„Politik wird nicht ihrer Verantwortung gerecht“

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„Politik wird nicht ihrer Verantwortung gerecht“

Wir, die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Kirch-Göns, melden uns nun, nachdem wir nach der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Dienstag, 22. Mai, die Funkmeldeempfänger abgelegt haben, selbst zu Wort. Vorab ist zu erwähnen, dass es sich bei der Dienstniederlegung nicht um eine „Erpressung der Politik“ handelt, so wie es von einigen Politikern dargestellt wird, sondern vielmehr um ein Statement, das zum Ausdruck brachte, wie groß die Enttäuschung über das Handeln der verantwortlichen Kommunalpolitiker ist. 

Bereits in den 90er Jahren wurde der schlechte Zustand unseres Gerätehauses vom technischen Prüfdienst des Landes Hessen festgestellt. Dazu zählt nicht nur, dass sich Damen und Herren in der Fahrzeughalle umziehen müssen, sondern beispielsweise auch, dass es keine getrennten Sanitäranlagen gibt. Viel wesentlicher ist, dass die Sicherheit der Feuerwehrleute nicht gewährleistet ist.  

Bereits im Oktober 2012 gab es Gespräche der Stadt mit der Kirchenverwaltung in Darmstadt, respektive dem Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Kirch-Göns darüber, ob das Kirchengrundstück für den Bau eines Feuerwehrgerätehauses zur Verfügung stehen könnte. Diesem wurde nach diversen Besprechungen sowohl von der Kirchenverwaltung wie dem Kirchenvorstand im Jahr 2015 zugestimmt.  

Aufgrund eines Ölunfalls im Jahr 1970 wurden mehrere Bodenuntersuchungen vorgenommen, deren Ergebnis ist, dass das Risiko minimal sei. Diese Erkenntnis teilten allerdings sowohl einige Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses als auch diverse Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung nicht. Auch dass das Regierungspräsidium Darmstadt grünes Licht für das Kirchengrundstück gab, konnte weite Teile der Stadtverordnetenversammlung nicht überzeugen. Stattdessen wurde mit einer knappen Mehrheit für weitere Prüfungen sowie für die Suche nach Alternativstandorten gestimmt. Es gab auch Stadtverordnete, die die Verhandlungen mit der evangelischen Kirche endgültig abbrechen wollten.  

In diesem Zusammenhang ist für die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Kirch-Göns sehr enttäuschend, dass trotz Gesprächsangeboten unsererseits es von FDP und Grünen nicht einmal eine Antwort gab, bzw. bis heute der Dialog mit uns nicht geführt wird. 

Der im letzten Jahr von Innenminister Beuth übergebene Förderbescheid über rund 154 000 Euro€spielt dabei für den einen oder anderen Abgeordneten keine Rolle. Durch Recherchen im hessischen Innenministerium erfuhren wir, dass der Förderbescheid zweckgebunden sei und deshalb de facto nicht so einfach auf ein Alternativgrundstück zu übertragen sei.  Zudem läuft die Frist für den Förderbescheid im März nächsten Jahres ab, weshalb es für uns unverständlich ist, dass man auf politischer Seite nur so träge vorankommt.

Während die Wehrführung sehr engagiert war den Neubau eines Gerätehauses weiter voranzutreiben, wuchs der Unmut der Aktiven stetig. In fast jeder unserer Übungen wurde gefragt, wie der Stand der Dinge bezüglich des Gerätehauses sei. Leider konnte die Wehrführung selten handfeste Fortschritte melden. Aus diesem Grund war es uns völlig fremd, wie man auf die Idee kommen kann, dass die Abgabe der Funkmeldeempfänger nur inszeniert sei.  

Jeder einzelne in unserer Feuerwehr erledigt seine Aufgabe freiwillig, neben dem Beruf, der Familie und sonstigen Verpflichtungen, auch unter Opferung von Freizeit. Jeder einzelne in unserer Feuerwehr stand zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit. Jeder einzelne in unserer Feuerwehr setzte sein Leben aufs Spiel, um das Leben anderer Mitbürger zu schützen und zu retten. Ist es denn wirklich so unverständlich, dass man nach jahrelangen Gesprächen, Versammlungen und Diskussionen endlich mal etwas in den Händen haben möchte?  

Wir, die Feuerwehr Kirch-Göns, waren bis zum 22. Mai die einzige Feuerwehr im Butzbacher Norden, die tageseinsatzbereit war. Diese Aufgabe haben wir gerne für unsere Mitbürger ausgeführt und es war nicht unsere Absicht, sich der Verantwortung zu entziehen. Im Gegenteil: Lange (seit den 90er Jahren) haben wir uns mit den verheerenden Umständen in unserem Gerätehaus zufriedengegeben, lange haben wir Geduld aufgebracht für die vielen Prüfungen und Untersuchungen, lange haben wir versucht, konstruktiv an einer Lösung mitzuwirken. Doch nach mittlerweile gut sechs Jahren sind wir mit unserer Geduld langsam am Ende. 

Deshalb ziehen nicht wir uns aus der Verantwortung gegenüber unseren Mitbürgern, sondern die Politik wird ihrer Verantwortung uns gegenüber nicht gerecht.  

Wir hoffen sehr, dass es zeitnah zu einer Entscheidung kommt, die das Wohl der Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Kirch-Göns und der Bürger von Kirch-Göns im Blick hat.  

Der Vorsitzende der Freiwilligen Feuerwehr Kirch-Göns, Markus Mohr, weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Mitteilung aus der Mitte der aktiven Mannschaft kommt und nicht von der Wehrführung! 

Steffen Häuser und die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Kirch-Göns

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