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„Sie wollen sich integrieren“

Foto: thg

HANDWERK – Anton Huber beschäftigt in Butzbach zwei Flüchtlinge / Gute Arbeit, keine Berührungsängste

BUTZBACH (thg). „Sehr gut, tadellos, intelligent“ – so charakterisiert Anton Huber, Meister und Inhaber des Butzbacher Fliesenlegergeschäfts, zwei besondere Mitarbeiter. Mit dem 41-jährigen Hosseindad Rezai und Nurali Ahmadi (33) beschäftigt er seit Herbst 2016 beziehungsweise Januar vorigen Jahres zwei Flüchtlinge mit afghanischen Wurzeln. Beide sind jeweils über ein Praktikum in den Betrieb gekommen. Die Leistung überzeugte ihren Chef. Nun haben sie unbefristete Verträge. 

„Wer fachlich gut arbeitet und zuverlässig ist, wird auch gut honoriert“, war schon immer Hubers Auffassung, sagte er jetzt bei der Vorstellung der beiden Mitarbeiter gemeinsam mit Juniorchef Christopher Huber. Als die Anfrage der Flüchtlingshilfe gekommen sei, ob er ein Praktikum anbiete, habe er ja gesagt. Die eigene Familie ist von Flucht und Vertreibung geprägt. „Ich hatte keine Berührungsängste“, betont Huber und möchte andere Firmeninhaber dazu ermutigen, ebenfalls Flüchtlingen eine Chance zu geben. „Es gibt kaum noch Nachwuchs, aber die Arbeit im Betrieb muss weitergehen.“ 

Die beruflichen Hintergründe der beiden Mitarbeiter sind zwar handwerklich, aber unterschiedlich. Rezai, der als Kind mit seiner Familie in den Iran kam und viele Jahre dort lebte, hat 22 Jahre lang bereits als Fliesenleger, mit Marmor und Granit gearbeitet. Insofern ist das Fachliche weniger problematisch als die Verständigung, denn ein Deutschkurs wurde ihm, der inzwischen als Asylbewerber anerkannt ist, erst für April kommenden Jahres bewilligt. Er wohnt mit seiner Familie – Frau und Tochter – inzwischen im Degerfeld. 2015 kam die Familie nach Deutschland. Seine zwölfjährige Tochter besucht die Degerfeldschule, sie spricht inzwischen gut Deutsch und kommt auch gut zurecht in der neuen Heimat.  

Ahmadi hat rund zwölf Jahre lang als Schweißer in Afghanistan gearbeitet. Huber hat ihm einen Ausbildungsvertrag gegeben, mit dem festgelegt ist, dass der theoretische Unterricht als Intensivkurs im Vierteljahr vor der Prüfung, die im nächsten Sommer bevorsteht, absolviert wird. Die Firma will ihn nahtlos übernehmen. Der 33-Jährige hat bereits einen Deutschkurs absolviert, die Verständigung ist somit kein Problem. Auch die theoretische Führerscheinprüfung hat er bereits absolviert. Die praktische folgt noch. 

Anders als bei seinem Kollegen gestaltet sich indes die familiäre und die Aufenthalts-Situation. Ahmadi ist allein in Deutschland, seine Frau ist mit dem achtjährigen Sohn und der fünf Jahre alten Tochter noch in Afghanistan. Und sein Anerkennungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen, ist noch in Gießen bei Gericht anhängig. Über die Ausbildung und die Integration – Ahmadi spielt in Griedel Floorball – könnten die Chancen steigen, dass er in Deutschland bleiben kann. Er wohnt in der August-Storch-Straße und kommt finanziell selbst fürs Wohnen auf. In der Markuskirchengemeinde war er ein halbes Jahr lang als Ein-Euro-Jobber tätig. Nun wartet er auf sein nächstes „Interview“ zum Asylverfahren. 

„Sie wollen sich integrieren“, bestätigte Firmenchef Huber. Dass ihnen die Arbeit Spaß macht und das Arbeitsklima auf den Baustellen gut ist, sagen die beiden Mitarbeiter ebenso wie Juniorchef Christopher Huber. Zwar gebe es noch sprachliche Missverständnisse, aber inzwischen verstehen sich die Kollegen. 

Der Seniorchef kritisierte aber auch den Papierkram, den die Asylbewerber und der Unternehmer zu bewältigen haben sowie die Ausländerbehörde. „Manchmal waren sie morgens vor sechs Uhr in Friedberg, um an die Reihe zu kommen. Manchmal mussten sie auch wieder gehen, ohne mit dem Sachbearbeiter gesprochen zu haben.“ Beim Ausfüllen von Formularen leistet Huber Hilfe. Aber auch bei anderen Unterlagen und Papieren, steht er mit Rat und Tat zur Seite. „Da soll sich gar nicht erst ein Berg ansammeln.“ 

Gleichzeitig ist der Bedarf an Arbeitsstellen oder Praktika für Flüchtlinge vorhanden. „Ich bin immer noch weiter angesprochen worden. An Kollegen habe ich drei bis vier Leute weitervermittelt, so Huber, dessen Betrieb fünf Mitarbeiter hat, dazu er und seine Frau, die Büro und Verwaltung erledigt. Wichtig ist Rezai und Ahmadi, dass sie bleiben können – sowohl im Betrieb als auch in Deutschland. 

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