Ovag möchte in jeder Wetterauer Kommune Ladesäule für Elektroautos

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Ovag möchte in jeder Wetterauer Kommune Ladesäule für Elektroautos

Friedberg (jwn). Große Pläne im Hinblick auf den Ausbau der E-Mobilität hat die Oberhessische Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Ovag mit ihrem Tochterunternehmen Ovag Energie AG. Sie möchte in nächster Zukunft in jeder Wetterauer Kommune eine Ladesäule für Elektroautos errichten.  Mit der Auszeichnung „Vorreiter der Energiewende“ der Deutschen Umwelthilfe in der Tasche hat sich die Ovag Energie AG für die nahe Zukunft ein großes Ziel gesetzt: Sie will nicht nur den Wetteraukreis, sondern auch den Vogelsbergkreis und den Landkreis Gießen mit einem flächendeckenden Netz von Elektroladesäulen überziehen. Fast 60 Säulen, in jeder Kommune des Grundversorgungsgebietes eine.

Den Anfang machte 2011 Karben, gefolgt von Friedberg, Gießen, Nidda und Alsfeld. Dass die Stationen derzeit nur wenig angenommen werden, stört die Verantwortlichen bei dem Energieunternehmen kaum. „Mit der aktuellen Aktion versuchen wir einen Leuchtturmeffekt zu schaffen. Allein das Angebot erhöht die Akzeptanz bei der Bevölkerung“, erklärt Vertriebsleiter Holger Ruppel. Auch die Kommunen profitieren von dem Angebot der Ovag, denn die Kosten für die Anschaffung, den Betrieb und die Wartung der Ladesäulen verbleiben bei dem Energieunternehmen. Lediglich die Stellflächen für die Ladesäulen sowie zwei Parkplatz pro Säule muss die jeweilige Gemeinde kostenlos zur Verfügung stellen.

Die Übernahme der Kosten durch die Ovag ist jedoch nicht ganz uneigennützig, denn zum einen wird das Projekt kräftig vom Land gefördert, die Rede ist von 25 Prozent der Kosten, zum anderen verspricht sich das Unternehmen zukünftig einen florierenden Umsatz von der E-Mobilität.

Ganz anders sieht das die Mittelhessische Energiegenossenschaft (MiEG), die 2011 von Bürgermeistern, Naturschutzverbänden, Gewerbetreibenden und Energieberatern ins Leben gerufen wurde. Ihr Vorstandmitglied Diethardt Stamm sieht das Modell als reine Steuerverschwendung, denn ohne die 25prozentige Förderung wäre die Aktion seiner Meinung längst eingestellt worden. Darüber hinaus beanstandet Stamm auch, dass durch die Verluste, die die Ovag mit der E-Mobilität zurzeit mache, der Gewinn des Unternehmens geschmälert würde. Das aber träfe die Landkreise, die als Ovag-Eigner sich ansonsten den Gewinn untereinander aufteilen und für Infrastrukturmaßnahmen wie Straßen- oder Schulbau nutzen könnten. Auf noch nicht einmal ein Auto pro Tag kommen laut Stamm die Säulen zurzeit. Das ergibt auch die Grafik auf der Internetseite des Stromanbieters „ PlugSurfing“, wonach die Säule Friedberg auf dem Goetheplatz im Zeitraum vom 5.November bis 4.Dezember 29mal, die in Karben und in Nidda jeweils nur fünfmal in Anspruch genommen wurden.

Am meisten aber ärgert die Kritiker der hohe Strompreis an den Säulen. Mit 36 Cent pro Kilowattstunde läge er um durchschnittlich 24 Prozent über den Strompreis aus der heimischen Steckdose. Wolle die Ovag die E-Mobilität wirklich voran bringen, dann dürfe sie laut Stamm den Einstieg ihres Ladestrompreises nicht 24 Prozent über den normalen Steckdosenpreis legen, sondern 24 Prozent darunter. Nur so könne ein positiver Effekt von den Ladesäulen ausgehen. Auch zweifelt Stamm die Aussage der Ovag an, dass der Strom aus den eigenen Ladestationen nur aus erneuerbarer Energie stamme, wo sie doch Stromlieferungsverträge unter anderem mit der RWE-Tochter Innogy, Vattenfall und EnBW abgeschlossen habe, die weiterhin  auf Atom- und Kohlestrom setzen.

Die Vertreter der MiEG mahnen deshalb ein schlüssiges Gesamtkonzept für die zukünftige E-Mobilität an. Schon heute hätten die gängigen Elektroautos eine Reichweite von 250 bis 300 Kilometer, bevor sie wieder aufgeladen werden müssten. Da dieser Vorgang sich ohne weiteres zu Hause über Nacht zu wesentlich günstigeren Konditionen bewerkstelligen ließe, hätten die von der Ovag geplanten Ladestationen kaum eine Zukunftschance.  Zunächst sollte deshalb erst einmal die Verbindungen zwischen erneuerbaren Energien, deren Speicherung, dem zukünftigem Mobilitätsverhalten, der dezentralen Energieversorgung in Privathaushalten, dem Carsharing und den E-Autos untersucht werden.

Infobox  

In Deutschland gibt es derzeit über 40 000 Ladepunkten für E-Autos. Seit Mai 2017 hat die Ovag ihr Serviceangebot für Fahrer von Elektrofahrzeugen weiter ausgebaut und sich Europas größtem Ladenetzwerk „PlugSurfing“ angeschlossen. Öffentliche Ladestationen gibt es nun unter anderem in

Friedberg, Goetheplatz (an der Kreisverwaltung)Gießen, Riversplatz 1–9 (an der Kreisverwaltung)

Karben, Am Breul 1(am Hallenbad)

Nidda, Wilhelm-Eckhardt-Platz      (an der Stadtverwaltung)

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