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Pompös und immer gern gehört

BUTZBACH. Werke von Georg Friedrich Händel standen auf dem Programm des Konzert-Chors Butzbach bei seinem Auftritt in der Markuskirche. Foto: John Winter

KONZERT CHOR Psalm 112 und Krönungshymnen in der Butzbacher Markuskirche begeistern

BUTZBACH. „Pomp and circumstances“ – dieser vom britischen Komponisten Sir Edward Elgar stammende Titel hätte sehr wohl zu einem bemerkenswerten Konzert gepasst, das der Konzert-Chor Butzbach letzten Samstag zu Gehör brachte.  Anstelle der Londoner Westminster Abbey war die Butzbacher Markuskirche durchaus würdiger Austragungsort, und an „Masse“ konnte es der Konzert-Chor allemal mit dem Uraufführungschor aufnehmen: Waren es seinerzeit in London etwa 50 Sängerinnen und Sänger, konnte der Butzbacher Chor mit fast 60 engagierten Chormitgliedern aufwarten. Lediglich beim Orchester musste man aus Kostengründen zahlenmäßige Abstriche machen – schließlich stand kein königliches Budget zur Verfügung – was den Konzertgenuss jedoch in keiner Weise trübte. 

Begonnen hatte das Konzert mit einer Orchester-Ouvertüre, das vom mitwirkenden „Mittelhessischen Sinfonieorchester“ noch ohne Dirigent als angemessener Einstieg in das „Hauptprogramm“ gestaltet wurde. Es folgte „Laudate Pueri Dominum“, ein mit dem Text aus Psalm 112 komponiertes Werk für Sopran, Chor und Orchester. Als Solistin realisierte die bereits mit nationalen und internationalen Auszeichnungen versehene Sopranistin Heike Heilmann ihren Part mit tragender Stimme und atemberaubender Sicherheit in den halsbrecherischen Koloraturen. Waren ihre Tempovorstellungen anfangs noch nicht ganz kongruent mit denen des Orchesters, verbesserte sich mit zunehmender Dauer auch die Zusammenarbeit mit dem begleitenden Klangkörper. Der Chor trat hier erstmals in Erscheinung und erwies sich sowohl rhythmisch als auch intonatorisch durch Chorleiter Friedhelm Göttling und Stimmbildnerin Yvonne Adelmann als sehr gut vorbereitet und „wach“ bei seinen Einsätzen.

 Im Orchester hätte man sich vielleicht vor allem die hohen Streicher noch etwas agiler gewünscht, doch auch ihr anfänglicher Hang zum „Bremsen“ gab sich mit der Zeit, sodass das gesamte Orchester letztlich harmonisch zusammenwirkte.  

Die klangliche „Krönung“ liefert in Händels Werken immer wieder das Einsetzen von Pauken und Trompeten, was mit großartiger Präzision und klanglicher Präsenz geschah und sicherlich für den ein oder anderen wohligen Schauer in den Reihen des Publikums gesorgt haben mag. 

Hiervon mehr gab es dann im Hauptwerk des Abends, den „Coronation Anthems“. Händel wusste schon damals, was gut bei König und Volk ankam, und auch heute noch verfehlen die Krönungs-Hymnen ihre Wirkung nicht. Kunstvoll und doch „eingänglich“, ergreifend und pompös im positiven Sinne werden die Anthems immer wieder gerne gehört. So verwundert es nicht sonderlich, dass sich der Filmkomponist Tony Britten einiger Motive aus „Zadok the priest“ bemächtigte und diese für die Erkennungsmelodie der Uefa Champions League umarrangierte. 

In Butzbach gab es natürlich das Händelsche Original, das unter dem sicheren Dirigat Friedhelm Göttlings und der Stimmgewaltig des Konzert-Chors süffig gelang. Als Zugabe ließ es sich Fußballfan Göttling nicht nehmen, in Anbetracht der anstehenden Fußball-WM noch einmal „Zadok the priest“ zu wiederholen. Begeisterter Applaus belohnte die gelungene Aufführung aller Mitwirkenden.

Joachim Wagenhäuser 

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