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Städtepartnerschaft um ein Jahr vertagt

SPD und CDU nehmen Magistrats-Antrag zur Verbindung von Münzenberg und Carpineti von Tagesordnung

MÜNZENBERG (Müh). Bisher äußerst vielversprechend ließ sich das zarte Pflänzchen einer neuen Städtepartnerschaft für Münzenberg an. Die Gruppe „Amici Münzenberg-Carpineti“ um Vera Reisinger (Münzenberg) und Gino Fontana (Carpineti) formierte sich. Nach ersten Gesprächen im Januar 2019 besuchte eine Münzenberger Delegation um Bürgermeisterin Dr. Isabell Tammer die potentielle Partnerstadt und kam begeistert aus Hessens Partnerregion Emilia-Romagna zurück. 

Auf dem Martini-Markt 2019 konnten alle Münzenberger Marktbesucher einen Eindruck von Carpineti gewinnen. Gino Fontana war eigens angereist, um die Münzenberger Freunde der „Amici Münzenberg-Carpineti“ an ihrem Stand zu unterstützen. Er vertrat seine Heimatstadt und alle verwöhnten die Gäste mit regionalen Spezialitäten aus Carpineti wie Parmesan, Parmaschinken und Rotwein „Lambrusco“. 

Ein geplanter Gegenbesuch der neu gewonnenen Freunde aus Carpineti musste wegen Corona abgesagt werden. Das hat aber die engagierten Menschen beidseits der Alpen nicht abgehalten, ihre Kontakte zu vertiefen. Die beiden Städte weisen Ähnlichkeiten miteinander auf: Vier Stadtteile, reges Vereinsleben und eine Burg – da scheint der Weg in eine offizielle Städtepartnerschaft quasi vorprogrammiert.

Das sehen grundsätzlich auch die Münzenberger Kommunalpolitiker so. „Im Prinzip“, wie es aus Kreisen von SPD und CDU hieß. Und doch legten die Abgeordneten der beiden Fraktionen eine Vollbremsung bei der Weiterentwicklung der potentiellen Städtepartnerschaft hin. Der in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung vorgelegte Antrag des Magistrats zur Gründung einer Städtepartnerschaft mit Carpineti wurde auf Antrag der SPD-Fraktion um Markus Herrmann mit Unterstützung der CDU-Fraktion um Gerold Müller von der Tagesordnung genommen. Neuer Termin: voraussichtlich November 2021.

Begründung: Der aktuelle Zeitpunkt sei für die Gründung einer Städtepartnerschaft ungeeignet. „Man muss während der Corona-Pandemie die Ressourcen in der Verwaltung beider Städte anders nutzen“, so SPD Fraktions-Chef Herrmann. Dem stimmte sein CDU-Kollege Müller zu: „Mich ärgert diese Vorlage zu diesem Zeitpunkt maßlos“ – da nach seinem Eindruck die Verwaltung keine Zeit habe, ein Verkehrskonzept für einen sicheren Schulweg zu erstellen – aber jetzt sich um eine Städtepartnerschaft kümmern solle. FWG-Fraktions-Vorsitzender Ronald Berg hielt diese Begründung für „fadenscheinig“. Damit stoße man ehrenamtlich sehr aktive Münzenberger vor den Kopf.

Die Sprecherin des Münzenberger Teils der Gruppe „Amici Münzenberg-Carpineti“ empfand die Entscheidung der Parlamentarier als herben Rückschritt. Die Argumentation von SPD und CDU, in Zeiten von Corona habe die Stadt Wichtigeres zu tun als sich um eine Städtepartnerschaft zu kümmern, kann Vera Reisinger so nicht nachvollziehen. „Die Verschiebung des Tagungsordnungspunktes ‚Abschluss einer Städtepartnerschaft‘ durch die Stadtverordnetenversammlung um ein Jahr, haben mich und die ganze Gruppe sehr enttäuscht!“

Reisinger und ihre Mitstreiter wünschen sich, dass das Stadtparlament die Bedeutung einer solchen Städtepartnerschaft für Europa und den Wert des gegenseitigen Austauschs, gerade in schwierigen Corona-Zeiten, erkennt und sich doch noch für eine Unterstützung des Projekts entscheidet. „Am besten indem es schnellstmöglich einen neuen Termin für eine erneute Abstimmung einberuft“, so Reisinger.

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