Stadt Butzbach zahlt Erzieherinnen fünf Prozent Zulage bis Mitte 2024

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Stadt Butzbach zahlt Erzieherinnen fünf Prozent Zulage bis Mitte 2024

Konkurrenzkampf um Fachkräfte / 62 000 Euro Mehrausgaben im dritten Quartal erwartet

BUTZBACH (thg). Mit einer Zulage zum Gehalt möchte die Stadt Butzbach für Erzieherinnen ein attraktiverer Arbeitgeber werden. Gleichzeitig betonte Bürgermeister Michael Merle aber, dass auch die Rahmenbedingungen wie etwa Bezahlung von Fortbildungen und Leitungsfreistellungen die Tätigkeit in einer städtischen Kita reizvoller machen. Allerdings machte er auch klar, dass am Ende wichtig sei, was in der „Lohntüte“ steckt. In der Sitzung von Haupt- und Finanzausschuss und Sozialausschuss am Donnerstag stimmten die Vertreter einstimmig für die monetäre Aufwertung des Erzieher-Berufs in Butzbach.

Anders als etwa die Stadt Bad Nauheim wählte der Magistrat für seinen Vorschlag nicht die Höhergruppierung der Beschäftigten im Tarifgefüge. Nicht zuletzt sei dieses Vorgehen, das auch andere Kommunen schon wählten, umstritten, weil es in die Tarifautonomie eingreife, so Merle. Es sei auch nicht bei allen Kommunen gern gesehen, wie in der jüngsten Versammlung der Wetterauer Bürgermeister wohl deutlich wurde. Es sei quasi ein „Dammbruch“. Zumal Personal ohnehin rar sei und in der Versammlung der Satz gefallen sei: „Wir fischen alle in einem leeren Teich.“

Der Beschluss für Butzbach lautet, den Beschäftigten nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Diensts – Sozial- und Erziehungsdienst in den städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen ab dem 1. Oktober bis einschließlich 30. Juni 2024 eine Zulage in Form einer Arbeitsmarktzulage in Höhe von fünf Prozent des jeweiligen Tabellenentgelts zu gewähren. Ausgehend von der reinen Auszahlung der Gehälter des Monats August mit einem Betrag von rund 415 000 Euro ergibt sich ein Mittelbedarf in Höhe von rund 62 300 Euro im aktuellen Haushaltsjahr, wie der Finanzfachdienst erläuterte. Aufgrund der zu erwartenden Mehr­einnahmen im Bereich der Gemeindeanteile an Steuern und der verminderten Schulumlage, sei die Deckung gewährleistet.
Die Zulage ist den Aussagen von Merle und Verwaltung zufolge rechtssicher. Die Stadt hat sich dafür mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband in Verbindung gesetzt. Demnach besteht bis Ende Juni die Möglichkeit zur Auszahlung einer solchen Arbeitsmarktzulage. Die Zulage kann gewährt werden zur Deckung des Personalbedarfs und zur Bindung von qualifizierten Fachkräften – gerade auch vor dem Hintergrund des Konkurrenzdrucks wegen starker Nachfrage und fehlenden Arbeitskräfteangebots auf dem Arbeitsmarkt.

Klaus Hübner (SPD) merkte an, die Verbesserung der Erzieher-Ausbildung sei in Deutschland jahrzehntelang verschlafen worden. Er stellte sie mit der Dauer von „fünf Jahren Azubi ohne Geld“ in Kontrast zur Lehrerausbildung. Walter Strasheim-Weitz (Linke) fragte nach anderen Möglichkeiten der Mitarbeiterbindung. Er sagte, dass auch in anderen Beschäftigungsgruppen der Stadt Stellen nicht besetzt seien, weil die Bezahlung nicht ausreiche. Jutta Schneider (Butzbacher Grüne) schlug vor, bei Neueinstellungen einen Einkaufsgutschein für Butzbacher Geschäfte zu überreichen.

Auf andere Beschäftigtengruppen hatte Merle zuvor schon hingewiesen. Dies gehe aus dem Stellenplan hervor. Die höhere Bezahlung zog er dem Einkaufsgutschein vor, auch wenn Schneider erläuterte, sie habe dies ergänzend und nicht als Ersatz vorgeschlagen.

Merle wies zudem darauf hin, dass es Vorschläge der Bundesregierung gebe für eine steuerfreie 3000-Euro-Sonderzahlung. Das sei abzuwarten.

Hauptproblem ist laut Merle der Personalmangel im Betreuungsbereich. Rund 17 Vollzeitstellen seien in Butzbach derzeit nicht besetzt. In einigen Kitas werde das späte Modul von 15 bis 17 Uhr nicht mehr angeboten. Die Bewerbungsverfahren würden so knapp wie möglich gehalten, damit neues Personal schnellstmöglich in die Kitas komme.

Die Rolle der pädagogischen Hilfskräfte in Kitas werde in anderen Bundesländern bereits diskutiert. Möglich ist zudem inzwischen eine „praxisintegrierte vergütete Ausbildung“ (Piva), über die Fachdienstleiterin Chantal Zietzling informierte. Sie dauere drei Jahre mit Azubi-Gehalt, wobei in den ersten beiden Jahren auch ein Berufsschulunterricht stattfindet, aber im dritten Jahr der Azubi Vollzeit im Kitabetrieb mitarbeitet. Neun der Piva-Azubis habe die Stadt, davon drei im zweiten und sechs im ersten Jahr. Die Anerkennungspraktikanten im Erzieherberuf würden zudem mit 50 Prozent auf den Fachkräfteschlüssel angerechnet.

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