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Sitzfestival: „Wir zeigen’s Corona“

250 Musikbegeisterte feiern zwei Tage lang mit Verein Music Forge in Gambach mit Abstand 

GAMBACH (amb). Auf der ganzen Welt werden wegen der Corona-Pandemie Festivals und Konzerte abgesagt. Künstler und Bands treten seit Monaten nur im heimischen Wohnzimmer vor Kameras auf. Wirklich weltweit? Nein, in einem kleinen Dorf in der Wetterau leistet ein Verein hartnäckig Widerstand. Die Behörden und den Kultursommer Mittelhessen von Hygienekonzepten zu überzeugen, ist keine leichte Aufgabe. Doch von Anfang an stand fest, dass Aufgeben keine Option ist.

Ein Sommer ganz ohne Festival für die Jungs vom Verein Music Forge Kultur & Kunst – absolut undenkbar. Hauptsache Festival und nach Monaten wieder die Bässe live spüren können. Unter diesem Motto haben sie es tatsächlich geschafft, das Festival zu organisieren.

Mit vielen Hygiene- und Abstandsregeln startete das Festival. Anstatt mit der Masse zu tanzen, nun brav auf dem Hosenboden zu sitzen – klingt für viele nicht nach guter Laune und Festivalstimmung. Doch dank der vielen Parzellen wurde alles ermöglicht, was in Zeiten von Corona eher nach einem Traum klingt. Mit Freunden tanzen, laut mitgrölen und nur wenige Meter vor der Lieblingsband stehen. Für Veranstalter, Bands und Besucher war das Einhalten aller Regeln höchste Priorität. Die exklusiven Music-Forge-Masken ergänzten dabei das Festivaloutfit perfekt.

Viele machten die Not zu einer Tugend und nutzten die neuen Möglichkeiten aus. Pausen zwischen einzelnen Acts überbrückte man mit Kartenspielen wie Uno oder Skibo. Bier-Pong wurde gespielt und es gab sogar Spielzeug und Bilderbücher für die jüngsten Festivalbesucher.

In den letzten Jahren bestand immer die Möglichkeit, auf dem Gambacher Sportplatz sein Zelt aufzuschlagen und zu nächtigen. Dem hat Corona ebenfalls einen Strich durch die Rechnung gemacht und stellte die Besucher, die nicht in der Nähe wohnen vor ein Problem. Doch die Forge-Freunde aus ganz Deutschland verlagerten das Camp auf den Parkplatz und reisten mit Wohnwagen anstatt Zelten an.

Tag eins des Sitzfestivals eröffnete die noch junge Band „Bird´s View“. Und sowohl Interpreten, als auch Zuschauern war der Festival-Entzug der letzten Monate anzumerken. Von Anfang an wurde auf der Bühne ordentlich in die Saiten gehauen und in den Parzellen tanzten die Fans auf Tischen und Bänken.

Die gute Stimmung hielt den ganzen Abend über an und so begrüßten und verabschiedeten die 250 Festivalgäste auch „Firestorm“ und „Atrio“ mit tosendem Applaus. Zwei Überraschungsgäste betraten die Bühne. Die Jungs vom Wetterauer Podcast „Afterhour Eierbagge“ stellten spontan ein Programm auf die Beine. Dabei drehten die Forger den Spieß um. Während in den Sendungen die beiden waschechten Wetterauer „Bouwwen“, Dennis Schulz und Marcel Heller die Fragen stellen, mussten sie sich nun den Interview-Fragen stellen.

Als letzter Act des Abends riss die schon forgeerprobte Band „April Art“ noch einmal die Bühne ab. „Wir zeigen’s Corona. Alle sagen: Festival in Coronazeiten? Das geht nicht! Wir beweisen gerade das Gegenteil“, so Sängerin Lisa-Marie Watz. Durch die Hammer-Stimmung trat Corona für den Moment komplett in den Hintergrund und jede einzelne Parazelle „brannte“ vor Begeisterung.

Ein Kamera-Team des Hessischen Rundfunks begleitete den Freitag und übertrug das Festival live aus Gambach. 

Bei bestem Wetter startete der zweite Tag des Festivals. Mit „Einsneunzig“, „Bazu:ka“, „Shoreline“ und „GoGo Gazelle“ feierte die Festival-Familie den ganzen Tag.

Als letztes betraten „Elfmorgen“ die Bühne. Das Trio aus Frankfurt holte sogar die Letzten von ihren Plätzen. Und was auf keinem Konzert fehlen darf, ist Stagediving. Wo sich normalerweise Frontsänger Andy in die Massen stürzt, durften die einzelnen Parzellen Starfeeling und Stagediving selbst austesten. Mit Maske kletterte ein Auserkorener auf die Bühne und wurde dann von seinen Freunden aufgefangen und sicher in die eigene Parzelle zurückgetragen. 

Mit Whitney Houstons „I will always love you“ zum Abschluss, bewiesen alle, dass Festivals trotz und mit Hygiene- und Abstandsregeln ein voller Erfolg sein können.

GAMBACH. Am Wochenende fand erneut das Music Forge Festival in Gambach statt. Allerdings mussten Veranstalter und die an beiden Tagen jeweils 250 Zuhörer strenge Abstands- und Hygieneregeln beachten. So wurden die Auftritte der Bands zum „Sitzfestival“. Fotos: amb

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