Theodor Michael 94-jährig gestorben

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Theodor Michael 94-jährig gestorben

BUTZBACH. Theodor Michael, der das Buch „Deutsch sein und schwarz dazu“ verfasste, ist gestorben.

NACHRUF — Afro-Deutscher lebte unter anderem in Butzbach / NS-Zeit in Deutschland überstanden

BUTZBACH (pm/thg). Theodor Michael ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Das teilte sein Sohn mit. Unter anderem lebte der Sohn einer Näherin aus Ostpreußen und eines Vaters, der aus einer aristokratischen Familie Kameruns stammte, auch in Butzbach. 

Anfang 2014 erschien das Buch „Deutsch sein und schwarz dazu“, das zum Bestseller wurde, in dem Michael seine Geschichte „Erinnerungen eines Afro-Deutschen“ erzählte. Für eine Lesung war er dann auch in Butzbach zu Gast. Einen ungewöhnlichen Lebensweg hat er zurückgelegt. Nach der Volksschule musste er sich auf besondere Weise durchschlagen. Von Page über Schauspieler und Journalist bis hin zum Volkswirt und Regierungsdirektor beim Bundesnachrichtendienst (BND) reichten die Berufe, die er ausübte.

Ab Seite 118 des etwa 200 Seiten starken Buches, das noch erhältlich ist, widmet er sich unter anderem auch seiner Lebensstation „Butzbach“ unter der gleichlautenden Kapitel-Überschrift. 1947 feierte die junge Familie, Michael, seine Frau Elfriede und das erste Kind Roy-Peter ihr erstes gemeinsames Weihnachten in Butzbach. In der Stadt war Michael bekannt. Unter anderem beteiligte er sich an archäologischen Ausgrabungen.

Michael kam 1925 in Berlin als viertes und jüngstes Kind des Kolonialmigranten Theophilius Wonja Michael aus Kamerun und seiner deutschen Frau Martha zur Welt. Ein Jahr nach seiner Geburt starb die Mutter. Die Halbwaisen wuchsen, teils unter erbärmlichen Umständen, bei Pflegeeltern auf. Im Zirkus traten er und seine Geschwister im Baströckchen auf. Als 1934 auch der Vater starb, wurden die Geschwister getrennt.

Michael durfte nach der Volks- schule aufgrund seiner Hautfarbe keine weitere Ausbildung machen und schlug sich als Page, Portier und Komparse durch, bis er 1943 in einem Arbeitslager interniert wurde, wo er auch die Befreiung erlebte. Nach dem Krieg gründete er eine Familie mit einer jungen Schlesierin, war als Dolmetscher und Schauspieler tätig, studierte auf dem zweiten Bildungsweg Volkswirtschaft und entwickelte sich zu einem anerkannten Afrika-Spezialisten. Als solcher wurde er schließlich vom BND an- geworben. Nach seiner Pensionierung war er wieder als Schauspieler tätig und engagierte sich in der afro-deutschen Community.

„Michaels Autobiografie erscheint so aberwitzig, dass sie erfunden sein könnte, wenn sie nicht allzu wahr wäre. Er entfaltet in dem Werk eine Welt, die man so nicht gekannt hat. Er erzählt all dies ganz nüchtern, aber die Ereignisse sprechen für sich“, schrieb der Verlag anlässlich des Erscheinens der Biografie.

Als Michaels Vater nach Deutschland kam, war Kamerun noch deutsches Schutzgebiet, sprich Kolonie. Afrikaner wurden in Deutschland ganz freundlich aufgenommen. Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Kolonien verloren, und das Klima wurde deutlich unfreundlicher. Man fand, die Schwarzen sollten den Deutschen keine Arbeitsplätze wegnehmen. Aber in den sehr beliebten Völkerschauen kamen sie noch unter, die „Artfremden“ mit dem „negro-iden Einschlag“. Sogar in der Nazi- Zeit, als Statisten in den äußerst beliebten Kolonialfilmen. Doch dann landeten sie im KZ oder in Zwangsarbeiterlagern. Michael hat das alles überstanden, um dann nach Kriegsende festzustellen, dass er der Kollaboration verdächtigt wurde, weil er überlebt hatte.

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