„Priorität Verkauf oder Verpachtung“

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„Priorität Verkauf oder Verpachtung“

HUBERTUS Aber Antrag an Kreistag: Wetterauer Jugendgästehaus wieder für ursprüngliche Zwecke nutzen

BUTZBACH (thg). Für eine Wiederbelebung des Kreisjugendgästehaus Hubertus setzen sich die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses ein. Diesen Antrag hat nun Ausschuss-Mitglied Wolfgang Dittrich vom evangelischen Dekanat Wetterau an den Kreistag gerichtet, damit dieser in seiner Sitzung im Januar den Punkt berät, wie er der BZ berichtete. Indes macht der Wetteraukreis bei dem Thema wohl wenig Hoffnung, wie auf BZ-Anfrage in der Pressestelle zu erfahren war. Ein Verkauf oder eine Verpachtung seien „erste Priorität“, berichtete Kreis-Pressesprecher Michael Elsaß.

Im Oktober 2015 wurde der Betrieb des letzten verbliebenen kreiseigenen Jugendgästehauses Hubertus eingestellt, um die Räume im Sinne eines Notfalls zur Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Ausländern (UmA) zu nutzen, erinnert Dittrich. Die damalige Jugend- und Sozialhilfekommission habe von der Entscheidung erst im Nachhinein erfahren. Nachdem dieser Umstand entfallen ist und das Haus wieder leersteht, solle es genutzt werden, auch mit den notwendigen Renovierungen etwa der maroden Nur-Dach-Häuser versehen, damit die Gebäudesubstanz nicht weiter leidet und ein Wertverlust eintritt, so Dittrich.

„Jugendgästehäuser sind soziale Einrichtungen, die es in der Regel ermöglichen, kostengünstige Freizeiten und Maßnahmen für Kinder und Jugendliche anzubieten“, so sein Plädoyer. Gerade Familien mit niedrigen Einkommen seien auf kostengünstige Ferien- und Freizeitangebote für ihre Kinder angewiesen. Ferner sei der Hubertus auch von den Jugendverbänden und dem kreiseigenen Fachdienst Jugendarbeit genutzt worden.  Diese müssten nun unter anderem nach Wetzlar ausweichen. Das Jugendgästehaus biete sich durch seine Lage auch gut für die Natur- und Umweltbildung junger Menschen an. Dazu sollte mit den Umweltverbänden ein Konzept erstellt werden.

Jahrzehntelang habe der Wetteraukreis zu wenig in diese wichtige soziale Einrichtung investiert und damit billigend in Kauf genommen, dass dadurch auch die Belegungszahlen zurückgehen, heißt es in der Antragsbegründung. Vor der Schließung gab es aber im Jahr 2014 immer noch 8300 Übernachtungen. Es ist leider der Eindruck entstanden, dass die Flüchtlingssituation letztlich dazu genutzt wurde, sich von dem ungeliebten Jugendgästehaus Hubertus zu trennen, um die Betriebskosten einzusparen.  In Ober-Seemen/Gedern betreibe der Kreis Groß-Gerau ein Jugendgästehaus unter ähnlichen Rahmenbedingungen wie der Hubertus. Allerdings werde in das Haus investiert und die Politik stehe hinter der Einrichtung, die letztlich auch gut angenommen werde.

Erwähnt wird auch der erwartete „enorme Haushaltsüberschuss“, den der Wetteraukreis für 2017 erwartet. Damit sei der Träger in der Lage, notwendige Investitionen zu tätigen und die Betriebskosten zu tragen.

„Verschiedene Überlegungen“ stellt der Wetteraukreis laut Pressesprecher derzeit hinsichtlich der weiteren Nutzung des Geländes an. Die Prüfungen liefen noch. Es sei aber nicht beabsichtigt, den Hubertus wieder als Jugendgästehaus zu nutzen. Die erste Priorität liege bei einem Verkauf oder einer langfristigen Verpachtung an einen sozialen oder gemeinnützigen Träger, der die Einrichtung als Schulungs- und Tagungsmöglichkeit nutzen möchte. „Gespräche mit potentiellen Interessenten“ seien aufgenommen worden.

Nach Auskunft des Kreises seien die Belegungszahlen des Hubertus trotz intensiver Bemühungen, die Nachfrage und die Attraktivität zu steigern, zurückgegangen. Gerade auch Wetterauer Schulen hätten das Haus seltener genutzt. Die mangelnde Nachfrage habe zur Schließung 2016 geführt, nicht etwa die Haushaltskonsolidierung, auch wenn Unterhaltungskosten von einer runden Viertelmillion Euro im Jahr zu Buche schlugen, Tendenz: steigend.

Das Mietverhältnis mit einem Jugendhilfeträger für die Betreuung der jungen Flüchtlinge wurde mangels Zuweisung durch das Land zum 31. Juli dieses Jahres einvernehmlich vorzeitig beendet. 14 Bewohner waren es zu diesem Zeitpunkt noch, die der Kreis problemlos in anderen Einrichtungen aufnehmen ließ.

 

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