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Politik und Verwaltung sind gefragt

BUTZBACH. Das hessische Waldgesetz schreibt sehr deutlich vor, war einem blüht, wenn man sich nicht an die klaren Vorgaben hält: bis zu 1000 Euro Strafe. Text + Foto: mr

Illegale Mountainbike-Trails nicht nur für Wald, Wild und Passanten, sondern auch für Fahrer eine Gefahr

BUTZBACH (mr). Bis zu acht Trails, das sind Mountainbike-Pfade im Wald, befinden sich derzeit am Hausberg – alle davon illegal angelegt und hochgefährlich. Weitere Trails sind in Bodenrod, Maibach und bei Münster entstanden. Insgesamt bis zu 15 von diesen Strecken mit Längen von bis zu drei Kilometer durchfurchen den Butzbacher Wald. Illegal. 

Dass Radfahren im Wald auf vorhandenen Wegen erlaubt ist und auch erlaubt bleiben soll, darüber sind sich die Nutzer des Waldes insgesamt einig. Allerdings haben sich einige Mountainbiker zusammengefunden und bauen Trails in den Wald, zerstören dabei nicht nur die Natur, stören die Wildtiere, bringen sich selbst in Lebensgefahr, sondern zeigen sich auch an der einen oder anderen Stelle respektlos gegenüber den anderen Nutzern des Waldes: seien es Fußgänger oder Wanderer, andere Biker oder auch die Jäger. Durch die illegale Nutzung des Waldes wird die Natur und werden die Tiere gestört, belästigt und sogar bedroht. 

Das hHessische Forstgesetz und die einschlägigen Verordnungen im Waldgesetz sind hingegen eindeutig: Der Wald darf mit dem Fahrrad auf den gekennzeichneten Waldwegen, auf denen eine Begegnung oder ein Ausweichen möglich ist, befahren werden. Aber auch dort ist Vorsicht geboten und Rücksicht zu nehmen, denn die Nutzer untereinander sind grundsätzlich gleichberechtigt, der Radfahrer hat gegenüber dem Fußgänger auch in Bezug auf Geschwindigkeit Rücksicht zu nehmen. 

Doch genaue diese Möglichkeit des Radfahrens wird von Individualisten missbraucht: Da werden mitten im Wald Sprungschanzen gebaut, natürliches Hanggelände als Sprungmöglichkeit genutzt, Kurven professionell überhöht mit Baumstämmen befestigt, der Waldboden geradezu „ausgelutscht“. Es sind Extremsportler, die verbotenerweise den Wald als Sportgelände nutzen. 

Dann tritt da das Problem auch für die Förster und die Butzbacher Stadtverwaltung auf: wird dieses illegale Trailing nicht unterbunden, trifft die Stadt Butzbach die Verkehrssicherungspflicht. Das heißt, dass bei einem Unfall auf einem dieser Trails die Stadt in die Haftung genommen werden kann, wenn sie die Nutzung nicht unterbindet. 

Die „Trailerbauer“ sind bekannt, nur erwischt hat man sie noch nicht in flagranti. Das Ganze „atmet“ auch noch dadurch, dass diese Trails in Internetforen angepriesen werden und viele Gleichgesinnte aus der gesamten Umgebung anzieht: Man braucht nur eine Viertelstunde an einem der bekannten „Hotspots“ ab 16.30 Uhr zu stehen und wird von zig Trailern überholt.

Problematisch wird es dann auch, wenn die Mountainbiker bis lange nach Anbruch der Dunkelheit weiterfahren – ein besonderer „Kick“ für ihren Sport, aber hochgefährlich, weil gleichzeitig auch Jäger auf ihren Hochständen sitzen und auf Wildtiere warten. Da muss noch nicht einmal ein Trailer mit einem Wildtier verwechselt werden, aber Querschläger könnten den Trailer treffen. Dessen sind sich viele der Mountainbiker nicht bewusst, mal abgesehen davon, dass sie mit dem „nächtlichen“ Sport auch die Ruhe der Wildtiere stören. 

Einen Ausgleich zu schaffen zwischen den unterschiedlichen Interessen im Wald, ist schwierig, die direkte Ansprache durch die unterschiedlichen Nutzer war bislang erfolglos. Legalisiert die Stadt Butzbach den einen oder anderen Trail, wird dies zwangsläufig zum Anziehungspunkt für Biker auch von außerhalb werden. In anderen Gemeinden, etwa auch am Winterstein oder am Dünsberg bei Gießen hat sich ein Radfahrverein verantwortlich erklärt für die Organisation und Durchführung der Trails. Allerdings bemängeln Spaziergänger in den betroffenen Gemeinden auch, dass es dennoch zu wilden Durchfahrungen des Waldes abseits der offiziellen Trails kommt, denn irgendwann wird auch der immer wieder gefahrene Trail langweilig. 

Das Ganze zu unterbinden, ist aufwändig und bedeutet auch, dass die illegal gebauten Trails zurückgebaut werden müssen. Regelmäßige Kontrollen scheitern am fehlenden Personal, die Trails werden zudem in den Abendstunden gebaut. Bis zu 1000 Euro kostet zumindest das Befahren der Trails, wesentlich teurer wird es, wenn man die Erbauer in flagranti erwischt. 

Der zunehmende Eingriff in die Natur wird auch von der Butzbacher Jägerschaft bemerkt: Das Wild ist aufgeschreckt, zieht davon und verändert sein Verhalten. 

Doch wohin, fragen sich auch die Trailer. Ein „Komplett-Verbot“ des Sports im Wald wird nur schwer durchsetzbar sein. Butzbachs Jäger haben mit dem Motorsportclub AMC Langgöns Kontakt aufgenommen, in den politischen Parteien überlegt man, ob nicht ein Verein in einem klar abgesteckten Gebiet die Verantwortung für das Trailing übernehmen kann. Selbstredend zeigen Naturschützer Unverständnis für den Extremsport. Mitten durch die große Rodungsfläche am Hausberg unterhalb des Hausbergturms befindet sich eine neue Trail-Route, frisch erbaut und genutzt, mit einer Riesenschanze auf einem Teilstück. So stehen die Zeichen im Wald auf „Konflikt“ und von Verwaltung und Politik wird eine durchsetzbare Entscheidung erwartet, die dem Wald und allen Nutzern eine klare Richtung gibt.

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