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Sommerspezial der Reihe „auf einen Kaffee mit…“

Begegnungen auf dem Marktplatz: Butzbacher berichten, wie sie den Sommer verbringen

Die heutige Ausgabe ist eine besondere, denn es stehen gleich zehn Personen sowie eine Jahreszeit im Fokus. Urlaubsüberreife Butzbacher, die im Kurzinterview erzählen, wie sie den Sommer verbringen und was sie von ihm erwarten. Menschen, die ich am vergangenen Samstag rund um den lebendigen Butzbacher Marktplatz – mitunter überfallartig – angesprochen habe. 

Auf meiner Pirsch nach spontanen Sommer-Statements treffe ich zunächst auf Patrick Kempf von „Butzbach aktiv“.

Patrick, wie wirst Du den Sommer verbringen? Fährst Du weg?

Patrick Kempf: Nein. Da meine Firma ihren Kunden eine IT-Supportleistung gewährt, kann ich eigentlich nie länger am Stück im Urlaub sein, höchstens mal ein paar Tage. Insofern geht hier im Sommer alles seinen normalen Gang weiter, nur etwas ruhiger, da viele unserer Kunden im Urlaub sind und die Frequenz der Supportanfragen sinkt. Dies wiederum gibt Gelegenheit, uns mal in Ruhe Ideen und Projekten zu widmen, die schon „Spinnweben“ angesetzt haben, die aus Zeitgründen liegengeblieben sind. 

Foto: guth

Man trifft Dich an den Sommerabenden auch regelmäßig im Open-Air-Kino an, nicht wahr?

Patrick Kempf: Ja, zusammen mit Frank Himßel betreue ich das Open-Air-Kino fotomäßig, das heißt, wir füttern die Bildergalerie der Homepage und stellen dort jeweils schon am nächsten Tag die Bilder des Vorabends ein, um dieses tolle Event immer wieder schmackhaft zu machen. 

Du hast einen relativ engen Draht zum Butzbacher Satiriker „Butz“. Fürchtet er als politisch orientierter Humorist das lokale, aber auch überregionale „Sommerloch“?

Patrick Kempf: Mein „Untermieter“ Butz meint, dass es Zeiten gäbe, da sei das ganze Jahr über in Butzbach Sommerloch. Natürlich wird er aber nun das Treiben am Bahnhofsgebäude intensiv beäugen und hofft, dass der Wiederaufbau schneller vonstatten geht, als der Abriss, was sich ja über acht Jahre hinzog. Überregional gesehen befürchtet der Butz auch nach der WM wegen Trump, Kim und Co. kein wirkliches Sommerloch. Leider.

Gut zum Stopfen von Sommerlöchern eignen sich seit je her Bücher, also mache ich mich auf zur Buchhandlung Bindernagel und treffe auf Buchhändlerin Andrea Meier.

Andrea, morgen beginnen die großen Ferien, seit wann fragen bei Euch Kunden gezielt nach Sommer- bzw. Urlaublektüre?

Andrea Meier: Seit ein paar Tagen merken wir doch zunehmend, dass bei einigen Familien, vor allem denen mit Kindern, der ganz große Stress abflaut und man sich gedanklich auf den Weg in den Urlaub macht und dazu auch Lektüre sucht. Für diese haben wir immer Sondertische mit speziell darauf ausgerichteter –eher leichter – Lektüre.

Mit welchen Büchen gehen die Butzbacher in den Urlaub?

Foto: guth

Andrea Meier: Häufig mit Krimis, mittlerweile immer häufiger mit solchen, die exakt im gebuchten Urlaubsland oder der Gegend drum herum spielen. Da gibt es ja mittlerweile fast zu jeder Region einen Krimi und andere – eher leichte – Unterhaltungsliteratur. 

Und was wird die Buchhändlerin selbst im Sommer lesen?

Andrea Meier: Wir haben das große Glück, schon die Herbsttitel vorab hier zu haben und lesen zu dürfen, da nimmt sich jeder mit, was ihn interessiert. So können wir dann unseren Kunden wieder zielgenau etwas Neues empfehlen, wenn der Sommer vorbei ist. 

So weit sind wir allerdings zum Glück noch nicht, erwidere ich und überlasse Andrea Meier wieder ihren Kunden. Auf zum nächsten „Opfer“ meiner kleinen, überfallartigen Interview-Kampagne. Vor dem „Da Rosetta“ treffe ich Claudia Lack und Helmut Günther, die mit ihrem Sohn Jan-Phillip in der Waldsiedlung leben. 

Claudia, Helmut, in welch’ sommerliche Gefilde treibt es Euch in den Ferien?

