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Sanierung und Modernisierung des Brand-Hochhauses im Degerfeld sollen in sieben Monaten beendet sein

BUTZBACH (thg). Die Butzbacher Wohnungsgesellschaft (BWG) saniert das von einem Brand beschädigte Hochhaus im Degerfeld. Noch vor der Sommerpause habe der Aufsichtsrat die Entscheidung getroffen, sagte dessen Vorsitzender Bürgermeister Michael Merle in einem Pressegespräch. Damit sei ein Signal gesetzt worden, die 27 Wohnungen zu erhalten. BWG-Geschäftsführer Alexander Kartmann sagte, dass innerhalb der nächsten zehn Wochen die Ausschreibungen für die Arbeiten fertiggestellt würden und voraussichtlich Mitte nächsten Jahres die ersten Mieter einziehen könnten. 

Die Möglichkeit, das Haus abzureißen und stattdessen einen Neubau, auch mit mehreren Wohnungen, zu errichten, wurde erst gar nicht betrachtet. „Hier macht uns das Weltkulturerbe Limes einen Strich durch die Rechnung“, so Kartmann. Das Haus sitzt genau auf dem Limes, ein größerer Eingriff in den Boden sei daher nicht möglich und man müsse sich im Rahmen der vorhandenen Bodenplatte bewegen.

Das Gebäude aus dem Jahr 1963 sei das älteste der drei BWG-Hochhäuser im Degerfeld. Alle drei seien sanierungsbedürftig. Für die beiden anderen Häuser soll ein Brandschutzkonzept umgesetzt werden, dessen Arbeiten in allen drei Hochhäusern 700 000 Euro gekostet hätten. In diesem und nächsten Jahr soll daran gearbeitet werden. 

Merle unterstrich, dass die Hochhäuser nicht verkauft werden sollen. Der Wohnraum werde benötigt, bei einem Verkauf müsste an anderer Stelle ein Ersatzangebot geschaffen werden. Er betonte, Geschäftsführer Kartmann denke gestaltend. Und er erinnerte daran, dass die Stadtverordnetenversammlung bereits 1,5 Millionen Euro für die Hochhaussanierung bereitgestellt habe. Wenn die BWG nicht die gesamte Summe benötige, könnte beschlossen werden, das Geld für weitere Projekte zu nutzen. Denkbar wäre auch ein zusätzlicher Neubau der BWG an anderer Stelle. Kartmann versicherte, seine Aufgabe sei es, bezahlbaren und sozialen Wohnraum herzustellen und die Wirtschaftlichkeit der städtischen Gesellschaft zu sichern. 

Leider sei die Modernisierung der in die Jahre gekommenen Gebäude weder für die BWG noch für die Mieter ohne Mehrkosten und Mietsteigerungen möglich, sagte Kartmann. Gegenüber der letzten Miete, die im Durchschnitt noch unter fünf Euro lag, wird mit einem deutlichen Anstieg zu rechnen sein. Für das Hochhaus Pohl-Gönser Straße 5 nannte er die wichtigsten Maßnahmen: Beibehaltung der 27 Wohnungen bei Rückbau der nicht benötigten Lagerflächen im Dachgeschoss, komplette Erneuerung der Heizung und Sanitäranlagen, komplette Erneuerung der Elektrik, Verlegung und damit Vergrößerung der Bäder in den kleineren Wohnungen (jeweils zwei pro Etage), Beibehaltung der Zimmeranzahl, die vor allem für Familien oder alleinerziehende wichtig sind, neue Balkone und die Sicherstellung des Brandschutzes nach aktuellen Kriterien.

„Natürlich wird im Zeichen des Klimaschutzes auch ein moderner Vollwärmeschutz angebracht und auch geprüft, inwieweit eine Photovoltaikanlage auf dem Dach sinnvoll ist.“ Die Klimaschutzziele würden bereits mit dem Anschluss an das Fernwärmenetz der Energie und Versorgung Butzbach erreicht.

Die Hochhäuser waren in den sechziger Jahren dank der Aufzüge hochmodern, sind aber nach heutigen offiziellen Maßstäben „nicht mehr sonderlich seniorenfreundlich oder gar behindertengerecht“. So sei der Aufzug aufgrund seiner geringen Größe gemessen an den Normen nicht barrierefrei. Ein solcher Umbau, so Kartmann, sei aber wirtschaftlich nicht darzustellen. Die Nutzung der Häuser zeige aber, dass Menschen mit Rollator, aber auch mit modernen Elektrorollstühlen durchaus in der Lage seien, die Wohnungen angemessen zu nutzen.

In Absprache mit dem Aufsichtsrat habe man sich darauf verständigt, dass die BWG die Wohnungen so barrierearm wie möglich gestaltet. Es werde ein moderner Aufzug eingebaut, die Bewegungsradien in den kleineren Wohnungen angepasst und, abhängig von der vorhandenen Bausubstanz, „wenn nicht bodengleiche so doch sehr flache“ Dusch-wannen eingebaut werden. „Alles in allem werden wir am Ende modernes Gebäude haben, in dem ältere Menschen oder Menschen mit Einschränkungen im Bewegungsapparat ein angenehmes Wohnumfeld erhalten“, so Kartmann.

Die BWG wolle auch schauen, „dass wir bezahlbaren Wohnraum für Einzelpersonen und insbesondere Familien anbieten können, deren Einkommen über den Grenzen für den sozialen Wohnraum liegen, die sich aber dennoch keine zehn, elf oder zwölf Euro Kaltmiete pro Quadratmeter leisten können“.

Die aufwendigen Arbeiten übernimmt der Handwerker-Service der Versicherung. Ziel ist es laut Kartmann, bereits in sieben Monaten die Modernisierung abgeschlossen zu haben. 

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