Theater um die verlorene große Liebe

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Theater um die verlorene große Liebe

OSTHEIM. Ausdrucksstarke Gisela Heine (Theater Media Luna) in „Briefe an den Wind“ am 4. Oktober in Ostheim. Foto: meyer

Schauspielerin Gisela Heine brillierte in experimentellen Theater „Briefe an den Wind“

OSTHEIM (pm). Am vergangenen Freitag gastierte die freie Theatergruppe „Media Luna“ aus dem Raum Stuttgart im Dorfgemeinschaftshaus  in Ostheim. Sie führte eine Bühnenfassung eines Buches des bekannten portugiesischen Autoren Antonio Tabucchi „Es wird immer später“ auf. Dieser Roman in Briefform erzählt die Geschichten verschiedener Personen über die verlorene große Liebe, die in diesem Stück zu der Geschichte einer einzigen Person zusammengefasst werden. Es ist ein experimentelles Theaterstück, ein Zusammenwirken von Videoclips und Musik und sehr wenigen Requisiten, die durch die Text- und Musikauswahl von Pino Capitani und die überzeugende schauspielerische Leistung von Gisela Heine zu einem Ganzen zusammengefügt werden. 

Die Aufführung thematisiert die verlorene große Liebe und die Sehnsucht danach ein Leben lang. Diese Erinnerungen daran, diese Paradiese, aus denen wir nicht wieder vertrieben werden wollen, werden danach wie zu einem Gefängnis: Denn die Person ist verloren, verloren für diese Welt.  Verurteilt, in einem Tagtraum zu leben und stets den Schmerz der Fremdheit im eigenen Leben zu spüren. 

„Ich suche Dich, Liebster“, heißt es in einem der Briefe, „Ich suche dich in jedem Stein, in jedem Stück des Weges und in jeder Sekunde des Wachseins. Und selbst im Schlaf sehe ich dein Bild“. Viele Briefe werden geschrieben. Briefe, die nie abgeschickt werden und wenn doch, nie ankommen. Sinnbildlich werden sie zu Schiffchen gefaltet und dem Meer überlassen. Der Angebetete wird zum rauschhaften Bild, aber die Liebende kann nicht anders. Trauer, Sehnsucht, Groll und Reue wechseln sich ab, aber immer bleibt zuletzt die Sehnsucht. Die Sehnsucht nach dem Geliebten und dem verlorenen geglaubten Glück.  

Die Hauptdarstellerin wird Teil der Filmszenen. Man sieht sie zunächst mit ihrem Geliebten über das Meer reisen und durch viele Städte, in denen turbulentes Leben herrscht. Das Leben ist schön. Später folgen Reisen, allein durch karstige Landschaften bis zum „Ende der Welt“ auf der Suche nach dem Verflossenen.  Die Liebende, sie kann nie ankommen und nie bleiben, denn die Heimat ist nur dort, wo der Geliebte wohnt. 

Immer wieder schlüpft Gisela Heine in verschiedene Rollen, zum Ausdruck gebracht durch verschiedene, schnell gewechselte Kleidung. 

Die Jahre vergehen und der Schmerz wird bitter. „Geliebter, du hast mich zweimal betrogen, als du gingst, ohne dich zu erklären und sogar dein Grab hältst du vor mir versteckt.“ Erst im Alter, als das Abbild zur Maske wird und das Bild des Geliebten starr und der Sand des Lebens gänzlich fast durch ihre Hände geronnen ist, erkennt sie, dass sie loslassen und heiter werden muss, um noch die letzten Jahre zu retten.  

„Briefe an den Wind“ ist ein ernstes Theaterstück, das viele erschaudern ließ, mit Musik von Leonhard Cohen, Georg Friedrich Händel und sardischer Volksmusik.  Ein „Briefauszug“ über die existentielle Bedeutung des großen Gefühls der Liebe und wie sie schicksalhaft den weiteren Lebensfortgang bestimmt. Ein Bühnenstück, mit einfachen Mitteln gelungen umgesetzt, und von der Schauspielerin Gisela Heine überzeugend interpretiert.  Eine Veranstaltung des Vereins Unser Dorf Ostheim e.V. in Zusammenarbeit mit der Kuratorin Kornelia Werner.  

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