Helmut Günter: Wir fahren nicht in den Sommer, wir fahren in den Winter! 

Wie jetzt? Gletscherskifahren, solange es noch geht?

Claudia Lack: Nein, wir erfüllen uns unseren großen Wunsch und fliegen mit unserem zehnjährigen Sohn für zirka vier Wochen nach Australien. Und da ist eben gerade Winter. Wobei das in Australien natürlich relativ ist. Obwohl, ich habe von Regionen gelesen, in denen man zu der Zeit tatsächlich auch Ski fährt. Wir aber nehmen die Skier nicht mit (lacht).

Foto: guth

Wow, das nenn ich mal ein außergewöhnliches Reiseziel. Macht Ihr eine minutiös durchgeplante oder eine „Auf-sich-zukommen-lassen“ Tour?

Claudia Lack: Ursprünglich wollten wir uns tatsächlich treiben lassen. Da wir aber eben nur eine recht begrenzte Zeit zur Verfügung haben, haben wir uns nun doch eine grobe Route zurechtgelegt und dazu auch einige Hotels vorgebucht.  

Was steht auf dem „Must-see“-Zettel?

Helmut Günter: Sidney, inklusive Opernhaus, die Blue Mountains, Urulu (bzw. „Ayers Rock“) und das Great Barrier Reef.

Eure Tour bietet unterschiedliche klimatische Verhältnisse. Das macht das Koffer-Packen nicht einfach, oder?

Claudia Lack: Wieso? Wir nehmen einfach ganz wenig mit. Da kann man nicht viel falsch machen.

Diese Einstellung muss ich zu Hause gleich meiner Frau unter die Nase reiben, großartig. So ticken eigentlich nur Männer. Naja, egal. Nur ein paar Meter weiter treffe ich Ursula Mrotzek, die ich von meinen Lesungen bei den Degerfeld-Senioren kenne. 

Frau Mrotzek, ohne Ihnen nahetreten zu wollen, ich vermute mal, dass Sie nicht mehr schulpflichtig sind, insofern sind Sie urlaubsmäßig auch nicht an die Sommerferien gebunden, oder?

Foto: guth

Ursula Mrotzek: Das stimmt. Ich unternehme eigentlich das ganze Jahr über immer wieder mal Tages- oder Mehrtagesfahrten mit Vereinen oder Verbänden. Gerade letztens war ich mit dem VdK Pohl-Göns an der Mosel. Ansonsten nutze ich den Sommer über die Angebote hier in Butzbach, bin oft im Quartierszen-trum im Degerfeld oder eben hier in der Stadt. Ich unterhalte mich viel mit meinen Bekannten und genieße den Sommer, denn der Winter wird für uns etwas älteren Menschen dann erfahrungsgemäß wieder etwas schwieriger.

Verfolgen Sie auch die Fußball-WM?

Ursula Mrotzek: NATÜRLICH.

Schauen Sie dabei lieber allein oder in Gesellschaft?

Ursula Mrotzek: Kommt drauf an, wie viele „Fußballtrainer“ anwesend sind. (lacht)

Unmittelbar am Marktplatz ringe ich Iris Neumann und Martin Wenzel ein paar samstägliche Minuten ab, um etwas über ihre Sommerplanungen zu erfahren.

Martin, Iris, Koffer schon gepackt? Wo geht es hin?

Martin Wenzel: Es geht für zwei Wochen nach Kroatien, recht bald zu Beginn der Ferien. 

Fliegt Ihr oder fahrt Ihr mit dem Auto?

Martin Wenzel: Wir fahren mit dem Auto und sind dort auf dem Campingplatz, auf dem wir im vergangenen Jahr schon waren.

Oha, Campingurlaub, nicht jedermanns Sache …

Iris Neumann: Das ist auch für uns noch ziemlich neu, erst das zweite Mal. Gerade aber für unseren jüngeren Sohn (der ältere fährt nicht mehr mit) wird dort sehr viel angeboten, so dass keine Langeweile aufkommen wird. 

Ihr seid dann recht früh wieder zurück in Butzbach, wie genießt ihr hier den Rest-Sommer?

Foto: guth

Iris Neumann: Auf jeden Fall wieder mit viel Open-Air-Kino, wir sind ja ganz nah dran, haben extrem kurze Wege, da wir in unmittelbarer Nähe des Schlosses wohnen.  

Ich wünsche den beiden viel Spaß und steuere auf das Restaurant „La Piazza“ zu, in der ich auch gleich auf die quirlige Chefin Sandra Sangiovanni treffe. 

Sandra, wie ist das bei Euch, macht Ihr in den Ferien Euer -Restaurant zu?

