Relikte aus der Zeit vor 7000 Jahren

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Relikte aus der Zeit vor 7000 Jahren

Sascha Piffko informiert über Grabungsergebnisse im „Burgweg“ / Gräber aus der Keltenzeit festgestellt

ROCKENBERG (pm). Mehr als 120 Interessierte folgten der Einladung des Kultur- und Geschichtsvereins Oppershofen, um sich über die vorläufigen Ergebnisse der archäologischen Voruntersuchungen im Burgweg zwischen Rockenberg und Oppershofen zu informieren. Sascha Piffko erklärte eingangs, warum diese Grabungen vorgenommen werden müssen, bevor Neubauten errichtet werden können. Kulturdenkmäler, also auch archäologische Fundstellen, sind durch die Denkmalschutzgesetze geschützt und dürfen nicht einfach vernichtet werden. 

Zwischen Rockenberg und Oppershofen entsteht ein neues Baugebiet. Dort sollen öffentliche Einrichtungen wie Schule, Feuerwehr, eine Apotheke und Einkaufsmöglichkeiten entstehen. Zu Beginn jeder archäologischen Begutachtung steht die Recherchearbeit: Luftbilder, alte Fundberichte und historische Quellen werden studiert und ausgewertet. Eine hervorragende Quelle sei inzwischen Google Earth, das die aufwändige Luftbildarchäologie kostengünstig ergänze. 

Über Jahre hinweg wurden durch ehrenamtliche Feldbegeher und zufällige Finder immer wieder Scherbenfunde an die Denkmalschutzbehörden gemeldet und haben so ein dichtes Katasternetz von archäologischen Fundstellen ermöglicht. Aus diesen verschiedenen Quellen konnte bereits eine hohe Wahrscheinlichkeit für Funde von Relikten der Vergangenheit für das Gelände prognostiziert werden. Hinweise auf Siedlungen aus der Zeit der Jungsteinzeit, der Römer, der Alemannen und des Frühmittelalters liegen vor, teils belegt durch alte historische Berichte, teils belegt durch Scherben und Funde oder gar Luftbilder. 

Um die Häufigkeit und Verteilung der archäologischen Befunde einzugrenzen, unternahm Patrick Mertl eine geomagnetische Untersuchung, bei der das Magnetfeld des Erdreiches gemessen wird. Alte Bodeneingriffe zeichnen sich durch eine messbare Veränderung des Magnetfeldes ab und können auf einer Karte dargestellt werden. So fanden sich zahlreiche Strukturen in Form von Kreisen, Rechtecken und Streifen, die den Schluss zuließen, dass auf dem Gelände ein vorgeschichtliches Gräberfeld angelegt wurde. Aus den gesammelten Daten erarbeiteten die Denkmalschutzbehörden Vorgaben für die Grabungen.

Von September bis Dezember 2019 liefen archäologische Grabungen, bei den durch Sondagen die Ergebnisse der vorherigen Untersuchungen geprüft wurden. Piffko erläuterte die Vorgehensweise der Archäologen, von der schweißtreibenden Grabungsarbeit und der sorgfältigen Dokumentation mittels Fotografie, Zeichnung und Vermessung. Verfärbungen im Boden zeigen, wo vor Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden einst ein Loch gegraben wurde. Drohnenfotos zeigen eindrucksvoll die Strukturen, die durch diese Verfärbungen gebildet werden und aus denen man die alten Grabanlagen gut erkennen kann. 

Bei den Ausgrabungen kamen nicht nur Gräber der Keltenzeit, die sich oft durch einen Grabenring abzeichnen, der einst den Grabhügel umgab, zutage, sondern auch Vorratsgruben jener Zeit, in denen das Getreide sicher vor Schädlingen saatfähig verwahrt wurde, und Scherben und Relikte der Linearbandkeramikkultur, die in der Jungsteinzeit vor über 7000 Jahren den Ackerbau in die Wetterau brachte. 

Derzeit werten die Archäologen die Ergebnisse der Grabungen aus, voraussichtlich im März werden die Grabungen fortgesetzt, damit die Erschließungsarbeiten für das Baugelände planmäßig beginnen können. 

Piffko kündigte an, dass die Ergebnisse der Grabungen auch zukünftig der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen, möglicherweise ergibt sich am Ende der Grabungen eine Ausstellung und eine zusammenfassende Publikation der Ergebnisse. 

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