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Nur 60,3 % für Norbert Kartmann

ROCKENBERG. Nach der Wahl zum Kandidaten für die Landtagswahl 2018 die Parteivorsitzende Lucia Puttrich und Norbert Kartmann. Text + Fotos: jwd

Heftige zum Teil ehrverletztende Personaldiskussion beim CDU-Nominierungsparteitag

Rockenberg (jwn). Wer glaubt, heftige und zum Teil sogar ehrverletzende Personaldiskussion um wichtige Positionen in der eigenen Partei gebe es nur bei der SPD, den hat die Wetterauer CDU am Wochenende auf ihren Nominierungsparteitagen ihrer Landtagskandidaten eines Besseren belehrt. „Das ist ja ein Tribunal und kein Parteitag mehr“, ärgert sich Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) am Freitagabend beim Delegiertentreffen zur Wahl des CDU-Kandidaten für den Wahlkreis 27 Wetterau III in Rockenberg. Und tatsächlich geht der Streit bei diesem Parteitag auch um seine Person.

Seit 1987 gehört Kartmann dem Hessischen Landtag an, seit 2003 sogar als dessen Präsident. 1970 in die CDU eingetreten hat er seither mannigfaltige Ämter und Posten für seine Partei auf kommunaler und Landesebene ausgeübt und dabei viel Respekt bei Freund und politischen Gegnern erworben. Umso überraschender kommt der Angriff seiner eigenen Parteifreunde auf diesem Nominierungsparteitag am Freitagabend.

Der Grund: Vor fünf Jahren bei seiner letzten Wahl zum Wahlkreiskandidaten hatte Kartmann angekündigt, dass er sich nach Ablauf der Legislaturperiode von seinen politischen Ämtern zurückziehen werde. Er wollte Platz machen für die Jugend. Von diesen Plänen ist der 69jährige Kartmann inzwischen abgerückt, jedenfalls teilweise, denn im Falle seiner Wiederwahl verzichtet er auf die erneute Kandidatur als Landtagspräsident. Dass er aber erneut als CDU-Kandidat im Wahlkreis 27 Wetterau III antritt, stellen seine Gegner als Wortbruch dar.

Dies hätte wahrscheinlich auch lediglich zu einem Grummeln hinter vorgehaltener Hand geführt, wenn Kartmann sich nicht für Armin Häuser als seinen Stellvertreter und Ersatzkandidaten für diesen Wahlkreis entschlossen hätte. Gegen dessen Nominierung liefen vor allem seine ehemaligen Bad Nauheimer Parteikollegen, von Freunden kann da wohl kaum noch die Rede sein, nicht nur von Anfang an Sturm, sondern sie präsentierten mit ihrem 35-jährigen Fraktionsvorsitzenden im Bad Nauheimer Stadtparlament, Manfred Jordis, auch gleich noch einen Gegenkandidaten.

 In einer wahren Brandrede warf der noch Landtagsabgeordnete Klaus Dietz, er hat inzwischen auf eine erneute Kandidatur verzichtet, Häuser unkollegiales Verhalten, Unbeherrschtheit und eigenmächtiges Handeln während seiner Amtszeit als Bad Nauheimer Bürgermeister vor. Die Absprache, Häuser als Ersatzkandidaten für den Landtag aufstellen zu lassen, sei im „Hinterstübchen“ zwischen Kartmann und Häuser an allen politischen Gremien vorbei erfolgt. „Häuser soll so quasi mit dem Aufzug ohne Wahl durch den Bürger in den Landtag befördert werden“, wirft Dietz den beiden Politikern vor. Mauschelei war da noch das harmloseste Wort, das Dietz gebrauchte.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Oswin Veith mischte sich in den Streit ein: „Ich spreche hier nur für einen Kandidaten, nämlich Manfred Jordis und nicht gegen den anderen Kandidaten“. Doch auch er wirft Kartmann unfaires Handeln und Wortbruch vor.

Vergeblich versuchte die Kreisvorsitzende Lucia Puttrich die Wellen zu glätten, indem sie immer wieder darauf hinwies, dass doch jeder Kandidat allein betrachtet und dessen politische Verdienste für die Partei bewertet werden solle. Wie vielen der Delegierten drückte sich auch ihr der Eindruck auf, als handele es sich bei der Debatte um einen reinen Rachefeldzug unter Bad Nauheimer Parteifreunden wegen der sehr kontroversen Diskussion um die Zukunft der Bad Nauheimer Therme. Denn auch Jordis ist nicht unumstritten, weil er sich in der Vergangenheit weder als Bürgermeister, noch als Stadtrat habe aufstellen lassen, jetzt aber einen Sitz im Landtag anstrebe.

Weil es an diesem Abend zwei klare Lager auf dem Parteitag gab, fielen die Wahlergebnisse auch dementsprechend knapp aus. Für die erneute Kandidatur von Kartmann
stimmten lediglich 38 (60,3 Prozent) der 62 stimmberechtigten Delegierten, 25 stimmten mit Nein. Noch knapper fiel es bei der anschließenden Wahl der Ersatzdelegierten aus, denn hier erhielt Jordis lediglich eine Stimme mehr als Häuser. Entsprechend kühl fielen dann auch die Glückwünsche aus.

ROCKENBERG. Ratlosigkeit herrschte wegen der zahlreichen Angriffe auf dem Nominierungsparteitag bei v.r. Norbert Kartmann, seiner Ehefrau Annelie und Armin Häuser.

ROCKENBERG. Der Sieger bei der Wahl des Ersatzbewerbers war Manfred Jordis.

Last Updated on 25. Februar 2018 by Simone Jüngel

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