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„Suche Frieden und jage ihm nach“

NIEDER-WEISEL. Ehrenabordnungen waren zur Gedenkstätte nach Nieder-Weisel gekommen, um am Volkstrauertrag gemeinsam mit den Bürgern der Gefallenen und Opfer der Weltkriege und Gewaltherrschaft zu gedenken.   Text + Fotos: mr

Zentrale Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag auf der Kriegsopferstätte Nieder-Weisel

BUTZBACH/NIEDER-WEISEL (mr). Immer zwei Sonntage vor dem ersten Advent begehen die Deutschen den Volkstrauertag. Er erinnert an die Kriegstoten und Opfer von Gewalt. Der ursprüngliche Gedanke, dass es nur um Kriegstote geht, ist erweitert worden, etwa um Opfer von Rassismus. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge schlug den Gedenktag 1919 vor – 1922 fand die erste Gedenkstunde im Reichstag statt. 

Alljährlich findet die zentrale Gedenkfeier des Wetteraukreises auf der Kriegsgräberstätte Butzbach/Nieder-Weisel statt. Neben Bürgermeister Michael Merle ist in jedem Jahr auch ein Vertreter des Wetteraukreises vor Ort, in diesem Jahr nahm die Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch an der Veranstaltung teil. Als Teilnehmer begrüßte Bürgermeister Merle den Landtagsabgeordneten Norbert Kartmann, die beiden Ortsvorsteher Astrid Gerum (Butzbach) und Bernd Winter (Nieder-Weisel), den Pfarrer der St. Gottfriedsgemeinde Tobias Roßbach sowie Ehrenabordnungen des Kreisverbindungskommandos Wetterau Oberstleutnant Thomas Meißner und ferner Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr Nieder-Weisel.

Musikalisch umrahmt und eröffnet wurde die Veranstaltung von einer Abordnung der Feuerwehrmusik Butzbach/Kirch-Göns.

In seiner Ansprache betonte Bürgermeister Merle die Bedeutung des Volkstrauertags nicht nur als Tag der Erinnerung, der Ehrung der Toten der beiden Weltkriege, sondern auch als Tag der Ermahnung. Noch heute würden in der ganzen Welt Greueltaten an Menschen in meist durch Ideologien oder durch Religion verursachte Kriege begangen. Fehlender Respekt und Menschenverachtung gäben Nahrung für Kriege. Seine Frage nach dem „Was können wir tun, welche Lehren ziehen wir Menschen daraus“ beantwortete Merle mit einem Text einer der Stadt Anfang dieses Jahres übereigneten Plakette „Suche Frieden und jage ihm nach“. Wir alle müssten als Türöffner und Brückenbauer handeln und es sei auch heute noch unverständlich, warum der Waffenexport in die Türkei weiterhin erlaubt werde, obwohl dort für jeden sichtbar mit diesen Waffen Unrecht begangen werde. Merle konstatierte die klare Forderung „Nie wieder Krieg“ und betonte, dass die Toten gerade auf der Kriegsgräberstätte in Nieder-Weisel, wo ehemalige Feinde neben einander lägen, uns klar ermahnten.

Die Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch forderte in ihrer Ansprache, dass – auch wenn es derzeit kaum noch Augenzeugen des letzten Weltkriegs gebe – man dennoch die Erinnerung an das Schreckliche, an das Endliche festhalten müsse. Die Erinnerung sei wichtig. Zweifel, ob wir Veranstaltungen wie den Volkstrauertag noch brauchten, müsse man mit einem klaren „Ja“ beantworten. Das Geschehene dürfe nicht verdrängt werden, der Gedenktag lasse den Menschen innehalten. Für die künftigen Generationen müsse die Erinnerung bewahrt werden. Becker-Bösch erinnerte auch an den Mauerfall vor 30 Jahren, aber auch an den Überfall der Deutschen auf Polen am 1.9.1939 und damit den Beginn von Krieg, Not und letztendlich auch der 40 Jahre dauernden Teilung der beiden deutschen Staaten. 

Dem Volksbund „Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ sei nicht genug zu danken, erreiche er doch durch seine Bildungsarbeit junge Leute über work-camps. „Die Leute, die in den work-camps arbeiten, sind genauso alt wie jene Menschen, deren Gräber sie pflegen. Das hinterlässt bei den jungen Menschen Eindruck und hält die Erinnerung aufrecht“, so Becker-Bösch. Mit einem Ruf „Wer die Geschichte nicht kennt, kann die Zukunft nicht gestalten“ schloss die Erste Kreisbeigeordnete ihre Ansprache.

Pfarrer Tobias Roßbach berichtete von seiner Großmutter, einer Wienerin, die mit einem Deutschen verheiratet war und für die die Situation der Besetzung Wiens durch die Russen Flucht bedeutete. Mahnende Worte richtete der katholische Geistliche mit seiner Botschaft des Friedens an die Zuhörer und in einem gemeinsamen Gebet ehrten die Anwesenden die Opfer der Kriege und Gewalt.

Unter den Klängen von „Ich hat’ einen Kameraden“ legten die Ehrenabordnungen Kränze an den Mahnmalen nieder. Mit einem Schlusswort verabschiedete Bürgermeister Merle die rund drei Dutzend Anwesenden.

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