Sandra Sangiovanni: Ja, wie immer in den ersten beiden Ferienwochen. Wir sind dann rechtzeitig zum Beginn des Open-Air-Kinos zurück. Viele Leute wundern sich darüber und sagen: „Denen muss es aber gut gehen, dass sie in der Hauptsaison zu machen.“ Aber wir haben schulpflichtige Kinder und brauchen diese Zeit nach einem langen, arbeitsreichen Jahr für uns als Familie.

Wo geht es hin?

Sandra Sangiovanni: Nach Kroatien. Ich stamme aus Kroatien und wir verbringen zwei Wochen im Haus meiner Eltern auf einer kleinen Insel, direkt am Meer. Das ist Entspannung pur.

Und wie entspannt ist Dein Mann in den nächsten Wochen? Er ist Italiener, genau wie noch andere aus eurem Restaurant-Team. Und bei der Fußball-WM ist Italien irgendwie nicht so …

Sandra Sangiovanni: (lacht) Eine sehr schöne und bei uns hier im „La Piazza“ natürlich hochsensible Frage. Ich muss mal schauen, ob ich heute Abend, zum ersten Spiel Kroatiens, die kroatische Flagge aufhänge, nur um sie ein wenig zu ärgern. Ich bin mir sicher, insgeheim hoffen sie, dass Kroatien schnell ausscheidet (lacht).

Ich scheide auch aus, aber nur aus dem Restaurant und treffe unmittelbar auf Heinz Großmann, den ich auch noch schnell auf seine Urlaubsgepflogenheiten anspreche. 

Heinz Großmann: Ich fahre seit über 40 Jahren auf die Kanarischen Inseln, zuletzt vorwiegend in den Club Robinson auf Fuerteventura, meistens aber im November und im April.

Foto: guth

Das heißt Du bist den Sommer über hier in Butzbach?

Heinz Großmann: Nicht ganz, ich fahre morgen für eine Woche nach Eckernförde an die Ostsee.

Das muss ungewohnt für Dich sein, denn Du buchst diesmal nicht die kanarische Sonnengarantie hinzu und schaust, wie andere Deutschland-Urlauber gespannt auf die Wetterprognosen …

Heinz Großmann: Nicht über die Maßen, aber ich habe zumindest im Radio gehört, dass es wohl ganz gut werden soll.

Hast Du da – ähnlich wie im Robinson-Club – verpflegungstechnisch ein „Rundum-Sorglos-Paket“ gebucht?

Heinz Großmann: Nein, ich habe da nur ein Hotel mit Frühstück und lasse die anderen Mahlzeiten mal auf mich zukommen. 

Am Ende meines kleinen Rundgangs durch die Innenstadt sehe ich dann noch Pfarrer Eberhard Heinz auf mich zukommen, für den in den nächsten Wochen weitaus mehr bevorsteht, als „nur“ ein Sommerurlaub. 

Herr Pfarrer Heinz, in diesem Sommer verabschieden Sie sich nicht nur in den Urlaub, sondern in Gänze aus Butzbach. Es ist kein gewöhnlicher Sommer, der Ihnen bevorsteht, oder? 

Eberhard Heinz: Stimmt. Zunächst verabschiede ich mich (bzw. werde verabschiedet) am kommenden Sonntag mit einem Festgottesdienst und einer anschließenden Feier von meiner Gemeinde. Danach verbringe ich meinen üblichen Sommerurlaub in Südtirol, woran sich die internationale Messdienerwallfahrt nach Rom anschließt, die ich noch mitmachen werde. Dort in Rom wird sich dann am 31. Juli auch ganz offiziell mein Status von „Pfarrer“ in „Pfarrer i.R.“ ändern. Am 8. August erfolgt die offizielle Amtsübergabe an meinen Nachfolger Tobias Roßbach. Dann kommt der Möbelwagen und es geht für mich zurück nach Berlin, wo ich ja ursprünglich herkomme.

Foto: guth

Wird man Sie danach auch hin und wieder in Butzbach antreffen?

Eberhard Heinz: Ich denke schon, es hängt natürlich auch davon ab, wie sehr ich in Berlin eingebunden bin als „Pfarrer in Rufweite“. Da aber im kommenden Jahr hier in Butzbach einige besondere Anlässe anstehen (u.a. die Priesterweihe von Maximilian Eichler oder das Pfarreijubiläum), hoffe ich natürlich schon, dazu eingeladen zu werden. 

* * *

Ein Wiedersehen ist also schon in Planung, genauso wie die Fortsetzung der „Wir sind Butzbach“-Reihe nach den Sommerferien. Bis dahin Ihnen allen eine schöne Sommerzeit!                Martin Guth

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