Politik will weitere Waldflächen in Butzbach der Natur überlassen

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Politik will weitere Waldflächen in Butzbach der Natur überlassen

In Ausschüssen Mehrheiten für Nutzungsverzicht und Neufassung des Waldwirtschaftsplans

BUTZBACH (thg). In der letzten Sitzung des Umweltausschusses und in der letzten Haupt- und Finanzausschusssitzung vor der Kommunalwahl befürwortete jeweils eine Mehrheit die Neufassung des Waldwirtschaftsplans für die Wälder der Stadt Butzbach. Der Magistrat hatte den Auftrag erhalten, den Plan auszugleichen. Ein Defizit in Höhe von 526 000 statt zuvor 561 400 Euro im städtischen Haushalt schlägt zu Buche. Dennoch stimmte die CDU, die den Ausgleich gefordert hatte, dem Zahlenwerk zu, die UWG als einzige Fraktion lehnte es in beiden Sitzungen ab. 

Mehrheitlich beschlossen wurde auch, dass Hessen Forst damit beauftragt werden soll, weitere Flächen im Wald für einen Nutzungsverzicht bei der Holzernte vorzuschlagen. Astrid Gerum (UWG) sagte, ihre Fraktion finde einen weiteren Nutzungsverzicht gut. Sie sehe aber nach wie vor Vorteile darin, dass die Stadt selbst wieder einen Förster habe. Bürgermeister Michael Merle hielt entgegen, dass der Landesbetrieb ein kompetenter und guter Dienstleister sei, dem die Stadt 3000 Hektar Wald anvertraue. Einen anderen Beschluss gebe es nicht. 

Forstamtsleiter Jörg Deutschländer-Wolff berichtete, dass das Amt bereits dabei sei, die Forsteinrichtung zu sichten, um mögliche Flächen zu identifizieren. Kriterium sei die naturschutzfachliche Wertigkeit. Zum Thema sei bereits Kontakt zur Unteren Naturschutzbehörde aufgenommen worden. Ein hochwertiger Eichenbestand am Exerzierplatz, der wegen der Truppenübungen „splitterverdächtig“ sei, wäre eine mögliche Fläche. 

Bürgermeister Merle sagte, dass die Stadt einen erheblichen Bedarf an Ökopunkte habe, die mit Nutzungsverzicht erzielt werden könnten. Dem stimmte Markus Ruppel zu, sie würden benötigt, um Ausgleich für Bau-Erschließungen zu schaffen. Es gehe nicht immer darum, die Punkte zu verkaufen. Es sei vorstellbar, in Zukunft so viele Ökopunkte zu haben, dass damit auch Wälder außerhalb des Stadtgebiets gekauft werden könnten. 

Holger Görlach (SPD) sprach dabei von „Öko-Kolonialismus“. Die SPD stimme Stilllegungen zu. Aber Holz, das nicht hier eingeschlagen werde, werde an anderer Stelle gerodet. 

Zum Plan erläuterte Deutschländer-Wolff, dass die Einschlagsmengen reduziert wurden und daher auch die Aufarbeitungskosten geringer ausfallen. Bei der Buche gehe er hauptsächlich von Holz geschädigter Bäume, Stichwort: Vitalitätsschwäche, aus. Im Bereich Fichte seien Ausgaben reduziert worden, weil nun Selbstwerber ernten könnten, daraus resultiere auch ein geringerer Holzpreis. 

Der Forstamtsleiter führte auch zwei Richtlinien an, die finanziell helfen. Bis zu 80 Prozent der Sach- und Unternehmerkosten könnten gefördert werden bei der Aufarbeitung von Schadholz. Die Maßnahmen liefen und seien auch für den Herbst noch geplant. Nach der Extremwetter-Richtlinie könnten zudem 4,80 Euro pro Festmeter „Kalamitäts-Holz“ gefördert werden. „Wir warten auf den Auszahlungsbescheid.“ 

Der Bürgermeister warf die Frage auf, wie die Ausrichtung und Festlegung der Waldwirtschaft grundsätzlich künftig ausgerichtet sein soll. Die Grünen hatten gefordert, den Laubholz-Einschlag ganz herauszunehmen. Damit nicht jedes Jahr neu über Prozentzahlen diskutiert werden müsse, regte er einen Grundsatzbeschluss an. 

Umweltausschussvorsitzender Rainer Michel (Grüne) erklärte, er werde sich nach der Wahl aus der Politik zurückziehen, wünschte daher den politisch Engagierten weiter Erfolg. Wichtige Weichenstellungen stünden in den kommenden fünf Jahren bevor. 

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