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Toilette „näher ans Geschehen“ bringen

PLANUNG – Bürgermeister Merle stellt Ersatzidee für geschlossene Anlage vor / Container und Wartehalle

BUTZBACH (thg). Wie eine Lösung der Toiletten-Misere am Butzbacher Bahnhof aussehen könnte, beantwortete Bürgermeister Michael Merle gestern zusammen mit Markus Lambrecht und Can Sinemli von der Stadtverwaltung. Nach einer favorisierten Planungsvariante könnte ein Container mit rückwärtiger Wartehalle errichtet werden. Im weiteren Verlauf auf dem Gelände des früheren Bahnhofsgebäudes könnten Bäume gesetzt und eine Sitzmöglichkeit aus Naturstein geschaffen werden. Der Magistrat habe die Planung besprochen, aber noch nicht darüber beschlossen. Wie Merle vorige Woche in der Stadtverordnetenversammlung ankündigte, werde dies in einer Ausschusssitzung auch noch öffentlich präsentiert. 

Vandalismus, immer wieder mit Toilettenpapier verstopfte Abflüsse, wodurch der Vorraum überschwemmt wurde und Abwasser nach außen drang und Müll-Ablagerungen – darunter Spritzen, Binden und Kondome – sowie das Verteilen von Fäkalien waren in der bisherigen Toilettenanlage festzustellen. Die Lage verschärfend kam ein Frostschaden hinzu. „Es war schwierig, noch Personal oder einen Dienstleister für die Arbeit zu finden.“ 15 000 Euro kostet die Stadt jährlich der Betrieb und die Unterhaltung der Anlage. Die Bahn beschäftigt sich laut Merle mit diesem Thema überhaupt nicht. 

Im Zuge der Gesamtplanung für ein neues Bahnhofsgebäude seien auch Toiletten Teil der Planung gewesen ebenso wie beispielsweise die Zukunft des Citybüros. Die Stadt habe im Internet auch eine Bebauungsstudie veröffentlicht. Die Arbeit an der Übergangslösung sei mehrfach Thema im Magistrat gewesen. Unter dem Aspekt der sozialen Kontrolle wolle man die Sanitäranlagen „näher an das Geschehen“ im Vergleich zum derzeit eher abgelegenen Standort heranbringen. Hinzu komme der Schutz vor Witterungseinflüssen. 

Gesamtkosten von 150 000 Euro würden durch die Neuanlage entstehen, wobei der allergrößte Teil aus der Zahlung des Wohnen-am-Bahnhof-Investors bestritten würde und die Stadt etwa 30 000 Euro zu zahlen habe. Die Planung für den Toilettencontainer liege zudem außerhalb des Baufelds für ein neues Bahnhofsgebäude. Schräg gegenüber vom Taxistand und entlang des Bahnsteigs würde der Fertigcontainer aufgestellt. Er würde eine Verkleidung erhalten, wäre zudem gedämmt und erhielte im Innenausbau entsprechende Böden und Wandverkleidung etwa analog zu einem Toilettenwagen auf Butzbacher Festen. In den alten Standort zu investieren, wird nicht geplant, zumal dieser im Bahnhofs-Baufeld liege. 

Merle wies auch darauf hin, dass am Komplex Bahnhof in der Verwaltung weiter gearbeitet werde. So wird parallel auch der Planungsauftrag für die Herstellung der Barrierefreiheit des Gleiszugangs erstellt. Dazu sei auch der Kontakt mit der Bahn hergestellt, ferner gehe es darum, in entsprechende Förderprogramme zu kommen. 

Ein weiterer Ansatzpunkt ist das Konzept der „netten Toilette“. Das bedeutet, dass beispielsweise Gastronomen auch bereit sind, Menschen, die keine Gäste sind, die Nutzung der sanitären Einrichtungen zu ermöglichen. Dieses Konzept könnte auf die gesamte Innenstadt ausgedehnt werden. Die teilnehmenden Betriebe erhielten einen Zuschuss. Nach Erfahrungen anderer Kommunen gebe es den positiven Effekt, dass die Betriebe nicht nur mehr Frequenz, sondern auch mehr Kundschaft verzeichneten. Sollte das Konzept in Erwägung gezogen werden, würden Gespräche mit den Gastronomen aufgenommen. 

 

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