich mich mit meinem damaligen Chef in die Selbstständigkeit gewagt, Produkte entwickelt, einige davon auch patentieren lassen.

Wann verlagerten Sie den Wohnsitz Ihrer Familie von Cleeberg nach Butzbach? 

Dahlen: Das war 1977, als wir uns in der Römerstraße, gegenüber dem ehemaligen Sparkassengebäude ein Reihenhaus kauften, ehe es hier in die Abt-Möhler-Straße ging, was ja streng genommen Nieder-Weisel ist. Im Rahmen der Flüchtlingswelle nach dem Zweiten Weltkrieg wusste man in Butzbach zunächst nicht, wohin mit den vielen Menschen, ehe man (neben Wiesental) die zu Nieder-Weisel gehörende Gemarkung am Ortsrand Butzbachs zur Ansiedlung auserkor. Ich glaube übrigens, dass die Flüchtlingswelle von damals Butzbach insgesamt gut getan hat und hoffe sehr, dass wir dies in 20, 30 Jahren auch wieder voller Überzeugung sagen können.

Wie kamen Sie zum ersten Mal in Kontakt mit dem Thema Auschwitz bzw. mit den Gräueltaten des Naziregimes?

Dahlen: Schon als Jugendlicher, in einer Phase, in der man beginnt, die großen Fragen des Lebens zu stellen. In dieser Zeit gab es bei uns in Kostheim einen katholischen Pfarrer, Karl Kunkel, der mich sehr beeindruckte und auch prägte. Er stammte aus Königsberg in Ostpreußen, wo er Standortpfarrer war. Nach seiner Inhaftierung in Ravensbrück, wurde er via Dachau mit 138 anderen prominenten Geiseln in die sogenannte Alpenfestung verbracht. Dies nur die Kurzfassung seiner Geschichte. Pfarrer Kunkel gab mir wöchentlich ein Jahr lang Katechismus-Unterricht, zur Vorbereitung auf meine Taufe. Er erzählte viel aus seiner Zeit als Standortpfarrer über Exekutionen und aus seiner Haftzeit im KZ-Ravensbrück und Dachau. Ich war ein dankbarer Zuhörer und ihm hat es gut getan, sich von der Seele zu reden, was niemand hören wollte. Insofern trage ich das Thema KZ bzw. Vernichtungslager (was man ja unterscheiden muss) schon lange in und mit mir.

Sich mit einem Thema zu beschäftigen, heißt aber noch lange nicht, sich dafür auch zu engagieren. Wann waren Sie diesbezüglich erstmals in Butzbach aktiv? 

Dahlen: Das war am 27.1.1985 zum 40-jährigen Gedenktag der Befreiung von Auschwitz. Im Gegensatz zu manch anderem fand ich, dass dieser Tag öffentlich gewürdigt werden sollte. Aber auch zu der Zeit hörte ich immer wieder den Satz: „Muss das denn sein?“ – Ja, es musste. Mein Anliegen war, mehr Menschen dafür zu interessieren als nur ein paar SPD-Parteifreunde. Ganz bewusst suchte ich einen „Verbündeten“ aus dem bürgerlichen Umfeld und fand schließlich die katholische Kirche in Butzbach als Gastgeber, die das Gemeindehaus dafür zur Verfügung stellte. Ich konnte für diesen Abend fünf ehemalige Ausschwitz-Häftlinge gewinnen.

War der Abend gut besucht?

