Pionierin im hessischen Denkmalschutz

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Pionierin im hessischen Denkmalschutz

BUTZBACH. Die frühere Leiterin des Butzbacher Museums, Elisabeth Johann, ist im Alter von 95 Jahren gestorben.

NACHRUF — Frühere Butzbacher Museumsleiterin und Archivarin Elisabeth Johann mit 95 Jahren gestorben

BUTZBACH (pm). Am Samstag verstarb Elisabeth Johann im verdienten Ruhestand nach einem reichen, erfüllten Leben im Alter von 95 Jahren in einem Pflegeheim in Butzbach. Der Butzbacher Museumsleiter Dr. Dieter Wolf erinnert an seine Vorgängerin. 

Johann führte vom 1. Januar 1977 bis März 1986 als Museumsleiterin und Stadtarchivarin in Personalunion beide Einrichtungen der Stadt Butzbach. Sie hat im Lauf ihrer fast zehnjährigen Amtszeit sowohl ein zeitgerechtes, „modernes“ Museum – damals noch in der Michaeliskapelle – und ein ebenso zeitgemäßes modernes Stadtarchiv – damals noch im Untergeschoss des Bürgerhauses – aufgebaut. Sie war ungemein fleißig, gewissenhaft und dynamisch. Sie hat Museum und Stadtarchiv regelrecht aus einem „Dornröschenschlaf“ aufgeweckt und beide mit ihrer Energie „aufblühen“ lassen. 

Johann hat durch Ordnung, Inventarisierung, Verzeichnung und teilweise Neuaufstellung der Stadtarchivbestände einen bis dahin nicht vorhandenen, mit wissenschaftlich fundiertem Maßstab Grund gelegt. Sie hat bereits die Grundlagen gelegt, dass zum Ende ihrer Amtszeit der grundsätzliche Beschluss von der Stadtverordnetenversammlung gefasst wurde, ein neues Museum, kombiniert mit dem Stadtarchiv, in der Färbgasse 16 einzurichten. Nach zehnjähriger hauptamtlicher Tätigkeit wurde sie 1986 als Museumsleiterin und Stadtarchivarin in Butzbach in den „verdienten Ruhestand“ verabschiedet.

In Butzbach hat sie sich unter anderem weit über ihren dienstlichen Auftrag hinaus in Sachen Denkmalpflege und Ortsbilderhaltung engagiert, das heißt im Kampf gegen die Pläne, eine „Ringstraße“ mitten durch die historische Butzbacher Altstadt zu legen. Sie hat sich dabei einen besonderen Namen gemacht: Sie hat sich bei der Gründung einer Bürgerinitiative große Verdienste erworben und konnte die geplanten Abbrüche durch verschiedene Aktionen mit verhindern. Die Bürger-initiative mündete in den späteren Verein „Butzbacher Altstadtfreunde“.

Ein zweites ungewöhnliches Engagement entwickelte Johann bei ihren sehr breit gestreuten volkskundlichen Forschungen, die in mehreren Aufsätzen und Büchern ihren Niederschlag fanden. Dabei bildeten die Handwerks- und Gewerbeforschung ebenso wie die Trachtenforschung Schwerpunkte.

Unter anderem wurde Johann am 27. Februar 2003 das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht.Damals wurde sie auch von der Gemeinde Altenstadt für ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Gemeindearchivarin und ihre Forschungen zur Ortsgeschichte mit der goldenen Ehrenmedaille der Gemeinde Altenstadt geehrt. Im Jahr 2009 wurde ihr auch die hohe Auszeichnung des vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst ausgelobten Hessischen Archivpreises zuteil. Im März 2016 wurde sie mit der Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Altenstadt ausgezeichnet. Am 13. März 2013 wurde sie mit der Denkmalplakette des Wetteraukreises für ihr denkmalpflegerisches Lebenswerk ausgezeichnet. Elisabeth Johann kann als Pionierin im hessischen Denkmalschutz, besonders in der Wetterau, bezeichnet werden.

Elisabeth Johanns Beerdigung findet am kommenden Freitag, 25. Oktober, 11.00 Uhr, in Johanns langjährigem Wohnort Altenstadt-Höchst an der Nidder statt, wobei noch nicht feststeht, ob die Trauerfeier in der evangelischen Kirche oder in der kleineren Trauerhalle stattfindet.

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