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Sparkasse Oberhessen führt zum 1. März „Strafzinsen“ ein

Bilanz-Vorstellung: Für Guthaben Freibeträge vorgesehen / „95 Prozent der Kunden nicht betroffen“

FRIEDBERG (pm). Die Sparkasse Oberhessen zieht eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. „Krisenfest und verlässlich trotz Corona-Pandemie“, lautete die Überschrift des Berichts des Vorstandsvorsitzenden Frank Dehnke und seiner beiden Vorstandskollegen Thomas Falk und Roman Kubla. Die vollen Auswirkungen der Pandemie auf Gesellschaft und Wirtschaft werden schrittweise spürbar, aber erst in den nächsten Jahren ihren vollen Umfang erreichen, so die Sparkassenvertreter. 

Die Sparkasse kam zu dem Ergebnis, „dass wir die uns in Rechnung gestellten negativen Zinsen für bestimmte Kunden nicht mehr in unbegrenzter Höhe übernehmen können“, so Dehnke. Wir führen daher zum 1. März hohe Freibeträge von 100 000 Euro pro Person für Sichteinlagen (Girokonto, Tagesgeld) und weiteren 10 000 Euro für Spareinlagen (Sparbuch) ein. Für juristische Personen (Firmen) haben wir den Freibetrag auf 250 000 Euro erhöht“, erläuterte Dehnke und betonte, dass diese Einführung 95 Prozent der Kunden gar nicht betreffen werde. Für Einlagen über diesen Freibeträgen werden zukünftig die Negativzinsen der EZB in Höhe von derzeit minus 0,5 Prozent berechnet. 

Die Bilanzsumme stieg um 12,46 Prozent auf ein neues Rekordniveau von 5,49 Milliarden Euro. Der Bilanzgewinn nach Steuern ging um 20 Prozent auf acht Millionen Euro zurück. „Das ist immer noch sehr gut, wenn man bedenkt, dass allein der Zinsüberschuss, unsere Haupteinnahmequelle, um 3,6 auf 72,5 Millionen Euro zurückging“, so Dehnke.

„Im gewerblichen Bereich haben wir noch keinen einzigen corona-bedingten Kreditausfall oder eine Insolvenz verzeichnet“, berichtete Kubla. Es wurden rund 26,4 Millionen Euro staatlicher Corona-Förderprogramme der KfW und WI-Bank an Unternehmen ausgezahlt und weitere staatliche Hilfen weitergeleitet. Zudem gab es ein eigenes Corona-Sonderkreditprogramm. Bei 2181 Krediten (1719 privat, 462 gewerblich) mit einer Gesamtdarlehnssumme von über 244 Millionen Euro wurde die Aussetzung der Zins- und Tilgungszahlungen gewährt. 

Das Neugeschäft bei gewerblichen Krediten ist mit 32 Prozent Zuwachs auf 341,7 Millionen Euro gestiegen. Insgesamt nutzen mit 1,656 Milliarden Euro die Firmen rund 134 Millionen Euro mehr, um ihre Unternehmensentwicklung zu finanzieren. „Ein neuer Höchststand“, resümierte Kubla. Einen wahren Boom verzeichnete die Sparkasse bei Krediten zu Erneuerbaren Energien. Sie stiegen um 560 Prozent. 

Die Nachfrage nach Wohneigentum sei ungebrochen. 425,77 Millionen Euro – 5,2 Prozent oder 21,12 Millionen Euro mehr – Kreditvolumen, wurden vergeben. Konsumentenkredite waren um rund 25 Prozent rückläufig. Es waren 8954 neue Kredite mit einem Gesamtvolumen von 768,8 Millionen Euro. 

Aufgrund der pandemiebedingten Unsicherheiten stieg die Sparquote im vergangenen Jahr auf 16,2 Prozent. Die Kundeneinlagen wuchsen nach dem Spitzenwert 2019 nochmals um rund 500 Millionen Euro oder 13 Prozent mehr auf über 4,3 Milliarden Euro an. 

Das Jahr 2020 sei trotz beachtlicher „Corona-Delle“ kein schlechtes für Wertpapiersparer gewesen. Das Wertpapieranlage-Volumen stieg um 4,3 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. 

Das Thema Digitalisierung hat dank Corona einen Schub bekommen. 43 461 Kunden haben entsprechende Apps auf ihrem Smartphone, ein Plus von 20 Prozent, so Falk. Die Online-Banking-Quote bei Privatkonten stieg auf 66,2, im gewerblichen Bereich auf über 90 Prozent.

Seit einigen Jahren steigt der Trend zum bargeldlosen Bezahlen. Gegenüber 2019 ging 2020 die Nutzung der Geldautomaten um 18,7 Prozent zurück – 727 405 weniger Barabhebungen. Einen besonderen Schub bekam das kontaktlose Bezahlen mit Karte oder Smartphone. Im Juli 2019 waren es 270 000 kontaktlose Bezahlvorgänge mit der Sparkassen-Card, im Juli 2020 waren es mehr als doppelt so viele: knapp 570 000.

Besonders gefragt waren die kontaktlosen und digitalen Zugangswege zur Sparkasse per Telefon zu den Mitarbeitern des Kunden-Service-Centers und digitaler Beratung im Online-Beratungs-Center: Über 250 000 Telefonate – dies entspricht einem Plus von rund zehn Prozent – wurden geführt. 27 Mitarbeiter stehen für Anfragen zur Verfügung. Die digitale Rundumberatung im Online-Beratungs-Center wurde stark nachgefragt. 

„Wir haben 4,13 Millionen Euro in Gebäude und Technik investiert. Der Großteil floss in unsere Beratungs-Infrastruktur und Gebäude vor Ort: Hier investierten wir 2,83 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr“, so Falk. Ein Beispiel ist die Sanierung des Beratungs-Centers Butzbach.

Vor der Sparkasse liegt laut Dehnke ein weiteres Jahr voller Herausforderungen und offener Fragen. „Auch 2021 werden die Corona-Pandemie, die weiter anhaltenden Einschränkungen und die damit verbundenen wirtschaftlichen Einbußen im Leben der Privat- und Firmenkunden der Sparkasse den Takt vorgeben.“ Der Zinstrend ins Negative werde sich wegen Corona weiter beschleunigen. 

Als Vertreter der beiden Eigentümer, der Landkreise Wetterau und Vogelsberg, zeigten sich die Land-räte Manfred Görig (Vogelsberg) und Jan Weckler (Wetterau) zufrieden mit den Zahlen und der Stärke der Sparkasse in der Corona-Pandemie. Sie betonten das fördernde Engagement unter anderem der Sparkassen-Stiftung in der Region. 

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