Dahlen: Durchaus, es waren etwa 80 Besucher vor Ort. Nach der Eröffnung durch den damaligen Pfarrer Ruhl, hielt Ex-Häftling Dr. Adolf Gawalewicz einen bewegenden Vortrag mit dem Titel „Überlegungen im Warteraum zum Gas“. Er zählte im KZ zu den sogenannten Muselmännern, den Todgeweihten. Diese warteten im „Todesblock“ nur noch auf die unmittelbar bevorstehende Vergasung. Er verbrachte ein halbes Jahr dort und überlebte nur irrtümlich und aufgrund seiner extremen Anspruchslosigkeit in punkto Wasserversorgung. Da er von Hause aus schon klein und mager war, benötigte sein Gewebe offenbar so gut wie kein Wasser. Dieser Abend damals war für alle Anwesenden sehr eindrücklich und hallte lange nach. In mir persönlich besonders ein Satz von Pfarrer Ruhl auf die Aussage eines Zuhörers in der Diskussion, dass auch andere Menschen viel Leid ertragen mussten, so z.B. die Vertriebenen. Dieser Beitrag zeigte, dass unterschiedliche Gruppierungen hin und wieder auch mit ihrem Leid konkurrieren, was irgendwo verständlich ist. Natürlich verdienen auch die Vertriebenen unser ganzes Mitgefühl. Pfarrer Ruhl sagte damals in seiner ruhigen, besonnenen Art: „Man kann Leid nicht mit anderem Leid aufwiegen.“ Dieser Satz ist mir bis heute präsent, weil er einfach nur wahr ist.

Wie sind Sie eigentlich zum Verein der Lagergemeinschaft Auschwitz gekommen?

Dahlen: Der Initiator Hermann Reineck war für mich wie ein väterlicher Freund. Ähnlich wie in meiner Jugendzeit Pfarrer Kunkel, beeindruckte mich seine Geschichte bzw. der Umgang mit all dem Schrecken, den er in der Nazizeit erlebt hat, ungemein. Man kann sich nur bedingt vorstellen, wie viel Kraft er aufbringen musste, in seinen vielen Vorträgen und Gesprächen als Zeitzeuge, immer wieder über das Erlebte zu berichten, ohne dabei die Fassung zu verlieren. Reineck wollte nach den Frankfurter Auschwitz-Prozessen (bei denen er ein wichtiger Zeuge war) immer eine Lagerkameradschaft entwickeln, die über die Generation der Überlebenden hinaus gehen sollte, damit das Thema nicht irgendwann in der Versenkung verschwindet. Er sah sich damit in der Verpflichtung derer, die noch in den Gaskammern mit den Fingernägeln in die Wände ritzten „Vergesst nie“. Und genau diesem Aufruf fühlen wir uns als Lagergemeinschaft auch heute noch verpflichtet. Ich bin kurz nach der Gründung des Vereins hinzugestoßen und habe dort – mit unterschiedlicher Intensität – mitgearbeitet, d.h. u.a. Gespräche geführt oder Ausstellungen vorbereitet und durchgeführt. Ich habe mich später, in den frühen Neunzigern, vermehrt dann auch privat um das nun schon betagte Ehepaar Reineck gekümmert. Im letzten Lebensjahr Hermann Reinecks habe ich ihn häufig mehrmals täglich besucht und regelmäßig mit Essen versorgt. Kinder hatte das Paar nicht und viele Freunde waren ihm nicht geblieben. Hermann Reineck hat bis zu seinem Tod als Zeitzeuge über 1000 Vorträge an Schulen gehalten. Man könnte hier drei dieser Portraits über ihn schrei-ben. Was bleibt, ist, dass er dieses „Vergesst nie“ bis zum Schluss gelebt hat. Eines ist mir aber über die Jahre bewusst geworden: Wirklich gerecht werden kann man Auschwitz nicht, das geht gar nicht.

Waren Sie mit Ihrem Verein auch jenseits von Gedächtnis- und Informationsveranstaltungen aktiv?

