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Sammy hilft bei Sozialverhalten

Foto: thg

EINWEIHUNG – Kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz in Butzbach in Nachbarschaft zu Tagesklinik

Butzbach (thg). Ende Februar hat die kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz des Universitätsklinikums Gießen/Marburg die Arbeit am neuen Standort in Butzbach aufgenommen. Am Mittwoch – parallel zum Fußballspiel Südkorea–Deutschland – feierte das Team um Professor Katja Becker und Dr. Christa Wichmann die Einweihung mit Gästen vorwiegend aus Fachkreisen. Mit dabei war auch Sammy, der Therapiehund, der auf der anderen Seite des Schlossgeländes in der Tagesklinik zum Einsatz kommt. 

„Wir greifen in Biografien ein“, sagte Becker, Direktorin der Marburger Klinik für Kinder- und Jugendpsy-
chiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, zu den Erfolgen der Ambulanz, die bislang in Bad Nauheim in kleineren Räumen untergebracht war. Ziel sei es, dass die Kinder, die mit entsprechenden Krankheitsbildern an die Klinik überwiesen werden, in die Schule zurückkehren und „wieder ein Leben haben“. 

Oberärztin Wichmann, für die Ambulanz und die Tagesklinik zuständig, berichtete, die Arbeit im Butzbacher Schloss sei gut angelaufen. „Wir sind präsenter.“ Das zeige sich daran, dass auch schon Jugendliche ohne Anmeldung oder Termin vor der Tür standen, weil sie um die Anlaufstelle wussten. Der Bedarf sei groß, deutlich größer als das, was die Ambulanz abdecken kann. „Aber wir haben nicht die Kapazitäten“, daher entscheide über die Annahme der Patienten die Dringlichkeit. Und wenn es möglich sei, würden zunächst niedergelassene Therapeuten eingeschaltet. 

In der Tagesklinik besteht zudem seit Dezember die Möglichkeit der Hundetherapie – finanziert vom Förderverein Menschenskinder Marburg. Lisa Lindner ist ausgebildete Hundetherapeutin, die mit dem Appenzeller Sennenhund Sammy zwei Stunden in der Woche die Kinder besucht. In der Therapie geht es darum, die Kinder – sieben Plätze hat die Tagesklinik derzeit – zu aktivieren und ihnen Hilfen für ihr Sozialverhalten zu geben. So sollen sie dem Hund klare Anweisungen geben können, aber auch zum Spazierengehen, Spielen und Kuscheln mit den Sechs- bis Zwölfjährigen ist Sammy gerne bereit. Seit drei Jahren ist er Therapiehund, ein halbes Jahr lang haben Lindner und er die Ausbildung absolviert. Lindner ist hauptberuflich Kinderkrankenschwester in Marburg. 

Die Kinder in der Tagesklinik werden hauptsächlich wegen Störungen des Sozialverhaltens wie ADHS aufgenommen. Dies komme im Alter von sechs bis zwölf Jahre durchaus häufiger vor. Aber auch emotionale Schwierigkeiten und Zwänge sind es, die einen Aufenthalt notwendig machen. Zur Unterstützung zu Hause ist ein Elterntraining verpflichtend. So werden verhaltenstherapeutische Grundlagen auch im familiären Alltag vermittelt. In der Klinik sind Ergotherapie, Kompetenztraining oder Bewegungstraining weitere Bestandteile der Therapie. 

Bürgermeister Michael Merle, der ebenso wie vom Staatlichen Schulamt Dr. Eric Dinges und die Leiterin der Butzbacher Ballhausschule, Gerda Arends, eingeladen war, erinnerte daran, dass es gemeinsames Ziel gewesen sei, die Versorgung für Kinder und Jugendliche im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu verbessern. Das letzte Puzzle-Teilchen sei nun mit der Ambulanz hinzugekommen. 

Becker hat noch weitere Pläne. Ziel ist es, die Tagesklinik auf dreimal sieben Plätze zu erweitern. Dies solle dann aber auch mit der Möglichkeit zum Schulbesuch – die Ballhausschule sei ein wichtiger Partner – verbunden sein. Gern hätte sie es, dass alle Bestandteile der Versorgung in einem Gebäude zusammen untergebracht sind. Doch dies funktioniere nur auf einem anderen Gelände, voraussichtlich mit einem Neubau. „Ein paar Jahre wird das schon noch dauern“, sagte die Klinik-Direktorin. „Aber jedes Kind ist es wert.“ 

Foto: thg

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