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Schon Bach gefiel die Markuspassion

KONZERT –  Frohsinn Oppershofen und Harmonie Froschhausen treten mit L’arpa festante in Rockenberg auf

Oppershofen (pm). Der Gesangverein Frohsinn Oppershofen begeisterte mit einer Aufführung der Markuspassion von Keiser. Keisers Markuspassion gefiel Johann Sebastian Bach so gut, dass er sie nicht nur selbst aufführte, sondern auch mehrmals bearbeitete und durch eigene Choräle sowie sieben Arien aus Händels Brockes-Passion ergänzte. Dieses von Bach angewandte Pasticcio-Verfahren (die Zusammenstellung einzelner Musikstücke mehrerer Komponisten zu einem neuen Werk) drückt Bachs Wertschätzung für Keisers Komposition aus. In dieser letzten „Pasticcio-Fassung“ von 1747 erklang das Werk am Samstag in der Kirche St. Gallus in Rockenberg.

Unter der Leitung von Martin Winkler glänzten die beiden Chöre Frohsinn Oppershofen und Harmonie Froschhausen (Seligenstadt), die das Werk gemeinsam mit dem Barockorchester L‘arpa festante und fünf Barocksolisten aufführten. Der vielschichtige Charakter des Oratoriums wurde von allen Beteiligten umgesetzt in der sehr gut besetzten Kirche.

Allen voran in seiner entscheidenden Rolle als erzählender Evangelist führte Tenor Florian Bauer nuanciert durch die Handlung. Mit seiner weich fließenden Tenorstimme holte er alle Dramatik aus den Rezitativen heraus – ohne Pathos, immer mit der nötigen Zurückhaltung und doch immer genau auf den Punkt der Aussage. „Man muss sich schon ein bisschen mit dem Text beschäftigen“, kommentierte er augenzwinkernd das Lob nach der Aufführung. Dass man als Zuhörer „dran bleibt“, wissen will, wie es weitergeht, erschrocken, erstaunt und betroffen ist von der Handlung, dieser Aufgabe ist Bauer gerecht geworden.

Seine Kollegen in den verteilten Rollen standen dem in nichts nach. Bariton Ronny Rickfelder beeindruckte in der Rolle des Jesus, der er mit seiner volltönenden Stimme gleichzeitig genau die Autorität und Demut verlieh, die so erstaunlich ist an dem Auftreten Jesu gegenüber seinen Anklägern. Neben ihren Rollen in den Rezitativen beeindruckten die Solisten aber auch in den Arien. Sopranistin Renata Grunwald erfüllte die Kirche mühelos mit ihrer kraftvollen Stimme und ermahnte, klagte, trauerte und tröstete in ihren Arien ausdruckstark die Gemeinde.

Mitfühlen konnte man auch mit Altistin Beate Leisner, die beim als Arie dargebotenen Choral direkt nach Christi Tod Trauer als auch volksfrömmige Hoffnung auf Erlösung innig zum Ausdruck brachte. Tenor Thomas Jakobs glänzte mit zwei sehr gegensätzlichen Arien. Während er der ersten dramatischen Arie die volle Kraft verlieh, bewies er sein Gespür für barocken Klagegesang in der zweiten Arie mit ergreifender Schlichtheit.

Auch die beiden Chöre meisterten ihre Doppelrolle als pöbelnde, rachsüchtige Menge in den Turbae-Chören einerseits und als gläubige Gemeinde in den Chorälen andererseits mit Bravour.

Es war das Verdienst des Musikpädagogen Winkler, dass die Sängerinnen und Sänger mit ihren „Kreuzige ihn“-Rufen das Publikum geradezu in Aufruhr versetzten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt schlug die Dramatik der Aufführung die Zuhörer derart in ihren Bann, dass sie gespannt auf die weiteren Einsätze des Chors warteten. Die getragenen Choräle könnten gerade die regelmäßigen Kirchgänger unter den Sängerinnen und Sänger zu pathetischem „Absingen“ verleiten, aber Chorleiter Winkler schob schon in den frühen Probenphasen erfolgreich einen Riegel vor. Gekonnte Textausdeutung, leidenschaftliche Bewegtheit und tiefes Empfinden kennzeichneten die Interpretation.

Die exzellente Leistung aller Choristen und Solisten wäre jedoch undenkbar ohne die großartige Unterstützung durch die ausgewiesenen Barockspezialisten von L‘arpa festante mit Konzertmeister Christoph Hesse. Das Orchester, eines der traditionsreichsten Ensembles für Alte Musik in Deutschland, fesselte von Beginn an mit seiner zupackenden und hingebungsvollen Spielweise. Es stellte sich als aufmerksame und wunderbar unterstützende Begleitung ganz in den Dienst des Gesangs. Als besonders herausragend zu erwähnen sind die sensiblen Streicherpassagen in den
Accompagnato-Rezitativen wie auch das Duett von Oboe und Sopran.

„Spannend“, „ergreifend“ und sogar „viel zu kurz“ hörte man nach Ende des Konzerts aus dem Publikum. Glücklich und begeistert waren die Mitwirkenden, die Bürgermeister Manfred Wetz im Anschluss zum Sektumtrunk im Gemeindehaus einlud, und die sich am Ende des Abends vor allem auf eines freuten: die zweite Aufführung am Sonntag in Seligenstadt.

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