Pärchen soll Bankkonto dementer Nachbarin leer geräumt haben

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Pärchen soll Bankkonto dementer Nachbarin leer geräumt haben

WETZLAR (ga). Vor dem Wetzlarer Schöffengericht müssen sich eine 48-jährige Frau und ihr gleichaltriger Lebensgefährte wegen gewerbsmäßigen Betruges und Untreue verantworten. Beide sollen laut Staatsanwaltschaft eine erkrankte Nachbarin um über 33 000 Euro erleichtert haben. Ein Urteil ist noch nicht gesprochen. Der Prozess wurde wegen eines bevorstehenden Klinikaufenthaltes der 48-jährigen Angeklagten vorerst ausgesetzt. 

Die beiden anwaltlich vertretenen Angeklagten bestritten zum Prozessauftakt vehement ein betrügerisches Vorgehen. Die Geldflüsse wurden allerdings eingeräumt; sie sollen in Absprache mit der jetzt 79-jährigen Seniorin einvernehmlich und im Sinne der damaligen Nachbarin erfolgt sein. „Ich habe Einkäufe erledigt und Gartenarbeiten übernommen. Ich war größtenteils ihr einziger Ansprechpartner“, so die Angeklagte zu den Vorwürfen. „Die Dame war sehr großzügig und hat die von mir abgehobenen Geldbeträge teilweise an Verwandtschaft ihres verstorbenen Ehemannes versandt und auch andere Leute in ihrem Umfeld bedacht“, erklärte die 48-Jährige weiter. 

„Sie haben sich eine Kontovollmacht erschlichen und unberechtigt Verfügungen zulasten des Kontos der seit Sommer 2017 wegen einer Demenzerkrankung in einer geschlossenen Pflegeeinrichtung untergebrachten Geschädigten vorgenommen“, erklärte dagegen Oberstaatsanwalt Uwe Braun. 

Zumindest teilweise Unterstützung soll die Angeklagte von ihrem Lebensgefährten erhalten haben. In 46 angeklagten Fällen soll das Duo das Tatopfer um 33 400 Euro geprellt haben. Die mutmaßlichen Betrügereien, verübt in den Jahren 2016 bis August 2017, sind aufgeflogen, als eine gesetzliche Betreuung aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes der verwitweten und kinderlosen Rentnerin angeregt worden war. Dieser fielen die Unregelmäßigkeiten bei den Bankgeschäften auf. So soll es nach Angaben von Braun für Laien erkennbar gewesen sein, dass die Rentnerin schon längere Zeit nicht mehr Herr ihrer Sinne und damit nicht mehr geschäftstüchtig war. Trotz Kenntnis der gesetzlichen Betreuung soll die Angeklagte mit einem Notar bei dem Tatopfer ein Testament zu ihren Gunsten verfasst haben. Auch sollen nach diesem Zeitpunkt noch Geldbeträge auf das Konto der beiden Angeklagten geflossen sein. 

Zum Prozessauftakt wurde die 48-jährige Frau durch das polizeiliche Ermittlungsergebnis und die als Zeugin geladene, seit Juni 2017 eingesetzte gesetzliche Betreuerin erheblich belastet. Den Prozess hat eine Gutachterin für Psychiatrie begleitet. Die Fachärztin hatte das Tatopfer in der Klinik untersucht und eine schwere Demenzerkrankung festgestellt. 

Das Gericht muss jetzt der Frage nachgehen, zu welchem Zeitpunkt das Tatopfer noch eine freie Willenserklärung abgeben konnte. Das angeklagte Pärchen hat nach Angaben von Oberstaatsanwalt Braun weder über Polizei, Justiz oder Pflichtverteidiger im Vorfeld der Gerichtsver-handlung Einlassungen zu den Vorwürfen abgegeben. 

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