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„Ohne Ampel geht es nicht“

Butzbach. Die Simulationen zeigen (l.) die Neugestaltung des Geländes unmittelbar am zu erhaltenden Hauptgebäude der früheren Nudelfabrik und (r.) das Bau-Areal zwischen St.-Florian-Straße und Spülgasse am Wacholderweg, das derzeit unbebaut ist. Visualisierungen: C&A Wacholderweg

Nudelfabrik Projektentwickler gehen auf Kritik der Nachbarn ein / Halbe Million Euro für Kita-Bau

BUTZBACH (thg). Gleich in zweierlei Hinsicht stand das Wohnbauprojekt am Wacholderweg rund um die ehemalige Nudel- und Konservenfabrik im Blickpunkt des Interesses der Sitzung von Bau- und Haupt- und Finanzausschuss. Zum einen schließen die Arbeits- und Investorengemeinschaft C&A Wacholderweg GbR und die Basora Hausbau-GmbH mit der Stadt einen Kostenübernahmevertrag. Zum anderen geht der Bebauungsplan in die entscheidende Phase. Die Kooperation aus SPD, CDU und Grünen billigte die Vereinbarung und den Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan. Die FDP stimmte jeweils dagegen, die UWG-Vertreter enthielten sich der Stimme. Sie wollen noch das Votum einer Mitgliederversammlung abwarten und sich dann zur Sitzung der Stadtverordnetenversammlung endgültig festlegen. Unter anderem enthält der Vertrag eine Zahlung des Investors in Höhe von einer halben Million Euro für den Kindergartenausbau in der Stadt.

Breiten Raum in der Diskussion nahm das Verkehrsthema ein. Denn mit der Erschließung des Areals, das auf 16 500 Quadratmeter Fläche 130 bis 140 Wohneinheiten zur Verfügung stellen soll, kämen mehr Fahrten aus diesem Gebiet über den Himmrichsweg auf die Griedeler Straße hinzu. Dort muss nach der Forderung der Landesstraßenbauverwaltung Hessen Mobil eine Ampel installiert werden.

Das traf bei UWG und FDP auf Widerstand, vielmehr müsse dort ein Kreisverkehr errichtet werden, weil sonst der Verkehrsfluss – nicht nur – bei verstopfter Autobahn noch mehr gehemmt werde als bislang. Ein Kreisverkehr sei an dieser Stelle aber schon in mehreren Ortsterminen von Hessen Mobil abgelehnt worden, unterstrich Bürgermeister Michael Merle. Für diesen sei auch gar kein Platz vorhanden, so Benjamin Seliger (CDU).  „Die Ampel wird notwendig, egal ob mit dem Projekt oder ohne“, sagte Merle. Die Stadt müsse für die Sicherheit der Fußgänger sorgen. Die Arbeits- und Investorengemeinschaft verpflichtet sich in der Kostenübernahmevereinbarung, die Errichtung zu übernehmen. Und auch die für den Bahnübergang an dieser Stelle zu treffenden Sicherheitsvorkehrungen zahlt sie.

Für die FDP stellte sich aber die grundsätzliche Frage, ob ein Wohngebiet an dieser Stelle nicht überdimensioniert sei. Löhr spitzte es auf die Frage zu: „Will ich dort ein Wohngebiet oder lasse ich mich von dieser Vereinbarung kaufen?“, eine Äußerung, die Seliger im Verlauf der Diskussion als „unschön“ bezeichnete. Ein Verkehrskonzept und einen Stadtentwicklungsplan forderte Löhr. Die Liberalen hätten das Vorhaben von Anfang an abgelehnt.

Unter den Zuhörern waren auch Anwohner des Gebiets. Seliger unterstrich, dass durch die Investition ein Schandfleck beseitigt werde und kein Ackerlandverbrauch damit einhergehe. Die Kritik der Anlieger sei aufgenommen worden, deren Ängste damit teils unbegründet.

Christian Stary als Vertreter der Investorengemeinschaft erklärte, dass das Projekt gegenüber der ersten Bebauungsplanung überarbeitet worden sei nach der Kritik, die sie von den Nachbarn erhalten hätten. „Wir sind dem Bestand an Reihenhäusern gerecht geworden.“ Auf dem Areal am Wacholderweg östlich der Spülgasse entstehen auf 10 000 Quadratmetern, von denen ein knappes Drittel bebaut wird, drei Mehrfamilienhäuser mit je elf Wohnungen. Dazu kommen 32 Reihenhäuser. Auf der anderen Seite der Sankt-Florian-Straße entsteht Geschosswohnungsbau. Von der Fabrikanlage bleibt nur das Haupthaus erhalten, darin entstehen Wohnungen mit Loft-Charakter. Zum Bahndepot hin erfolgt eine geschlossene Bauweise unter anderem wegen des Lärmschutzes. 75 Wohnungen sollen in diesem Bereich entstehen. 35 Prozent des Gesamtareals würden bebaut und die Dächer begrünt.

Holger Fischer als Bearbeiter des Bebauungsplans sagte, dass es sich um ein sehr interessantes Verfahren handele, da auch umfangreiche private Stellungnahmen eingegangen seien. Die Bebauung unmittelbar am Bestand sei auf zwei Geschosse reduziert worden. Die Abstände zu den Gebäuden betrage ein Vielfaches von dem, was gefordert wird. Eine Schallschutzwand wird zwischen Wohngebiet und dem Bahnstrang, der dann am Holunderweg entlangläuft, angelegt.

Im Einzelnen bezahlt der Projektentwickler unter anderem alles, was im Zusammenhang mit der Ampel an der Griedeler Straße anfällt, dazu die Bahnübergangssicherung, ferner einen Bürgersteig am Wacholderweg und teils entlang der Spülgasse. Beide Straßen werden ausgebaut, im Grunde jede Infrastrukturmaßnahme im Baugebiet von den Projektträgern finanziert.

Darüber hinaus verpflichtet sich der Entwickler, einen „Kita-Investitionskostenzuschuss“ in Höhe von 500 000 Euro innerhalb eines Jahres nach Vertragswirksamkeit an die Stadt zu zahlen. Weitere Verpflichtung ist die Sanierung oder der Abriss der aktuellen Bestandsgebäude auf dem Gelände der ehemaligen Nudelfabrik.

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