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Nicht die volle Rückendeckung

Foto: Niehoff

WAHL – Matthias Walther aus Nidda ist zweiter Kreisbeigeordneter / Stimmen aus CDU könnten fehlen

Friedberg (jwn). Der CDU-Politiker Matthias Walther aus Nidda hat es geschafft. Mit den Stimmen von CDU und SPD wurde er in der gestrigen Kreistagssitzung zum neuen hauptamtlichen zweiten Kreisbeigeordneten des Wetteraukreises gewählt.  

42 Abgeordnete aus der Koalition von CDU und SPD stimmten für ihn, 19 stimmten mit Nein, zwei Stimmen waren ungültig, und zwölf Stimmen erhielt der Gegenkandidat Thomas Zebunke von den Grünen. Eigentlich verfügt die Regierungsmehrheit von CDU und SPD über 48 Stimmen. Da zwei Abgeordnete aus den Reihen der SPD an diesem Nachmittag fehlten, hätte es eine Mehrheit von 46 Stimmen für Walter geben müssen. Doch es waren nur 42 Ja-Stimmen. Nach Ansicht der SPD müssen die Abweichler aus den Reihen der CDU kommen, da die SPD geschlossen für den CDU-Kandidaten gestimmt habe. „Die CDU hat damals geschlossen unsere Stephanie Becker-Bösch zur Ersten Kreisbeigeordneten gewählt, da war es selbstverständlich, dass die SPD nun auch geschlossen Walther zum Kreisbeigeordneten wählt“, war aus Kreisen der SPD zu hören. 

Auf Seiten der CDU hingegen hüllt man sich in Nichtwissen. „Die Wahl war geheim. Wer wen gewählt hat, wissen wir deshalb nicht“, heißt es bei der CDU offiziell. Doch hinter vorgehaltener Hand lassen einige Fraktionsmitglieder ihrem Unmut freien Lauf. „Wir wurden nicht gefragt. Vielmehr hat man uns den Mann mit der Bemerkung ‚das ist ein guter Mann‘ vor die Nase gesetzt, und wir sollten zustimmen“, ärgern sich einige. Und auch im Parteivorstand sei man über das Procedere der Parteivorsitzenden Lucia Puttrich nicht sehr erfreut gewesen, denn eine Diskussion war auch dort nicht erwünscht. 

Walthers Nominierung hatte in Unions-Kreisen Erstaunen ausgelöst, weil der 44-Jährige bisher selbst in der eigenen Partei weitgehend unbekannt war. Seine Nominierung war damit begründet worden, dass er ein Quereinsteiger sei, aus dem Ostkreis komme und sich mit der Landwirtschaft bestens auskenne. Dies war sicherlich auch einer der Gründe, warum die CDU-Kreisvorsitzende gerade ihn auf die Kandidatur hin angesprochen habe, obwohl im Vorfeld sich schon andere Hoffnungen auf dem gut dotierten Posten gemacht hatten.   

Walther ist Diplom-Logistiker und arbeitet derzeit noch im Bau-Controlling des Flughafen-Betreibers Fraport. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Mit seiner Familie lebt er im Stadtteil Geiß-Nidda. Dort ist er auch stellvertretender Ortsvorsteher und zudem noch Vorsitzender des Niddatal-Sängerbundes, der sich zum Jahresende allerdings auflösen will. Für die CDU-Parteivorsitzende und deren Parteivorstand sei es entscheidend gewesen, dass Walter als Pendler zwischen ländlichem Raum auf der einen und dem Ballungsraum Rhein-Main auf der anderen Seite die Gegensätze in der Region kenne und neben der beruflichen Qualifikation „einen frischen Blick für neue Aufgaben habe“, wie der CDU-Fraktionsvorsitzender Sebastian Wysocki die Kandidatur Walthers begründete.   

Wie zu erwarten war, stimmte die Opposition geschlossen nicht nur gegen die Wahl des 44-jährigen CDU-Politikers zum zweiten Kreisbeigeordneten, sondern sie beanstandete vor allem die Wiederbesetzung dieses Postens im allgemeinen. „2013 hat der damalige Landrat Joachim Arnold (SPD) die Stelle abgeschafft, und nun wird sie aus Proporzgründen und um Mitglieder mit lukrativen Posten zu belohnen, wieder geschaffen“, ärgert sich Grünen-Sprecher Michael Rückl. Doch die Reaktion der Grünen, nämlich mit Thomas Zebunke einen eigenen Kandidaten aufzustellen, stieß auf noch viel größeres Unverständnis in den übrigen Fraktionen. „Das sind taktische Spielereien, die bei den Wählern gar nicht gut ankommen“, hält Stefan Lux (SPD) den Grünen entgegen. Die Zeiten haben sich geändert, und die Anforderungen gerade im Bereich der Finanzen seien in den letzten Jahren wesentlich gestiegen. „Deshalb ist es gut, dass wir einen Finanzfachmann als Quereinsteiger mit frischen Ideen die Aufgabe übertragen können und müssen deshalb die Stelle des zweiten hauptamtlichen Kreisbeigeordnet wieder besetzen“, so Lux, der sich damit auch gegen das Argument der FDP wendet, mit der Stellenbesetzung würden Hundertausende Euro Steuergelder verschleudert.  

Am 17. September wird Walther sein neues Amt in der Wetterauer Kreisverwaltung beginnen.  

     

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