Metaller legen „aktive Mittagspause“ ein
7. September 2018
„Leuchtturm“ für Zukunft der Arbeit
7. September 2018

Neue Pforte war 1822 nicht mehr neu

Foto: schunk

DENKMALTAG – Dorfrundgang in Griedel mit Historikerin Gail Schunk am Sonntag ab 14.00 Uhr

GRIEDEL. Wer mehr über Griedel erfahren möchte, ist am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September zu einem Dorfrundgang um 14.00 Uhr an der Griedeler Kirche herzlich eingeladen.

Der Griedeler Friedhof am Ortsausgang in Richtung Rockenberg besteht aus zwei Teilen. Die jüngere Umfriedung stammt aus dem 19. Jahrhundert. Der ältere neben dem Dorfausgang bekommt zur Zeit ein gründliches „Face-Lifting“. Das alte Mauerwerk wurde zum Teil abgetragen und wieder aufgemauert und zum Teil nur freigelegt.

1822 wurde der Friedhof vom Kirchhof abgeräumt und hier an diese Stelle verlegt. Entsprechend hat die Kirchengemeinde den neuen Eingang bezahlt. Der Friedhof lag jetzt nicht mehr im Dorf, sondern vor der sogenannten „Neuen Pforte“. Aber es ist wie manches in Griedel. Die „Neue Pforte“ war 1822 nicht mehr neu und die Ummauerung des Friedhofs auch nicht. Jahrhunderte lang hatte Griedel nur zwei Pforten, die – wie in den meisten Dörfern – „Oberpforte“ und „Unterpforte“ genannt wurden. Die Oberpforte stand am Ortsausgang nach Butzbach, damals hieß die „Alte Hauptstraße“ die „Stracke Gaße“, weil sie ziemlich gerade für Griedeler Verhältnisse war und weil die Ortsbürger, damals „Nachbarn“ genannt, nicht besonders kreativ bei der Benennung von Straßen waren. Der andere Ausgang war bei der Wetterbrücke in der Leitergasse (heute Wetterstraße). Wenn man nach Münzenberg oder Rockenberg wollte, hatte man einen ganz schönen Umweg. Also, zwischen 1250 etwa und 1500 kam die „Neue Pforte“. 

Eigentlich wo der Friedhof liegt, musste der Haingraben sein. Hier scheint es keinen Graben gegeben zu haben, wahrscheinlich weil das Gelände ein starkes Gefälle hatte und weil direkt nebenan die alte Straße von Butzbach nach Münzenberg verlief ( Fortsetzung vom Münzenberger Weg im Butzbacher Industriegebiet). 

Foto: schunk

Als die „Neue Pforte“ gebaut wurde, errichtete man oberhalb der Pforte einen „Tiergarten“. Dieser Tiergarten wird schon in den ältesten Griedeler Flurbüchern aus dem Mittelalter genannt. Denn auch hier gab es in Griedel, anders als in den meisten Dörfern, keine neuen Flurbücher. Die Bänden von 1765ff. sind Abschriften von Abschriften von Abschriften. Darin kann man bei manchem Acker lesen „nunmehr in Besitz von Conrad von Solms“ oder „bei Kloster Arnsburg“. Conrad von Solms war Solms-Braunfelser Graf im 16. Jahrhundert. In Griedel war man sparsam, und Neueintragungen im Grundbuch waren gebührenpflichtig, ganz zu schweigen von der Vermessungsarbeit. Ende des 18. Jahrhunderts haben die Griedeler erkannt, dass die alten Vermessungen sehr ungenau waren, weil sie Höhenunterschiede nicht mitrechnen konnten. Weil niemand sich auskannte mit den neueren Vermessungstechniken, haben sie einfach die alten Bücher wieder abgeschrieben. Die Eigentümernamen lassen sich nicht datieren. Weil das alles nicht mehr so gut funktioniert hatte und man sich mit den alten Flurbüchern überfordert fühlte, kam jemand auf die Idee die Äcker nach Erbprinzip einzuteilen. Im späten 17. Jahrhundert entstand das „Griedeler Erbbuch“. Wem der Tiergarten gehörte und welche Tiere hier gehalten wurde, konnte nicht geklärt werden. Aber es ist wie vieles in Griedel: Die Friedhofsmauer ist viel älter und aus einem ganz anderen Grund errichtet worden. Gail Schunk

Es können keine Kommentare abgegeben werden.