Sex war einvernehmlich – Geldstrafe

Musikalisches Jugendangebot kommt an
14. März 2019
Am stärksten wachsender Landkreis
14. März 2019

Sex war einvernehmlich – Geldstrafe

GERICHT – 38-jährige Sozialarbeiterin der Justizvollzugsanstalt Rockenberg nach Urteil nicht vorbestraft

BUTZBACH/FRIEDBERG (jwn). Mit wahrlich einem blauen Auge ist eine Sozialarbeiterin aus Butzbach im Gerichtsverfahren gegen sie wegen Sex mit einem Gefangenen davon gekommen. Sie erhielt lediglich eine Geldstrafe.  

90 Tagessätze zu je 40 Euro lautet der Richterspruch am Ende des dreitägigen Gerichtsverfahrens. Dabei hatte die Staatsanwaltschaft für den einvernehmlichen Geschlechtsverkehr in der Wohnung der 38-jährigen ledigen Angeklagten mit dem 21-jährigen Strafgefangenen während eines genehmigten Freiganges ein siebenmonatige Gefängnisstrafe für die Sozialarbeiterin der Justizvollzugsanstalt Rockenberg gefordert. Für sie war klar, dass die beiden über eine längere Zeitdauer ein intimes Verhältnis unterhielten, währenddessen sie ihm auch andere Vorzugsbehandlungen wie ein Rasierapparat oder andere Geschenke zukommen ließ. 

Bis zum Schluss bestritt die angeklagte Sozialarbeiterin die ihr vorgeworfenen Handlungen, die sich bereits 2015 abgespielt haben sollen. „Möglicherweise habe ich im Umgang mit ihm Fehler gemacht und es an der notwendigen Distanz fehlen lassen. Aber Sex hatten wir nie, und schon gar nicht in meiner Wohnung“, wehrt sich die Frau, die seit Bekanntwerden der Vorfälle vom Dienst suspendiert ist, gegen die Vorwürfe. Aufgeflogen sei das Ganze, weil der Gefangene einen speziellen Beratungstermin für Gefangene im Jobcenter nicht eingehalten und stattdessen die kurze Freiheit für Privates genutzt haben soll. Daraufhin sei ihm der offene Vollzug gestrichen worden. Der Jugendliche beschwerte sich nun in einem Schreiben an das Justizministerium über die Strafmaßnahme. 

Die Sozialarbeiterin sei zwar nicht unbedingt sein Typ gewesen, „aber schließlich bin ich ja auch nur ein Mann und kann solchen Angeboten nur schwer widerstehen. Zumal, wenn man länger im Knast sitzt“. Darüber hinaus habe er sich durch die „Sonderbehandlung“ Hafterleichterungen wie den offenen Vollzug versprochen. Als dieser dann jedoch ausblieb, habe er einen Racheakt der Angeklagten vermutet und sich deshalb mit einer Beschwerde an das Justizministerium in Wiesbaden gewandt. 

Um seine Behauptung mit dem einvernehmlichen Geschlechtsverkehr in der Wohnung der Angeklagten zu untermauern, beschreibt er haargenau einzelne Details der dortigen. Möblierung. Trotzdem streitet die Angeklagte ein derart intimes Verhältnis zum Strafgefangenen ab. In einer sorgsam vorbereiteten schriftlichen Erklärung versucht sie am letzten Verhandlungstag, die Zweifel bei den Prozessbeteiligten zu beseitigen. „Meine kleine Zwei-Zimmerwohnung ist von außen sehr gut einsehbar, und nur auf diesem Weg kann der Zeuge Kenntnis von meiner Möblierung haben“, wehrt sie sich. Lediglich die Geschenke gibt sie zu. 

Anders als die Staatsanwaltschaft, die weiterhin bei ihrer Anklage bleibt und die einzelnen Vorwürfe durch die Zeugenaussagen als bewiesen ansieht, fordert ihr Verteidiger Hans Georg Kaschel in seinem Plädoyer Freispruch für die Angeklagte. Sein Argument: Der Zeuge sei nicht glaubwürdig, weil er sich für den Entzug seiner Hafterleichterungen an ihr rächen wollte. 

Dem kann der Friedberger Einzelrichter Dr. Markus Bange jedoch nicht folgen. Von Anfang an habe der Mann keinen Belastungseifer gegen die Angeklagte gezeigt. Vielmehr habe er sie zu Beginn der Verhandlung noch schützen wollen, indem er viele Frage des Gerichts mit „Ich weiß nicht mehr“ beantwortete. Erst nach und nach sei er mit den Details herausgerückt. Für eine Gefängnisstrafe, wenn auch nur auf Bewährung, wie sie Staatsanwalt Bause zuvor gefordert hat, ist ihm die Schuld der Angeklagten zu gering. „Schließlich erfolgte der Geschlechtsverkehr einvernehmlich, wenn auf Seiten des Zeugen auch nur aus männlichen Imponiergehabe heraus“, so Bange in seiner Begründung.  

Die Angeklagte muss zwar für das kleine und verbotswidrige Abenteuer 3600 Euro Strafe plus die Gerichtskosten zahlen, doch gilt sie mit den 90 Tagessätzen als nicht vorbestraft und wird damit voraussichtlich in ihrem noch ausstehenden Disziplinarverfahren nicht mit einer Entlassung rechnen müssen.     

 

    

Es können keine Kommentare abgegeben werden.