Neun- bis 14-Jährige in Oberkleen organisieren sich als Jugendparlament

Kiloweise Drogen, zwei Dealer in Haft
10. Juni 2021
Online-Terminbuchung für Hallenbad Butzbach ab sofort möglich
11. Juni 2021

Neun- bis 14-Jährige in Oberkleen organisieren sich als Jugendparlament

OBERKLEEN. In Oberkleen hat sich ein Jugendparlament gegründet. Dabei sind u. a. (v.l.): Lisa Heep, Max Engel, Lucy-Mae Biermann, Henri Lowak und David Becker, Peggy Engel steht den jungen Leuten wenn nötig zur Seite. Foto: ikr

Weil es für die Altergsgruppe keine Angebote gibt, gründen Schüler von sich aus gemeinsame Initiative

Oberkleen (ikr). Als Kind oder Jugendlicher bei einem Freund oder einer Freundin zu übernachten, ist auch in der heutigen Zeit immer noch ein besonderes Vergnügen. Dass daraus die Idee entsteht, ein Jugendparlament zu bilden, ist eher außergewöhnlich, ist aber so geschehen in Oberkleen.

Und das kam so: Der elfjährige Maximilian Engel hatte vor einiger Zeit seinen Freund Clemens Pässler über Nacht zu Besuch. Am Frühstückstisch mit der Familie unterhielten sich die beiden auch über Politik und darüber, dass es in Oberkleen gar keine Einrichtung für Kinder und Jugendliche zwischen neun und 14 Jahren gibt. „Es gibt ein Jugendheim für Jugendliche ab 14 Jahren, es gibt Kinderturnen im Sportverein, aber gar keinen Treffpunkt für unsere Altersklasse“, erklärt Max die Situation in seinem Heimatort. 

Seine Mutter Peggy, die Ortsvorsteherin in Oberkleen ist, erzählte den beiden Jungs damals beim Frühstück auch von Jugendparlamenten, in denen Jugendliche politisch aktiv sind. „Das wäre es doch“, meinten die zwei. Max fragte seine besten Freunde, ob sie mitmachen wollten. So kam die Sache im März in Gang. Schnell fand sich eine Gruppe von rund zehn Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis elf Jahren zusammen. „Wir gehen zwar inzwischen auf verschiedene Schulen, kommen aber alle aus Oberkleen und kennen uns noch aus dem Kindergarten oder der Grundschule“, erzählen fünf der engagierten Kids. 

Die Neugestaltung des Spielplatzes am Feuerwehrhaus ist gerade ein Thema im Ortsbeirat. Dabei möchte die Gruppe gerne mitreden und hat dafür auch schon einige Ideen gesammelt.  „Der Spielplatz sollte für Neun- bis 14-Jährige umgebaut werden“, wünschen sich die Jugendlichen. Sie könnten sich hier ein Stelzenhaus um den großen Baum in der Mitte des Platzes herum vorstellen. Auch ein altes Feuerwehrauto hätten die Kinder gerne auf dem Spielplatz: „Toll wäre dann, den Feuerwehrschlauch bis zum benachbarten Bach auszurollen und damit auch spritzen zu können“, erklären Henri Lowak und David Becker. „Auch eine Nestschaukel und eine Slackline wären schön“, ergänzen Lisa Heep und Lucy-Mae Biermann. Auf alle Fälle soll der Kleebach möglichst einbezogen werden. Wenn das benachbarte Feuerwehrgebäude umgebaut wird, möchten die Jugendlichen auch fragen, ob sie eine Außenwand mit Graffiti verzieren dürfen.

Inzwischen sind die jungen Oberkleener schon online aktiv. Kürzlich haben sie einen Vorstand gewählt, dabei wurde Max Engel zum Vorsitzenden, Yanick Sebastian zum stellvertretenden Vorsitzenden, Clemens Pässler zum 1. Schriftführer und Lucy-Mae Biermann zur 2. Schriftführerin gewählt. Ebenfalls wurde beschlossen, dass einmal pro Jahr eine Neuwahl für alle Positionen erfolgt, damit jeder mal drankommt.

„Es ist sinnvoll, dass sich die Gruppe so organisiert, dass es einen gibt, der den Anstoß für Treffen gibt und die Dinge, die beschlossen wurden, festgehalten und vielleicht veröffentlicht werde“, lobt Peggy Engel. Sie ist bei der CDU verortet, dies soll aber für die Arbeit des Oberkleener Jugendparlaments keine Rolle spielen, die Jugendlichen sehen sich eher überparteilich. Unterstützung bekommen sie derzeit auch von Lennart Hanika. Der 22-jährige Oberkleener ist ebenfalls für die CDU in Langgöns politisch aktiv. 

Max Engel erzählt: „Beim ersten Zoom-Treffen waren fast ein Dutzend Kinder dabei, beim zweiten Mal waren es etwas weniger. Die Begründung lautete: Es wird mir zu viel gelabert.“ 

Die Pläne der jungen Oberkleener drehen sich nicht nur um Spiel und Spaß: „Wir möchten gerne auch für ältere Leute einkaufen gehen oder ihre Hunde ausführen. Wir wollen einfach helfen“, sagen Lisa und Lucy-Mae. Max, Henri und David verraten: „Man könnte auch Nachmittage für Fünf- bis Siebenjährige in den Räumen des Dorfgemeinschaftshauses anbieten, wo Omas bei Kakao und Keksen etwas vorlesen oder erzählen, wie es früher war, als sie noch Kinder waren.“ Auch die Idee, nach Corona auf dem Grundschulgelände in Oberkleen ein kleines Außenkino einzurichten, gibt es. David möchte thematisieren, dass auf dem Schulgelände ältere Jugendliche immer wieder Sachen zerstören und man dort ganz oft kaputte Bierflaschen findet.

Das Besondere der Oberkleener Gruppe ist, dass sie sich eingeständig gebildet hat und nicht „von oben“, einer von Erwachsenen kommt. Ein weiteres Ziel der engagierten Oberkleener ist es, noch weitere Mädels und Jungs aus ihrem Wohnort im Alter zwischen neun und 14 Jahren zum Mitmachen begeistern zu können. „Wir sind eine tolle Gemeinschaft und freuen uns, wenn wir noch mehr werden.“

Der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch findet das Engagement der Kinder vorbildlich und unterstützt es. Er könnte sich vorstellen, dass sich auch in den anderen Ortsteilen ähnliche Gruppen zusammenfinden.

Comments are closed.