„Sehr vorsichtig und gründlich“ bei Arbeiten im Bestattungswald

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„Sehr vorsichtig und gründlich“ bei Arbeiten im Bestattungswald

BUTZBACH. Der Butzbacher Bestattungswald bleibt weiter für Besucher gesperrt. Bürgermeister Michael Merle informierte gestern über den Stand der Arbeiten. Foto: BZ

Stadt Butzbach und Unternehmen informieren über Vorgehen / Pferde sollen Holz herausholen

BUTZBACH (thg). Im Butzbacher Bestattungswald haben die Arbeiten an von Krankheit gezeichneten Bäumen begonnen. In einem Ortstermin informierten Bürgermeister Michael Merle, der stellvertretende Fachdienstleiter Markus Lambrecht und Heidi Philippi, zertifizierte Baumkontrolleurin beim städtischen Baubetriebshof, über die Lage und die Arbeiten. 

Die Schäden an den Bäumen wurden vergangene Woche aufgenommen und nach den Ampelfarben eingestuft. Von den 222 Bestattungsbäumen seien elf in die Kategorie rot und 51 als gelb eingestuft worden. Der gesamte Waldbereich sei betrachtet worden. Von den Bäumen, die nicht für Bestattungen vorgesehen sind, müssten 20 gefällt werden. An 80 Exemplaren seien Pflegemaßnahmen erforderlich. 

Schon mehrere Gespräche hätten Vertreter der Stadt mit Betroffenen geführt. Weitere würden folgen. Bei rot eingestuften Bäumen würden so schnell wie möglich Briefe an die Betroffenen versandt. Oberstes Ziel sei die Erhaltung dieser Bäume. Es müsse beobachtet werden, wie die Krankheit voranschreitet. Der Magistrat habe beschlossen, dass die Stadt definitiv anbietet, einen Ersatz zu pflanzen, falls irgendwann doch einer dieser Bäume entfernt werden müsse. 

Derzeit sei es das Ziel, den Wald begehbar und verkehrssicher zu machen. Dies sei auch nicht mit der üblichen Verkehrssicherung an Wegen im Wald vergleichbar. Denn der Bestattungswald sei komplett begehbar, also auch abseits der Wege. 

Die Buchenkomplexkrankheit sei schon im 19. Jahrhundert beschrieben worden. In Butzbach sei sie wegen der vergangenen Trockenperiode eingetreten. Sie schreite an einem betroffenen Baum rasant voran. 

Seien Bäume bereits geschädigt – es beginne mit Sonnenbrandschäden an der Rinde – seien sie anfälliger für die Krankheits-Faktoren. Die Napfschildlaus könne dort den Baum anbohren. Pilzsporen hätten dann eine Eintrittspforte, die entsprechenden Pilze seien im Wald vorhanden. Wenn dann die äußeren Anzeichen des Pilzbefalls im Inneren zu sehen seien, sei es zu spät. Je nach Eintrittsstelle des Pilzes verbreite er sich von dort aus im Stamm. Gegen den Schädling mit Chemie vorzugehen, sei nicht vorgesehen. Damit würden auch alle anderen Insekten bekämpft. 

Werde die Borke geschädigt, funktioniere der Wassertransport nach oben nicht mehr. Es zeigten sich trockene Äste. Die eigenen Schutzmechanismen des Baums funktionierten nicht mehr. Das Holz werde spröde und könne brechen, der Baum werde insgesamt instabil. Er sei möglicherweise weiter standsicher, aber nicht mehr „bruchsicher“. Ein Beispiel eines aus einer Buche gebrochenen Asts war beim Orts-
termin zu sehen, ebenso Schnittflächen, die den jeweiligen Schadensbereich zeigen. Im abgesperrten Bereich des Walds bestehe tatsächlich Lebensgefahr. 

An den Bäumen, die in die Kategorie gelb eingestuft wurden, übernehmen Fachfirmen derzeit die Pflegemaßnahmen. Ferenc Weber und Anna Jungheim vom Siegerländer Baumdienst sind mit einem Hubsteiger im Einsatz. Weber machte deutlich, dass im Vordergrund der Erhalt der Bäume stehe. „Sehr vorsichtig und sehr gründlich“, gehe er vor. Vom Boden aus seien die schütteren Äste zu sehen, ein genaueres Bild biete sich dann in 25 Meter Höhe. 

Der Rückschnitt sei wichtig, damit der Baum keine Energie mehr unnötig in geschädigte Bereiche aufwenden muss. Müssten Teile der Krone entfernt werden, die beim Herabfallen andere Bereiche oder Baumteile schädigen könnten, würden sie abgeseilt. 

Auch Bodenverletzungen würden weitestgehend vermieden, weil das Kettenfahrzeug und auch die Standplatten die Last verteilten. Der Boden werde nicht mehr belastet als mit dem Gewicht eines menschlichen Fußabdrucks. Schwere Erntemaschinen wie Harvester kämen nicht zum Einsatz. Pferde würden das größere Holz an die Wege transportieren. Kleineres Holz bleibe im Wald oder werde gehäckselt und wieder eingebracht.

Wie die Vertreter der Stadt erläuterten, geht es nicht um die Vermarktung von Holz. Denn es sei geschädigt. Allein angesichts der Schäden und der schwarzen Flächen des Pilzbefalls im Stamm gebe es ohnehin keine Abnehmer. Es sei nicht nutzbar.

Ergänzend zur Hubbühne sind die „Baumpiraten“ Ines und Michael Hasenzahl aus Assenheim als Baumkletterer im Wald unterwegs. Sie kümmern sich um den Schnitt an Bäumen, die für die Hebebühne schwer zugänglich sind oder die von viel Unterholz umgeben sind. 

Die Stadt Butzbach hat eine Arbeitsgemeinschaft von fünf Unternehmen für die Maßnahmen im Bestattungswald gewonnen. Sie ergänzen sich in ihren Tätigkeiten und sind teils schon öfter für die Stadt im Einsatz gewesen. 

Ferenc Weber entfernt bei der Pflegemaßnahme vom Hubsteiger aus trockene Äste, die drohen herabzufallen. Sie sind sichtbares Anzeichen für die Baumkrankheit.

Die städtische Baumkontrolleurin Heidi Philippi zeigte Beispiele für die Schädigungen, die die Buchenkomplexkrankheit hervorruft. (Fotos thg)

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