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Schule beginnt, aber keine Normalität

BUTZBACH. Unter anderem für die vierten Grundschulklassen beginnt am Montag wieder der Unterricht, wie hier an der Degerfeldschule. 

Montag Abschlussklassen an Schrenzerschule, kein Unterricht an Weidigschule / Kreis setzt auf Händewaschen

BUTZBACH (thg). Die ersten Schülergruppen nach der Corona-Schließung der Schulen, sollen am Montag wieder zum Unterricht zurückkehren. Unter anderem gilt das für Abschlussklassen – sowohl an Grund- als auch an weiterführenden Schulen. Während an der Schrenzerschule etwa 100 Schüler in den veränderten Schulalltag einsteigen, bleiben die Klassenräume an der Weidigschule leer. 

Die Abiturienten des Butzbacher Gymnasiums kehren nicht für Unterricht zurück, und im kommenden Jahr gibt es keinen Abiturjahrgang. Schulleiterin Annette Pfannmüller erläuterte, dass derzeit keine „Q2“ an der Schule sei. Denn wegen der Umstellung von „G8“ auf „G9“ gebe es einen „Null-Jahrgang“ ohne Abi 2021. 

Abschlussarbeiten verschoben

Die erwarteten Schrenzerschüler werden in neun Lerngruppen eingeteilt, wie Schulleiter Achim Schwarz-Tuchscherer erläuterte. Es kommen die Neuntklässler, die eine Hauptschul-Tendenz haben, und die Zehner, denn sie alle erwerben in diesem Jahr den Realschulabschluss. Die zentralen Abschlussarbeiten wurden um 14 Tage nach hinten verschoben und finden nun vom 25. bis 29. Mai statt, die mündlichen Prüfungen folgen vom 8. bis 10. Juni. 

In den beiden kommenden Wochen werden an der Weidigschule die Nachprüfungen zum schriftlichen Abitur absolviert. Für die mündlichen Prüfungen geht Schulleiterin Pfannmüller davon aus, dass sie wie vorgesehen stattfinden. In einem Klassenraum befänden sich dann vier Personen, die Abstandsregeln seien einzuhalten. Für die Abiturienten ist es dennoch eine besondere Situation, weil sie keinen Unterricht mehr haben und auch mit ihren Prüfern in den Kursen keinen persönlichen Austausch mehr haben, sondern nur einzeln und dann telefonisch oder elektronisch. Die Unterrichtsverpflichtung hätte bis Mitte Mai bestanden. 

Beide Schulleiter warten auch weiter auf genaue Regelungen, wie und wann weitere Schüler wieder zum Unterricht zurückkehren sollen. Dass in diesem Schuljahr noch einmal ein Präsenzunterricht mit allen Klassen stattfinden kann, bezweifeln beide. Auch die Abschlussschüler der integrierten Gesamtschule werden nach den Prüfungen nicht mehr kommen, so Schwarz-Tuchscherer. Jetzt würden Neuner und Zehner versetzt beginnen, wenn später mehr Klassen kommen sollen, müssten gegebenenfalls tageweise bestimmte Jahrgänge unterrichtet werden. 

„Krisenmanagement“

Auch das Thema Lehrerschaft stellt die beiden Schulleiter vor Probleme. Schwarz-Tuchscherer spricht von „Krisenmanagement“ und berichtet, dass neben Lehrern, die über 60 Jahre alt sind, auch Lehrer mit kleinen Kindern an der Schule tätig seien, deren Ehepartner ebenfalls berufstätig sei. Aber Lehrer gehörten nicht zu den systemrelevanten Gruppen für eine Not-Kinderbetreuung. Pfannmüller wird nun abfragen, welche Lehrer überhaupt für Unterricht zur Verfügung stehen, nachdem das Kultusministerium die Risikogruppen definiert hat. „Es stellt sich die Frage, wer kommt.“ Der Einsatz von Lehrern über 60 dürfe laut Schulamt nur auf freiwilliger Basis erfolgen. Aufgelistet werden auch Grunderkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Leber- und Nierenerkrankungen sowie Krebs und weitere, schwangere oder stillende Lehrkräfte sollten vom Präsenzunterricht ausgenommen werden. 

