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Ohne Sicherheit läuft nichts

BUTZBACH. Um die Geschichte der Märkte in Butzbach und um die Hintergründe zu Fahrgeschäften drehten sich zwei Stadtführungen mit Ilse Hellmann-Rupp (l.) und Norbert Winter, der eine Gruppe unter anderem zum Karussell von Heinz-Jürgen Kalbfleisch (Foto r.) führte.

Blick hinter die Kulissen der Fahrgeschäfte auf dem Faselmarkt / Verlegung Gesprächsthema mit der Stadt

BUTZBACH (thg). Zwei Premieren gab es zum Faselmarkt. Im Rahmen der Stadtführungen erläuterten Ilse Hellmann-Rupp und Norbert Winter zum einen die Geschichte der Butzbacher Märkte, zum anderen, was hinter den Kulissen der Fahrgeschäfte passiert. Am Marktsamstag informierte Hellmann-Rupp die Teilnehmer, am Montag führte Winter ein halbes Dutzend Interessierte über den Markt. 

Wolfgang Kopp stand wieder mit dem Autoskooter auf der Alten Mälzerei. Eins der „Oberleitungs-Autos“ hatte der auf die Seite gelegt, um einen Blick auf die Unterseite zu gewähren. Auch eine Probefahrt für die Gruppe startete er. 

Circa 75 Volt Spannung werden benötigt für den Betrieb der Anlage, je nach dem, wie viele Autos fahren. Eine halbe Million Euro koste die Anlage, ein Auto schlage mit 5000 Euro zu Buche, beantwortete er die Fragen. Der Autoskooter wird mit hydraulischer Technik zusammengelegt und ist dann nur noch ein Anhänger, wenn auch ein Schwertransport. Der Abbau ist daher innerhalb von vier Stunden erledigt, der Aufbau sei hingegen aufwändiger, denn neben dem sicheren Stand muss auch per Wasserwaage die Ausrichtung kontrolliert werden. Die Autos werden separat transportiert. 

Kopp berichtete, er habe 2014 den Betrieb übernommen, den sein Opa gegründet hat. 24 Veranstaltungen im Jahr besucht das Unternehmen, stets eine ähnliche Tour von Volksfesten – zwischen März und Oktober. Aber auch auf dem Weihnachtsmarkt ist das Fahrvergnügen aus Aschaffenburg zu finden. 

Für alle Fahrgeschäfte gilt, dass sie meist außerhalb der Saison gewartet werden. Dann steht auch die Büroarbeit an, die übers Jahr anfällt, dazu kommen Verträge für die nächste Saison. Alle zwei Jahre steht beispielsweise für den Autoskooter die Hauptuntersuchung an, die sich auf Konstruktion und Elektrik bezieht. 

Vor jeder Veranstaltung ist am Standplatz eine Bauabnahme erforderlich, das erklärten neben Kopp auch Winter und Merlin Hölzer, der den „Scheibenwischer“ hinter dem Rathaus betreibt. Die Fahrgeschäfte gelten als fliegender Bau. Ein Baubuch und ein Tüv-Bericht müssen der zuständigen Behörde vorgelegt werden, im Fall Butzbach sitzt sie in Gießen. 

Hölzer aus Siegen ist in der dritten Generation Schausteller im Familienbetrieb. Er erläuterte den Antrieb per Motor, der über ein Rad zwei Großräder betreibt, die dafür sorgen, dass der Wischer seine Runden dreht. Verschiedene Geschwindigkeiten sind möglich. Die Gruppe interessierte sich unter anderem für die Sicherheitsfragen im Betrieb. Hölzer demonstrierte in einer Probe-runde die mehrfach gesicherten Haltebügel und betonte, dass bei einem Stromausfall eine sichere Bremsung eingeleitet wird. Auch dieser „Scheibenwischer“ ergibt zusammengelegt einen Lkw-Anhänger. 

Auch die Diskussion über das Corona-Virus war Thema der Führung. So könnten sich die Schausteller nicht gegen Absagen wegen der Infektionsgefahr versichern. Hölzer berichtete, dass er bereits eine Absage erhalten hat. Seine nächste Station wäre ein Markt im Sauerland gewesen. 

Im Jahr 1983 haben Heinz-Jürgen Kalbfleisch und sein Vater das Karussell gebaut, das stets auf dem Marktplatz/Ecke Langgasse steht. Es ist ein Unikat. Es hat damals 50 000 Mark gekostet, berichtete der Schausteller. 28 Kinder finden Platz unter anderem auf den aus Kunststoff gefertigten Pferden. Die Statik ist auf 90 Erwachsene ausgelegt. Behördliche Vorgabe ist, dass sich das Karussell mit bis zu einem Meter pro Sekunde dreht. Acht Plätze im Jahr besuche er mit seinem Fahrgeschäft, berichtete Kalbfleisch, das genüge ihm. Bis vor wenigen Jahren habe er noch einen Autoskooter gehabt, den er aber dann verkauft habe. 

Kalbfleisch und Winter sind die Generalpächter von Fasel- und Katharinenmarkt. Vertraglich ist dies mit der Stadt geregelt. Damit sind die beiden auch für die Verträge mit den Schaustellern und Händlern zuständig. Winter unterstrich, dass er allen Kollegen dankbar sei, dass sie zum Faselmarkt kommen, der als erster Termin früh im Jahreskalender steht. So sei es nur möglich, das Riesenrad  zu bekommen, weil der Betreiber schon im Anschluss einen weiteren Termin hat. Sonst wäre der Aufwand zu groß. Seit 1878 gibt es die Schaustellerdynastie Kalbfleisch in Butzbach, berichtete Winter. 

Rund 150 Meter Stände haben die Märkte in den letzten Jahren verloren, um die Sicherheitsvorschriften zu erfüllen, so Winter. Es sei grenz-
wertig, aber erfüllt. So teste die Feuerwehr vorab die Durchfahrt mit der Drehleiter, am Sonntag habe auch ein Notarztwagen den Markt passieren können. Die Verlegung des Marktgeschehens vom Zentrum weg sei ein Gesprächsthema mit der Stadt. „Unsere Wunschvorstellung ist das Schlossgelände“, sagte Winter, der die Gruppe zum letzten Halt an „Winters Crêperie“ führte. 

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