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Opfer leidet immer noch an Folgen

Ein 25-Jähriger aus Langgöns soll sein Opfer, vermutlich aus Eifersucht, mit Absicht umgefahren haben

LANGGÖNS (wiß). Zwei 25-Jährige, vier zerstochene Reifen, eine verflossene Liebe – all das spielt in einer Verhandlung vor dem Gießener Amtsgericht eine Rolle. Im Prozess geht es um einen Vorfall in einem Langgönser Ortsteil, bei dem einem Langgönser gefährliche Körperverletzung, ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und Fahrerflucht zur Last gelegt wird. Das 25-jährige Opfer erlitt bleibende Schäden an der rechten Hand und ist nach zahlreichen Operationen immer noch krankgeschrieben. Es handelt es sich um den neuen Freund der Ex-Lebensgefährtin des Angeklagten.

Was war geschehen? Wie der Angeklagte berichtete, habe er am Morgen auf einer Geburtstagsfeier eines Freundes drei bis vier 0,3 Liter-Gläser Apfelwein getrunken und anschließend bei der Fahrt mit seinem schwarzen Golf VI GTI über eine Kreisstraße das Fahrzeug seines Widersachers erkannt. Er sei ihm hinterhergefahren. Dass das Fahrzeug von seiner ehemaligen Freundin gefahren wurde, habe er erst spät erkannt. Er sei daraufhin in einen Wendehammer gefahren, um zu drehen. Bei der Fahrt zurück habe der Freund seiner ehemaligen Freundin auf der Straße gestanden und herausfordernde Bewegungen gemacht. „Er hätte sich auf der Straße ,aufgepumpt‘“, zitierte der Richter aus einer ersten Vernehmung. Seine Geschwindigkeit habe er daraufhin reduziert, wollte nach links ausweichen und sei dann nach einem Tritt gegen die Frontstoßstange aufs Gaspedal gestiegen, um so schnell wie möglich aus dieser Situation herauszukommen.

„Was mich geritten hat, weiß ich nicht. Es war niemals meine Absicht, was dann passiert ist“, betonte er. Er beschreibt dann, wie sein Opfer mit seinem Körper auf seine Kühlerhaube und gegen die Windschutzscheibe knallte und nach wenigen Metern vom Auto fiel. Er sei vor Schreck weitergefahren und habe sein Fahrzeug am Hochbehälter geparkt, die Polizei verständigt und auf diese gewartet. „Weshalb ich hinterhergefahren bin, kann ich im Nachhinein nicht mehr sagen“, denn von seiner Freundin, der neuen Lebensgefährtin des Opfers, hatte sich der Angeklagte bereits eineinhalb Jahre zuvor getrennt, weil seine Partnerin ein Verhältnis mit diesem gehabt habe.

Auf Nachfrage des Richters, ob es vielleicht Spannungen im Vorfeld gegeben habe, räumte der Angeklagte ein: „Ich habe ihm mal die Reifen plattgestochen, weil ich verärgert war, weil er für das Ende der Beziehung verantwortlich war“. Dies alles soll jedoch beim Hinterherfahren keine Rolle gespielt haben. Zudem gab der Anwalt des Opfers einen Chatverlauf zu den Akten, der sich gut ein halbes Jahr nach der Trennung und elf Monate vor der Tat ereignete. Per Facebook-Messenger hatte der Angeklagte seine Ex-Freundin kontaktiert und mit Schimpfworten gefragt, warum am Samstagmorgen dessen Auto vor ihrem Haus stehe. „Sechseinhalb Jahre gehen nicht spurlos an einem vorbei“, entschuldigte der Angeklagte seinen Chat.

Das Opfer gab an, am Tattag habe seine Freundin ihn von der Arbeit abholen wollen. Als er diese kommen sah, nahm er auch den dicht aufgefahrenen Wagen des Angeklagten wahr, den er daraufhin zur Rede stellen wollte. Er stellte sich auf die Straße und gestikulierte mit seinen Händen, dass dieser anhalten sollte. „Ich stand auf seiner Fahrspur. Ich habe ihn nicht provoziert. Wäre ich stehen geblieben, wäre ich unter dem Auto gelegen. So habe ich einen Kickschritt zum Aufsteigen gemacht“, sagte das Opfer aus. Durch die Attacke erlitt der Sportler dauerhafte Beeinträchtigungen und musste mehrfach an Hand und Hüfte operiert werden.

„Anhand der Verletzungen muss ich mein Leben sehr anpassen. Meine Hand ist dauerhaft eingeschränkt. Ich erwarte hier klare Gerechtigkeit. Ich musste sehr leiden darunter, das geht mir sehr nah. Und auch meine Freundin hat sich die Schuld daran gegeben. Das musste ich ihr ausreden“, schloss das Opfer als Nebenkläger emotionsgeladen. Von der Schwere der erlittenen Verletzungen hatten Gericht und Beklagter bis zur Verhandlung noch keine Kenntnis. Als Tatmotiv kommt Eifersucht in Betracht. Der Prozess wird fortgesetzt.

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