Szenenapplaus für „Ratzkatrein“ 

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Szenenapplaus für „Ratzkatrein“ 

AUFFÜHRUNGEN –  Historische Veranstaltungsreihe über 1718 zum Tode verurteilte Gambacherin

GAMBACH (HV). Am Wochenende ging die zweite Veranstaltungsreihe des historischen Szenenspiels um die Gambacher „Ratzkatrein“ über die Bühne. Nach bereits drei Veranstaltungen im Vorjahr war das Interesse der Bevölkerung an dem Projekt der Gambacher Theatergruppe Lampenfieber ungebrochen: Am Samstag und Sonntag verfolgten etliche Zuschauerinnen und Zuschauer das Szenenspiel im Gambach des 18. Jahhrunderts. Die sechs Szenen aus dem einzig erhaltenen Gambacher Gerichtsbuch (1701–1755) wurden von Johannes Schütz in spielbare Sequenzen transferiert, wobei Namen und Fakten der damaligen Verhandlungsgegenstände original übernommen und von den Laienspielern an teils authentischen Orten wiedergegeben wurden. Regie führten gemeinsam Manfred Tschertner und Sabine Vetter.

Über 80 Interessierte verfolgten die großen und kleinen Alltags-Streitigkeiten der Gambacher Altvorderen, die im „Gambacher Ei“ vor genau 300 Jahren stattfanden und durch ein sehr engagiertes Laien-Ensemble wieder in die Gegenwart zurückgeholt und von Heimatpfleger Hagen Vetter in der Rolle als Gerichtsscheiber erläutert und kommentiert wurden. Vor Fachwerkkulisse in historischen Gewändern wussten die rund 30 Schauspieler aus dem Dorftratsch um die „Ratzkatrein“, vom Holzfrevel, von einem wirtshaussüchtigen Familienvater, von angetrunkenen Zimmergesellen im Tumult mit den Nachtwächtern, von einer Pfarrhelfer-Schelte mit folgender deftigen Ohrfeige für einen Konfirmanden und von einem Hausfriedensbruch zu berichten. 

Szenenapplaus und riesiger Schlussapplaus ermunterten und belohnten alle Akteure für das engagierte Spiel. Die jüngste Mitwirkende war gerade fünf Jahre alt. Ein Programmheft begleitete die Zuschauer durch die Einzelszenen und lieferte weitere historische Fakten zum Geschehen um die Ratzkatrein. Im Anschluss an das rund anderthalbstündige Spiel trafen sich Publikum und Mitwirkende zum gemütlichen Stelldichein mit Imbiss und Getränken in der offenen Halle im Erdgeschoss des altehrwürdigen Rathauses – just dort, wo 1718 im Obergeschoss das Todesurteil über die drei unglückseligen Gambacherinnen Katharina Ratz („Ratzkatrein“), Anna Regina Scheidt und Katharina Schöffer fiel.

Weitere Aufführungen des historischen Szenenspiels sind für das Wochenende 28./29. April, jeweils um 19.00 Uhr ab dem Vorplatz am Gambacher Kneiben, vorgesehen. Einige Eintrittskarten sind beim Vorsitzenden Ralf Schäfer, Tel. 06033/60170, noch erhältlich. 

Schon heute wird auf den großen öffentlichen „Gedenkgang“ für die Ratzkatrein und ihre beiden Leidensgenossinnen am Samstag, 26. Mai, ab 14.00 Uhr Kneibenvorplatz hingewiesen, wobei ihr vermutlich letzter Weg von der Arrestzelle in der Kirchpforte bis hin zum Scheiterhaufen am heutigen Griedeler Wäldchen nachvollzogen werden soll. Während des etwa zweistündigen „Geschichtsspaziergangs“ werden vom Heimatpfleger Hagen Vetter weitere historische Fakten zum Prozess- und Hinrichtungsgeschehen der drei Justizopfer sowie zu Feld und Flur der Gambacher Gemarkung gegeben. Unterwegs besteht die Möglichkeit zur Einkehr in das Gambacher Schützenhaus bei den „Amtswiesen“ (Nähe Bauhof) beim Schützenverein Gambach 1961.

Die Gambacher Theatergruppe Lampenfieber dankt allen Mitwirkenden für das engagierte und professionelle Spiel, allen dienstbaren Geistern vor und hinter der „Naturbühne“ für die tatkräftige Unterstützung sowie allen Anwohnern und Durchreisenden für Verständnis und Geduld beim Umparken von Fahrzeugen oder kurzfristigen Umleitungen. Nur gemeinsam ist ein solches großes Unterfangen möglich, das allen Gambachern sowie allen Interessierten aus dem Umland wertvolle Einblicke in ein wichtiges und erinnerungswürdiges Stück Heimatkultur gewährt.

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