Polizei Mittelhessen unterstützt „Demokratie leben“ in Butzbach

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Polizei Mittelhessen unterstützt „Demokratie leben“ in Butzbach

BUTZBACH. Das Foto zeigt Michael Schröter (l.) und Berater Lennart Biskup vor dem Treffpunkt Degerfeld.

Lennart Biskup im Präsidium Ansprechpartner für Unterstützung / „Ortsbeiräte angemessen wahrnehmen“

BUTZBACH (pm). Lennart Biskup ist Politikwissenschaftler und im Polizeipräsidium Mittelhessen zuständig für die Kriminalprävention, die auch die Dimension politischer Antriebskräfte abdeckt. Wo immer der Unterstützungsbedarf erkennbar ist, könnte in Butzbach im Rahmen des Programms „Demokratie leben“ nun mit professioneller Hilfe ein Angebot eröffnet werden, sei es in Schulen, Vereinen, religiösen Gemeinschaften, bei der Arbeit des Jugendforums, aber auch bei Ortsbeiräten und Vertretern der Stadtverwaltung und des Magistrats.

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass Lehrkräfte bei dem Thema politisch motivierte Konflikte – auch in elektronischen Medien – oft unsicher sind. Das gleiche gilt für Vereinsverteter. Jugendliche werden damit konfrontiert und oft allein gelassen. Dem will Biskup entgegentreten – in Corona-Zeiten nicht sehr einfach, aber mit Unterstützung von Aaron Löwenbein als Vertreter der NachSchule in der Funktion der externen Koordinierung des Programms durchaus möglich. Die Beratungsgespräche finden dann entweder am Telefon oder mittels einer Videokonferenz wie auch in Kleingruppen im Freien oder gut gelüfteten Räumen wie im Degerfelder Quartierszentrum oder in einzelnen Stadtteilen, statt.

Bei den bisherigen Gesprächen ist dem Politikwissenschaftler aufgefallen, dass demokratische Werte im häuslichen Bereich nicht selten nicht in der gewünschten Form weitergegeben worden sind. Er sprach dabei von „transgenerationellen Problemstellungen“, die auf Erzählungen vom Vater oder dem Großvater auf Söhne und Enkel übertragen worden sind und dabei nationale und völkische Gedanken herausgestellt und die Verbrechen des Nationalsozialismus klein geredet werden. Auf diese Weise wird rechtem Gedankengut der Boden bereitet. So ist der Weg zu sprachlichen Entgleisungen, zu Diskriminierungen anders Denkender und anders Aussehender nicht mehr weit.

Biskup will die Selbstwirksamkeit und die Teilhabe an demokratischen Prozessen der Beteiligten stärken, eine neue Informiertheit befördern, als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und als niederschwellige Kontaktstelle fungieren und dies auf dem Hintergrund eines vorhandenen, gut funktionierenden Beratungsnetzwerkes.

An diesen Gesprächen nahm ebenfalls Michael Schröter in seiner Funktion als Vertreter des Stadtteilbeirats teil, der sich darüber freut, dass Prozesse, deren Basis Beratungen sind, nicht top-down, sondern als bottom-up funktionieren. In der Vergangenheit, so Schröter, sind die Ortsbeiräte nicht immer angemessen wahrgenommen worden. „Demokratie leben“ heißt Zulassen von mehr partizipativer Arbeit und Unterstützung der Ortsbeiräte.

Historisch betrachtet hatte Butzbach früher mit dem NPD-Mitglied Markus Wöll seine Probleme, der in Hoch-Weisel angesiedelt war und im Stadtparlament politisch agierte. Das entstandene „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ hat mit seinen engagierten Aktionen diesem Wirken entgegengestanden, unterstützt von der Sportjugend. Es hat sich gezeigt, dass sich Teilhabe als ein gutes Mittel gegen politische Gewalt bewährt hat.

Bereits jetzt kann man sich in Problemfällen an Biskup (pmk-praevention.ppmh@polizei.hessen.de oder an die NachSchule: Tel. 0157/73030307) wenden.

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