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Seniorenzentrum: Entscheidung naht

OBER-MÖRLEN. So könnte das neue Seniorenzentrum in Ober-Mörlen aussehen, über das Projekt soll noch in diesem Jahr abgestimmt werden. Repro: nns

KONZEPTE Ober-Mörler Parlament will möglichst noch dieses Jahr aus drei Angeboten auswählen

OBER-MÖRLEN (nns). Die Parlamentssitzung am Dienstagabend lockte etliche interessierte Bürger in den proppenvollen Rittersaal des Schlosses. Top-Thema war das Seniorenzentrum, das hinter der Feuerwehr am Rand des neuen Baugebietes Schießhütte II entstehen soll. Um die vor Jahresfrist quasi gebongte Einrichtung mit 120 Plätzen, die Hälfte davon vollstationär, war es verdächtig ruhig geworden. Seit dem Sommer brodelten Gerüchte. Das Projekt schien auf der Kippe zu stehen. Andeutungen aus dem Gemeindevorstand nährten dann aber die Hoffnung auf eine Lösung. 

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Es gibt neue ernsthafte Interessenten mit einer vielversprechenden Konzeption – plus das im vergangenen Jahr bereits für gut befundene Konzept mit teilweise veränderten Projektpartnern. Eine dritte Idee steht im Raum, sie wurde aber noch nicht näher beleuchtet. Das soll so schnell wie möglich nachgeholt werden. Das Parlament verständigte sich darauf, alle drei Interessenten im Haupt- und Finanzausschuss (HuF) anzuhören, auch der Seniorenbeirat soll im HuF gehört werden. Über eine Beschlussvorlage wollen die Gemeindevertreter möglichst in ihrer Sitzung am 17. Dezember abstimmen, spätestens aber im Januar. 

Bis Februar wolle die Grundstücksentwicklungsgesellschaft (GEG), die das Baugebiet-Gelände gekauft hat, um dann die erschlossenen Grundstücke an die Bauherren zu veräußern, konkret Bescheid wissen, hieß es – und dass man dankbar sein könne, dass die GEG sich bereits so lange gedulde. Wie der Gemeindevorstand erklärte, hatten sich die vor Jahresfrist ausgewählten Projektpartner untereinander verworfen. Der Betreiber Menetatis und der Investor Immotec trennten sich. Inzwischen hat Menetatis mit Wob Immobilien einen neuen Investor gefunden und bleibt mit dem bereits in einer großen Bürgerversammlung im September 2018 vorgestellten Konzept im Rennen. 

Menetatis hatte im vergangenen Jahr ein Haus mit 120 Plätzen vorgestellt. Mitarbeiterin Sandra Leps beschrieb 73 stationäre Pflegeplätze (Einzelzimmer mit eigener Nasszelle) inklusive Kurzzeitpflege, 18 Tagespflegeplätze und neun Einheiten fürs betreute Wohnen, außerdem Therapie- und Aufenthaltsräume, ein Demenzgarten, Kapelle, Friseur, Fußpflege, Arztpraxis, Großküche und ein öffentliches Café. Geplant waren drei Vollgeschosse und ein zurückgesetztes Staffelgeschoss.  

Am Dienstagabend bekamen die vom Gemeindevorstand favorisierten Anbieter in einer großen Sitzungsunterbrechung Gelegenheit, ihr Konzept zu erläutern. Für das Konsortium Open Mainded Projektentwicklung /Senioren-Wohnen Holding/Advita Pflegedienst stellte Bernhard Kaiser, Vorstandsvorsitzender von Open Mainded, die Pläne vor. Das „Advita-Haus Ober-Mörlen“ legt seinen Schwerpunkt auf das betreute Wohnen mit insgesamt 50 Wohnungen unterschiedlicher Größe (ein bis drei Zimmer, 37 bis 74 Quadratmeter). Wohnungen werden ausschließlich zur Miete angeboten. 

Außerdem soll es in dem dreigeschossigen Gebäude 24 Demenz-Wohngemeinschaftsplätze geben, 24 Tagespflegeplätze, bis zu zehn Verhinderungspflegeplätze (Kurzzeitpflege), ambulanten Pflegedienst, Raum für eine Arztpraxis und ein öffentliches Bistro. Vollstationäre Pflegeplätze werde es bei ihnen nicht geben, sagte Kaiser. Sie hätten sich den Standort genau angeschaut. In der Umgebung gebe es 1400 stationäre Pflegeplätze. Bei ihnen werde aber niemand ausquartiert, der im Laufe der Jahre voll pflegebedürftig werde, reagierte Kaiser auf Bedenken. 

In 32 Advita-Häusern arbeiteten aktuell 2400 Mitarbeiter, 31 weitere Häuser seien im Bau oder im Genehmigungsverfahren. Advita gehöre bundesweit zu den Top Ten im Bereich betreutes Wohnen, Open Mainded entwickle und realisiere seit über zehn Jahren Gesundheitsimmobilen. Unter dem Motto „Wohnraum statt Klinikcharakter“ sei die Mischung aus Service, Betreuung, Gemeinschaft und Pflege aus heutiger Sicht dem klassischen Pflegeheim vorzuziehen. Sobald eine Baugenehmigung erteilt sei, könnten sie loslegen, ergänzte Kaiser, eine Eröffnung 2021 sei realistisch. 

Nach Rücksprache in den Fraktionen waren die Abgeordneten durchaus unterschiedlicher Meinung zum Für und Wider der Konzepte. Deshalb stimmte die Mehrheit nicht für die vom Gemeindevorstand vorgeschlagene „Advita“-Variante, sondern für eine Beratung im Ausschuss. Neben Menetatis/Wob und Open Mainded/Advita soll in der Ausschuss-Sitzung auch die Bewerbung von Swoboda Architekten/Carestone/Gesellschaft für diakonische Einrichtungen (vgl. Elisabethhaus Bad Nauheim, Erasmus-Alberus-Haus Friedberg) vorgestellt werden können. Sie hatte den Gemeindevorstand dessen Auskunft zufolge nicht überzeugen können.

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