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„Net gescholle iss genuch gelobt“

BUTZBACH. „Freu dich u dajm Läwe“ empfahl der Mundartchor aus Mengerskirchen beim Konzertnachmittag im Butzbacher Museum.Text + Foto: dt

Mundartnachmittag mit den „Stockbirnscher“ und Paul Kortz im Museum

BUTZBACH (dt). „Mier wolle e bissi Kuldur noach Butzbach troache!“ Dies verkündete Friedhelm Cornelius, der Vorsitzende des Vereins VEMuk – „Verein zur Erhaltung der mittelhessischen Mundart und Kultur e.V. Solms“ – am Samstag um 15 Uhr in der vollbesetzten Industriehalle im Butzbacher Museum. Und das Vorhaben gelang in zwei musikalisch-schwungvollen Stunden, in denen Cornelius auf seine launige Art und Weise verbindende Texte und Gedichte des Mundartdichters Paul Kortz aus Braunfels-Tiefenbach vorlas und die Mundart-Gesangsgruppe „Die Stockbirnscher“ aus Mengerskirchen im Westerwald fröhliche Lieder aus ihrem umfangreichen Repertoire vortrug. Vorgestellt und erläutert wurden der Chor und die Lieder von Sängerin Marlies Reiferth, begleitet wurden die Gesangsvorträge mit Akkordeon und Gitarre von Bernd Eckerth.

Der Anlass für den musikalisch-literarischen Mundart- und Konzertnachmittag bestand darin, dass der Verein VEMuK mit seinen derzeit 132 Mitgliedern  seine Bibliothek und Musikträgersammlung vor kurzem dem Museum der Stadt Butzbach als Dauerleihgabe – und damit zur öffentlichen Nutzung – übergeben hatte. Mit dieser Maßnahme und dem aktuellen Konzert will der Verein einmal das Museum in Butzbach unterstützen und zum anderen gleichzeitig auf seine Vereinsziele aufmerksam machen. Wie Friedhelm Cornelius wissen ließ, war der bereits verstorbene Mundartdichter Paul Kortz für ihn ein guter Freund, an den er mit seinen Gedichten erinnern wolle.  

Nach dem einleitenden „VEMuK“-Vereinslied ging es im ersten Mundart-Poem „Hoamet“ (Heimat) um die Rivalität zweier Grenzdörfer, das eine auf preußischer, das andere auf nassauischer Seite. Paul Kortz hatte versöhnlich gereimt: „In unserm Hesseland, doa sei mer all dehoam“, doch dann etwas nostalgisch im Rückblick auf vergangene Zeiten: „…manches iss doch annersch woarn.“ 

Das zweite einleitende Gedicht beschäftigte sich dann mit „Uus aalt Doarf … doa unne oa de Bach.“ Dazu gehörte der etwas sehnsuchtsvolle Vers: „Ei wärs doch noach emoal so schiee, wäiis froier woar.“ Nach dem Chorlied „Das Gässje“ trug Cornelius Paul Kortz’ legendäres Gedicht „De aale Äbbelboam“ vor, mit dem so mancher Dorfbewohner „ae Schwätzche“ wie „mit em aale Freund“ gehalten habe. In einem weiteren Poem hatte sich Kortz zu den „Noachbern“ (Nachbarn) Gedanken gemacht: „Oaner iess fiern annern doa!“  

Nach der Pause wurde es dann noch fröhlicher mit dem Chorlied „Net gescholle iss genuch gelobt“, das auf die Wortkargheit der Westerwälder anspielte und Cornelius zu einem Vergleich mit den Schwaben herausforderte. Es folgten die Gedichtbeiträge „De Dejerndokder“ (Der Tierazt), „Zwa schiene Beam“ (Zwei schöne Bäume), „Alles net suu oafach“ und das allseits bekannte, legendäre „Ea Stick Rüwwelkuche“ (Ein Stück Streuselkuchen). Die „Stockbirnscher“ intonierten dazu „Stell de fier“ (Stell dir vor), „E Wäller hält wos aus“ (Ein Westerwälder hält was aus), den „Rentnerrock“ und zum fröhlichen, schwungvollen Abschluss „Freu dich u daijm Läwe.“ 

Mit langanhaltendem Applaus bedankten sich am Ende die Zuhörer für einen fröhlichen, literarisch-schwungvollen Mundart-Nachmittag, wobei der Hinweis erfolgte, dass man sich am Katharinenmarkt-Samstag (27. Oktober) zum schon traditionellen VEMuK-Mundart-Nachmittag in der Buchhandlung Bindernagel wiedersehen werde.

Last Updated on 29. September 2018 by Simone Jüngel

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