Neuer Faulturm wird 18 Meter hoch

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Neuer Faulturm wird 18 Meter hoch

Foto: thg

Kläranlage Butzbacher Abwasserreinigung wird umgestellt / 20 Kilometer Kabel werden verlegt

BUTZBACH (thg). Das Gelände der Butzbacher Kläranlage ist derzeit Großbaustelle. Die so genannte Verfahrensumstellung macht Umbauarbeiten und die Errichtung eines Faulturms notwendig. Dieser nimmt inzwischen deutlich an Höhe zu. 20,60 Meter hoch wird er am Ende sein. Zwei Meter davon stehen in der Erde. Er verfügt über ein Fassungsvermögen von fast 1600 Kubikmeter. Aus dem Schlamm, der dort nach Fertigstellung faulen soll, entsteht Gas, das in einem fast zehn Meter hohen Gasspeicher  gesammelt und für ein Blockheizkraftwerk auf der Kläranlage verwendet wird. 

Der Geschäftsführer der Energie und Versorgung Butzbach (EVB) Michael Weiß und Betriebsleiter Thorsten Rausch erläuterten das Projekt. Es kostet 6,6 Millionen Euro netto. Ferner gebaut werden ein Vorklärbecken und ein Voreindicker. Die EVB übernimmt die Investition, Betreiber ist der Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung Butzbach. Die endgültige Fertigstellung ist für die zweite Jahreshälfte kommenden Jahres vorgesehen. Im kommenden Frühjahr, voraussichtlich im Mai, könnte die Umstellung der Anlage erfolgen, die etwa ein bis zwei Wochen in Anspruch nimmt. In dieser Zeit arbeitet die Anlage mit einer Sondergenehmigung des Regierungspräsidiums weiter. 

Ziel ist es, den Wassergehalt im Klärschlamm zu reduzieren und damit Entsorgungskosten zu senken. Beträgt die Trockensubstanz derzeit etwa ein Viertel des Klärschlamms, so liegt sie dann, wenn das Verfahren umgestellt ist, bei 30 bis 32 Prozent. Hinzu kommt eine Kapazitätserweiterung durch die veränderte Reinigung, bei der ein Teil des frischen Schlamms abgezogen und mit dem älteren vermengt wird. Für etwa 35 000 Einwohner mit Anschluss an die Kanalisation ist die Anlage derzeit ausgelegt. Nach dem Umbau sollen es 42 500 sein, was im Hinblick auf Neubaugebiete und den geplanten Anschluss Oppershofens bedeutsam ist. 

Wärme und Strom produziert das Blockheizkraftwerk mit einer Leistung von 100 Kilowatt, wobei der entstehende Strom dem Eigenbedarf der Kläranlage zur Verfügung steht. Ein weiteres Blockheizkraftwerk soll noch gebaut werden, das zwar voraussichtlich nicht komplett mit dem Gas aus dem Faulturm betrieben werden kann. Es muss dann Erdgas hinzugefügt werden. Aber es wird mit Blick auf die Errichtung einer Trocknungsanlage für Klärschlamm auf dem Nachbargelände der Kläranlage errichtet. Diese Nachbehandlungsanlage soll in Kooperation mit den Stadtwerken Gießen errichtet werden. 

Die Vermarktung des Klärschlamms
als Dünger für die Landwirtschaft wird schwieriger wegen neuer Vorschriften auf diesem Sektor. Auch in dieser Hinsicht ist die weitere Trocknung der Überreste des Klärvorgangs bedeutend. 

Ein Thema, das derzeit noch in der Diskussion ist, sind die pathogenen Keime im Abwasser, also Krankheitserreger. Die Frage, wie diese oder auch Mikroplastik aus dem Wasser entfernt werden, soll auf die Kommunen abgewälzt werden, befürchtet Rausch. Er plädiert aber dafür, das Verursacherprinzip zu berücksichtigen. So könnten in Krankenhäusern schon die Abwässer behandelt werden oder Mikroplastik etwa in Seifen verboten werden. Eine „vierte Reinigungsstufe“ in der kommunalen Kläranlage zu schaffen, wäre ein Riesenaufwand. In Südhessen laufe dazu gerade eine Studie. 

Am neuen Faulturm der Butzbacher Kläranlage gehen derzeit die Beton-Arbeiten voran. In vier bis fünf Wochen soll das Bauwerk fertig sein. Neben den weiteren Bauten, die noch fertigzustellen sind, werde die längerfristige Aufgabe der Einbau der Technik sein. Nach der Umstellung des Kläranlagenbetriebs werde es zudem einige Wochen dauern, um das effiziente Gleichgewicht im Betrieb herzustellen. 

Das neue Vorklärbecken fasst 500 Kubikmeter, es ist fast 2,90 Meter tief. Das Volumen des Voreindickers beträgt 220 Kubikmeter. Der Gasbehälter wird neun Meter hoch. Zudem wird ein Maschinenhaus gebaut. An Stahlbeton werden am Ende 1500 Kubikmeter verbaut worden sein, 310 Tonnen Bewehrungsstahl werden verbraucht und 1000 Meter Rohrleitungen gelegt. 5000 so genannte Datenpunkte werden für das Prozessleitsystem geschaltet. 20 Kilometer Kabelleitungen werden verlegt. 

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