Die weiteren Anweisungen, welche Stunden anzubieten sind, seien noch abzuwarten, so die Schulleiterin. Dass Deutsch, Mathe und Englisch für die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung unterrichtet werden müssen, ist an der Schrenzerschule klar. 

Schwarz-Tuchscherer sagte zum praktischen Ablauf, dass ab 7.15 Uhr am Montag auf dem Schulhof Lehrer die Schüler empfangen. Zum einen dienten sie als Ansprechpartner, zum anderen erklärten sie, in welche Räume die Schüler gehen sollen. Alle wesentlichen Informationen werden Schülern und Eltern vorab auch bereits per E-Mail zur Verfügung gestellt. Da die Schrenzerschule über mehrere Gebäude mit unterschiedlichen Eingängen verfügt, ist geregelt, dass jede Klasse auch nur einen Eingang betritt. Der Schulhof kann entsprechend unterteilt werden. Rund ein Dutzend Schüler bilden eine Gruppe. 

Das Bearbeiten von Schulstoff zu Hause geht somit für die allermeisten Schüler weiter. Schwarz-Tuchscherer schließt aus bisherigen Rückmeldungen, dass bei etwa 80 Prozent der Schüler die Arbeit gut funktioniert hat. Aber Unterschiede in der Ausstattung mit Hard- und Software, aber auch die verschiedenen Familien-Strukturen seien zu berücksichtigen.

Pfannmüller sagte, dass Anfang der Woche Schüler und Eltern nach ihren Einschätzungen gefragt wurden, was gut gelaufen ist oder wo es Probleme gegeben habe. Daraus werde abgeleitet, wo „nachgesteuert“ werden muss, neue Aufgaben würden aber parallel gestellt. Auch sie beobachtet, dass die Bearbeitungssituation zu Hause ganz unterschiedlich ist. Die Benotung erfolge aber nach dem Stand vor den Osterferien. Der zu Hause erarbeitete Stoff werde nicht zur Leistungsbewertung dienen. Erst müssten alle Kinder auf dem gleichen Stand sein. 

„Wassertemperatur egal“

Beim Thema Hygiene richten sich die Schulen nach den einschlägigen Vorgaben. „Wir haben gerade Desinfektionsmittel für die Hände bekommen“, sagte Schwarz-Tuchscherer. Die Schule habe dies am Dienstag selbst bestellt. An der Weidigschule werden keine zusätzlichen Desinfektionsmittel eingesetzt. Pfannmüller zitierte ein Rundschreiben des Wetteraukreises, wonach das gründliche längere Händewaschen mit Seife auch mit kaltem Wasser die Mikroorganismen reduziere. Die Schulen werden in dem Schreiben darin „bestärkt“, sich mit „ausreichend Papierhandtüchern und Flüssigseife zu versorgen“. Die Beschaffung übernimmt jede Schule selbst. 

Schwarz-Tuchscherer wies darauf hin, dass die belastende Situation für die Schüler auch Thema am ersten Unterrichtstag sei. Die Schüler sollen berichten können, wie es ihnen in der Corona-Zeit geht, Ängste und Befürchtungen sollen besprochen werden, ebenso, was in der Welt passiert. Geklärt werde auch, ob Schüler selbst zu Risikogruppen  gehören oder jemand aus einer Risikogruppe mit im Haushalt lebt. 

„Normaler“ Fahrplan

Ab Montag, 27. April, wird uneingeschränkt der Fahrplan wie an Schultagen gelten, teilt die Verkehrsgesellschaft Oberhessen mit. So könne man auch gewährleisten, dass ein ausreichendes Platzangebot zur Verfügung gestellt werde, wobei man die Fahrgäste dringend darum bitte, den ab Montag verpflichtenden Mund-Nasen-Schutz in den Bussen zu tragen. Dies könne neben einem möglichst großen Abstand zusätzlich den Fremdschutz erhöhen.

Solange der Vordereinstieg in den Bussen noch nicht erfolgen kann, ist der Erwerb von Fahrscheinen beim Fahrpersonal nicht möglich. Fahrausweise sind vor Fahrtantritt als Zeitkarten, über die RMV-App oder spätestens beim Umstieg an einer Station mit Fahrkartenautomat zu erwerben.

Die aktuellen Fahrpläne sind unter www.vgo.de zu finden und über die RMV-Fahrplanauskunft abrufbar.

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