Dahlen: Ja, denn es ging und geht uns immer auch darum, die in Polen lebenden Auschwitz-Überlebenden zu unterstützen. Unter dem Dach der SPD riefen wir die „Aktion Polenhilfe“ ins Leben. Ziel war es, mit einem VW-Bus voller Hilfsgüter nach Polen zu fahren. Neben medizinischen Gerätschaften und Produkten (von denen ich über meine beruflichen Beziehungen etliches organisieren konnte) sammelten wir Spenden jeglicher Art ein, mitunter auch Dinge, mit denen ich gar nicht gerechnet hatte. Ein Krankenhaus stellte mir z.B. 80 Betten zu Verfügung, die gerade im Zuge einer Modernisierung ausrangiert worden waren. Das war großartig, allerdings hatte sich somit das Thema „VW-Bus“ erledigt. Zum Glück stellte mir die Firma Vogel (Stahl-Vogel) in Ebersgöns einen Lkw mit Hänger, inklusive zweier Fahrer und vollem Tank zu Verfügung. Hinzu kam noch Geld aus einem Trauerfall. Eine junge Butzbacherin war in Spanien mit dem Flugzeug abgestürzt und statt Kränze und Blumen wurde – wie ich völlig überrascht der Traueranzeige entnahm – um Spenden für unsere Polen-Hilfe gebeten. Kurzum, wir standen mit einem wirklich hochkarätig wertvollen Hilfstransport am polnischen Grenzübergang und wurden binnen einer Stunde abgefertigt. Diese Prozedur war damals zäh und extrem langwierig, das Rote Kreuz benötigte für die Abwicklung 24-36 Stunden. Für uns standen die „Auschwitzer“ auf der anderen Seite von Görlitz in Polen beim Zoll und machten Druck, so dass wir schnell durchkamen und die Hilfsgüter zügig an das Krankenhaus nach Krakau gebracht werden konnten.

Nun steht der oben schon erwähnte Gedenktag der Auschwitz-Befreiung vor der Tür. Planen Sie dazu auch in diesem Jahr eine Veranstaltung? 

Dahlen: Ja, es wird am Samstag, 27. Januar, um 16 Uhr im Museum sein, leider in diesem Jahr ohne Zeitzeugen. Mein Part dabei ist die Moderation, zudem werde ich im Rahmen eines bebilderten Vortrages versuchen, die letzten Wochen des Krieges darzustellen. Wichtig ist mir zu erwähnen, dass wir für diese Veranstaltung die Gießener Ärztin Kristina Hänel als Musikerin gewinnen konnten. Mit ihr wollen wir uns den Lagerliedern annähern. Viele wissen nicht, dass jedes KZ auch sein eigenes Lied hatte. Überhaupt spielte Musik in den KZs eine bedeutende Rolle. Man muss bedenken, dass in den Vernichtungslagern – um mit Hermann Reinecks Worten zu sprechen – „die Besten starben“, also vorrangig Intellektuelle, Künstler, usw. darunter natürlich auch viele Musiker. Wir werden an diesem Abend vier Lagerlieder hören. Das kann durchaus auch mal bedrückend sein, aber ich finde, wir müssen uns der eigenen Vergangenheit stellen. Wenn wir Versöhnung wollen, müssen wir – wie es der Wortstamm aussagt – „Sühne“ voraussetzen. Und das Mindeste an Sühne ist das Sich-Erinnern. Dafür kämpfen wir und überlegen uns auch Konzepte für die Ära nach den Zeitzeugen, die ja schon begonnen hat. Ein wichtiger Anknüpfungspunkt sind weiterhin die Schulen. Ich finde, jeder Schüler sollte während seiner Schulzeit mindestens einmal eine KZ-Gedenkstätte gesehen haben. Zusammengefasst gesagt, ich halte es für wichtig, ein kollektives Bewusstsein zu entwickeln, zu unserer Vergangenheit zu stehen. Wir dürfen diesbezüglich keine „Demenz“ an den Tag legen.

Zurück zu der Veranstaltung am 27. Januar. Es ist sicher kein Zufall, dass Frau Hänel diesen Abend mitgestaltet, oder?

