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Starkregen-Risikomanagement soll künftig Schäden vermindern helfen

LANGGÖNS. Hochwassersituationen wie diese im Januar 2021 Niederkleen sollen zukünftig durch ein Starkregen-Risikomanagement  entschärft werden. Fotos: ikr

Rund 100 interessierte Besucher kamen in Langgönser Bürgerversammlung

LANGGÖNS (ikr). Seit vielen Jahren wird das Kleebachtal, mit großen Schäden insbesondere in Nieder-
kleen und Dornholzhausen, immer wieder von Starkregen und Hochwasser heimgesucht, die Tendenz ist steigend. Seit den heftigen Flut- und Schlammlawinenereignissen von 2020 beschäftigen sich die Gemeindegremien intensiv mit diesem Thema, um zukünftig solche Phänomene und deren Folgen abzuschwächen. Nun hatte Bürgermeister Marius Reusch zu einer Bürgerversammlung zum Thema „Starkregen-Risikomanagement“ ins Bürgerhaus Lang-Göns eingeladen. Rund 100 interessierte Besucher kamen.

Probleme und Risikobereiche seien von der Firma Geomer aus Heidelberg herausgearbeitet worden und es gebe genaue Maßnahmenpläne, erläuterte der Rathauschef. Ziel ist die Vermeidung und Minderung von Schäden infolge von Überschwemmungsereignissen. Das Konzept wird als Klimaanpassungsmaßnahme zu 100 Prozent vom Land gefördert. 

Dr. André Assmann von der Firma Geomer aus Heidelberg stellte die Ergebnisse der Hochwasser- und Starkregenanalyse vor. Anhand von Berechnungen für unterschiedlich starke Regenfälle wurden Fließkarten erstellt und Maßnahmen erarbeitet, mit denen die Spitzen des Hochwassers gekappt werden sollen. Das gelte nicht nur für bekannte Gefahrenstellen wie den Niederkleener Ortskern: „Wir haben die Chance, an vielen Orten tätig zu werden, die wir heute noch gar nicht als Gefahrenstellen erkannt haben“, betonte der Bürgermeister. „Es gibt nicht die eine Maßnahme, mit der man die Situation retten kann, deshalb wird ein Bündel von Projekten benötigt, die punktuell die Situation entschärfen“, unterstrich er.

Dr. Assmann erinnerte auch an die Pflicht der Bürger zur Eigenvorsorge. Dieser Aspekt werde bei Hochwasserschäden häufig vernachlässigt. Im Rahmen des Wasserhaushaltsgesetzes werde festgehalten, dass „jede potenziell von Hochwasser betroffene Person im Rahmen des hier Möglichen und Zumutbaren verpflichtet ist, geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen“. Eine kommunale Risikoanalyse betreffe lediglich die kommunalen Liegenschaften.

Über die von Geomer angefertigten Starkregenkarten hätten die Bürger die Möglichkeit, sich genau über die Gefahrenlage für ihr Grundstück zu informieren. Somit könnten bereits vor einem Starkregenereignis entsprechende Vorkehrungen getroffen werden. Dr. Assmann stellte entsprechende Maßnahmen vor, darunter wasserdichte Türen und Fenster, erhöhte Hauseingänge oder Aufkantungen vor Lichtschächten, die das Eindringen von Wasser verhindern. Auch mobile Hochwasserschotten, die vor Einfahrten oder Toren angebracht werden können, seien hilfreich. Außerdem sollten im Keller keine wichtigen Dokumente gelagert werden, Sicherungskästen oder Serverinstallation sollten sich dort nicht auf Bodenhöhe befinden. Auch sei es sinnvoll, die Versicherung zu prüfen und ggf. anzupassen. Besonders wichtig sei das richtige Verhalten bei Hochwasser: „Das Leben von Menschen und Tieren hat immer Vorrang“, betonte Assmann.

Die Gemeinde Langgöns möchte ihre Bürger bei den Sicherungsmaßnahmen zur Reduzierung und Vermeidung von Hochwasserschäden mit 50 Prozent fördern. Dafür wurde ein Hilfsfonds von 50 000 Euro im Jahr eingerichtet.

Fünf Risikoobjekte in kommunaler Hand wurden durch die Geomer-Analyse festgestellt: Es sind die Grundschule in Oberkleen, das Feuerwehrgebäude in Oberkleen und die benachbarte Kita, die Feuerwehrgebäude in Dornholzhausen und in Lang-Göns sowie das Bürgerhaus Cleeberg. Hier gab es bereits Begehungen, um entsprechende Vorkehrungen zu treffen. So sollen unter anderem Wassermelder in den Kellern platziert und Serverräume ins Obergeschoss verlegt werden. Zahlreiche Risikobereiche wurden festgestellt, darunter sind viele wie die Ortslage Niederkleen, das Strauchbachgebiet in Dornholzhausen oder die Schillerstraße in Lang-Göns bereits bekannt. Die Gemeinde selbst hat bereits viele konkrete Maßnahmen ergriffen, darunter beispielsweise die Ausbildung der Feuerwehrleute für die Bedienung des Hochwasserrückhaltebeckens in Niederkleen. Insbesondere für die stark hochwassergefährdete Ortslage in Niederkleen wurden bereits im vergangenen Jahr mobile Hochwassersperren angeschafft. Landwirte wurden sensibilisiert, mehr Wasser auf den Ackerflächen zurückzuhalten, in der Ortslage in Nieder-
kleen soll die Vegetation im Bachbett kurz gehalten und durch einen regelmäßigen Aushub der Sedimentation der Abflussquerschnitt konstant erhalten werden. Automatisierte Pegelmessstellen und Regenschreiber sollen bei Starkregen- und Hochwasserlagen selbstständig die Feuerwehr alarmieren. Vor wenigen Wochen wurde bereits begonnen, in den Langgönser Wäldern, zunächst im Wehrholz und in Niederkleen, Versickerungsmulden für Niederschlagswasser anzulegen, um das Wasser im Wald zu halten und bei Starkregen die Spitzen zu kappen (die BZ berichtete).

Für die Fragen des Publikums standen neben dem Bürgermeister, Susanne Müller, der Klimaschutzmanagerin der Gemeinde, und dem Referenten auch Vertreter des Zweckverbands Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) zur Verfügung. Der Bürgermeister wies auch auf die Gesamtbedeutung dieser Maßnahmen hin und räumte ein: „Man muss ehrlich sein. Wir können nicht alle Lagen im Gemeindegebiet verbessern.“

NIEDERKLEEN. Ende Januar 2021 wurde Niederkleen und Dornholzhausen von einem Hochwasser des Kleebachs  heimgesucht. Unter anderem wurde mit Sandsäcken versucht, das Schlimmste zu verhüten.

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