Dahlen: Nein. Frau Hänel wurde vor kurzem zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie auf der Homepage ihrer Praxis über Schwangerschaftsabbruch informiert. Dies wurde vom Gericht als – strafbewehrte Werbung für Abtreibung – gewertet. Dabei hat der Arzt eine Informationspflicht. Doch auf diesen Punkt möchte ich inhaltlich gar nicht eingehen; was mich diesbezüglich so fassungslos macht, ist vielmehr die Tatsache, dass Frau Hänel von Aktivisten der Internetseite „Babycaust“ (wie viele andere Ärzte und Ärztinnen auch) auf der Homepage öffentlich an den Pranger gestellt und diffamiert wird und von „Babycaust“ verklagt wurde. Das ist schlimm genug. Unerträglich ist es aber, wie auf dieser Internetseite die NS-Opfer instrumentalisiert werden. Abtreibung wird dort per se als eine Steigerung des Holocausts bezeichnet, das muss man sich mal vorstellen. Als ich von der Klage erfuhr, bot ich ihr meine Unterstützung an. Sie bat mich, auf der Kundgebung vor dem Gießener Gericht ein paar Worte an die Demonstranten zu richten. Später habe ich dann vorgeschlagen, das Wort „Babycaust“ zum Unwort des Jahres 2017 zu küren.

Zum Schluss noch die Frage, wie ein engagiertes Mitglied eines Vereines wie dem Ihren die aktuellen rechten Tendenzen in unserem Land einschätzt?

Dahlen: Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung sind uralt und wird es immer geben. Keiner von uns kann sich völlig frei davon machen. Ich betrachte Rassismus und Antisemitismus als eine mentale Seuchenkrankheit. Nach der „MEM“-Theorie ist ein MEM die kleinste Einheit eines Gedankens. Treffen im Gehirn mehrere MEMs aufeinander, entsteht eine Gedankenkette, die sich zu einer Haltung verdichtet. Wir müssen uns demnach ständig prüfen, welche Gedanken wir für unser Hirn zulassen und wo wir protestieren. Es gilt,  Kurzimpulse richtig einzuordnen, zu korrigieren oder zu löschen. Diskriminierende MEMs dürfen sich nicht zu Gedankensträngen verketten oder gar zur Meinung werden. Dass sich rassistische MEMs infektiös vermehren können, sieht man heute leider an Phänomenen wie der AfD oder anderen rechten Gruppierungen. Da müssen wir als Gesellschaft massiv gegensteuern. Das Hochhalten der Erinnerung an die furchtbaren Verbrechen der Nazis ist die eine Maßnahme, Angebote zum Gelingen von Integration zu machen, eine andere. Klar ist aber, dass Integration an sich vom Migranten selbst geleistet werden muss. Wir können dies nicht aufoktroyieren, sondern immer wieder nur Angebote machen. Man kann jemand einen Platz am Tisch anbieten, hinsetzen muss sich der Gast jedoch selbst.

Bitte vervollständigen Sie noch folgende Sätze: Wenn ich einen größeren Geldbetrag in unsere Stadt investieren dürfte, dann würde ich …

Dahlen: … einige marode Fachwerkhäuser der Innenstadt sanieren lassen.

Für diese Reihe empfehle ich …

Dahlen: … Familie Dr. med. Hong und Yu Libertus. Hinter ihr steckt eine ganz spannende Migrationsgeschichte, inklusive drohender Abschiebung und Berufsverbot für den Mann. Bewundernswert, wie die beiden dennoch hier Fuß gefasst und eine neue Heimat gefunden haben. Ihr Sohn Daniel bewirbt sich gerade um den Posten als Wetterauer Landrat.

Einen etwaigen erneuten Hessentag in Butzbach fände ich …

Dahlen: … begrüßenswert und sollte dann auch ganz gezielt Migranten mit einbinden.

Gute Laune macht mir …

Dahlen: … ein gutes Glas Wein in guter Gesellschaft.

Schlechte Laune macht mir …

Dahlen: … Dummheit und Arroganz.

* * *

Alles andere als dumm wäre es sicherlich, am 27. Januar um 16 Uhr zur Veranstaltung der Lagergemeinschaft ins Butzbacher Museum zu kommen.                         Martin Guth

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